So lässt sich jedes Tier trainieren

Seit 2009 hilft Axel Reichert (37) Rat suchenden Tierhaltern. Immer an seiner Seite sind die Australian Shepherds Jess (7, l.) und Oskar (5), die auch als Therapiehunde in Förderschulen im Einsatz sind.
Seit 2009 hilft Axel Reichert (37) Rat suchenden Tierhaltern. Immer an seiner Seite sind die Australian Shepherds Jess (7, l.) und Oskar (5), die auch als Therapiehunde in Förderschulen im Einsatz sind.

Von Antje Meier

Dresden - Wenn der Hund ständig bellt, der Wellensittich sich die Federn rupft und Miezekatze die Möbel zerkratzt, liegt das meist am Halter, meint Tierpsychologe Axel Reichert (37). Der Dresdner geht den Macken unserer Lieblinge auf den Grund.

„Macken bei Tieren entstehen durch nicht artgerechte Haltung“, klärt der Tierexperte auf.

„Wellensittiche zum Beispiel leben in großen Scharen“, sagt Reichert. Werden sie allein gehalten, ist das Federrupfen ein typisches Signal für Einsamkeit.

Stubentiger hingegen können eine Art „Lagerkoller“ kriegen. „Die Katze streift normalerweise draußen umher, prügelt sich ab und zu und fängt Mäuse. Wird sie in der Wohnung gehalten, muss sie beschäftigt werden“, meint der Katzenversteher. Denn langweilt sich die Katz’, macht sie Terror.

Tierpsychologe Axel Reichert weiß, was in den Köpfen der Tiere vorgeht.
Tierpsychologe Axel Reichert weiß, was in den Köpfen der Tiere vorgeht.

Die meisten Probleme hat der Mensch allerdings mit seinem besten Freund.

„Hunde begleiten einen mehr im Alltag. Da gibt es die Situation Hund-Jogger, Hund-Fahrrad, Hund-Katze oder Hund-Hund.“ Für jedes auftretende Symptom müsse die richtige Ursache gefunden werden.

„Oft ist aber die Kommunikation das Problem. Der Mensch versteht nicht, wie wirke ich auf meinen Hund“, weiß Reichert, der selbst zwei Australian Shepherd hat.

Doch der Tiertherapeut beruhigt: „Man kann jedes Tier trainieren. Auch wenn man ein Meerschweinchen nicht dazu bekommt, Sitz zu machen.“

Es müsse sich nur für das Tier lohnen. Wichtig seien dabei viel Geduld, Training und eine tiefe Bindung zwischen Mensch und Tier.

Mehr Infos unter: www.animalmanship.de

Wenn der Hund streikt

Wenn Hunde Macken entwickeln, kann das für andere schnell gefährlich werden.
Wenn Hunde Macken entwickeln, kann das für andere schnell gefährlich werden.

Ob groß oder klein: Jeder Hund kann zum Terror-Tier werden.

„Probleme mit dem Hund sind schwerwiegender, da jemand zu Schaden kommen könnte“, merkt Tierpsychologe Axel Reichert an. Häufigste Auffälligkeiten sind Aggressionen gegenüber Artgenossen, vor allem an der Leine, und Dauergebell in der Wohnung.

„Als Erstes muss man immer die Ursache für das Verhalten des Hundes ausmachen“, erklärt der Profi. „Dafür stelle ich zum Beispiel Kameras inder Wohnung auf, um zu sehen: Bellt der Hund, weil er das Alleinsein nicht gewohnt ist, aus Frustration, Angst oder weil er etwas hört?“

Grundlage für jede Problembehebung: eine intakte Mensch-Hund-Beziehung.

„Je stärker die Bindung, umso problemloser ist der Gehorsam.“ Gestärkt wird die Bindung durchs Spielen, Spazierengehen und ganz wichtig: Kommunikation – über Sprache, Gerüche sowie Mimik und Gestik.

Reichert: „Oft verbringt der Mensch einfach zu wenig Zeit mit seinem besten Freund.“

Wenn die Katze die Krallen ausfährt

Miau! Wenn der Katze etwas nicht passt, teilt sie das ihrem Besitzer gern lautstark mit.
Miau! Wenn der Katze etwas nicht passt, teilt sie das ihrem Besitzer gern lautstark mit.

Macht der Schmusekater Ärger, leidet darunter nicht nur der Mensch.

Oft werden Möbel, Tapeten und Gardinen zum Opfer der Krallen.

„Man kann einer Katze nichts verbieten. Ist man aus dem Haus, macht sie eh, was sie will“, erklärt Axel Reichert. „Aber man kann ihr Alternativen anbieten.“

Heißt: Sind ausreichend Kratzgelegenheiten wie Kratzbaum, Äste oder Stämme da, verschont die Katze auch das teure Sofa. Liege- und Sitzflächen an Fenstern sorgen zu dem für Unterhaltung der Katze. Denn schon vorbei fliegende Vögel oder Blätter machen das Katzenlebenviel spannender.

„Um bei Katzen die Ursache für ein Fehlverhalten zu finden,muss man Dinge ausprobieren.Wenn es nicht besser wird, lassen und das nächste probieren“, rät der Tierexperte.

Dabei sollten Katzenhalter aber nicht zu viel auf einmal verändern.

„Sonst weiß man nicht mehr,was die Verbesserung herbei geführt hat.“

Was gar nicht geht: Der Katze das Territorium wegnehmen. Durfte die Katze ins Schlafzimmer und plötzlich nicht mehr?

Das lässt sich Katze nicht gefallen und wird lautstark protestieren.

Fotos: imago, Thomas Türpe


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