Tierschutz-Skandal: Behörde ergreift endlich drastische Maßnahme

Sonthofen - Im Allgäuer Tierschutz-Skandal soll nun erstmals einem betroffenen Rinderhalter ein Tierhaltungsverbot auferlegt werden. Das Landratsamtes Oberallgäu will noch in dieser Woche das Verbot in Kraft setzen.

Viele der Kühe in den betroffenen Betrieben sind krank. (Symbolbild)
Viele der Kühe in den betroffenen Betrieben sind krank. (Symbolbild)

Bei einer Nachkontrolle am Montag sei festgestellt worden, dass sich die Verhältnisse für die rund 600 Tiere überhaupt nicht verbessert hätten, sagte der Sprecher der Kreisbehörde in Sonthofen, Andreas Kaenders.

"Es sind dramatische Zustände", sagte er. "In den nächsten Tagen werden wir ein Tierhaltungsverbot erlassen."

Das Landratsamt hatte in der vergangenen Woche bei einer Kontrolle auf dem Bauernhof im nördlichen Landkreis festgestellt, dass zahlreiche der 480 Milchkühe und 100 Kälber krank sind. In dem Stall herrschten "unhaltbare hygienische Umstände".

Etwa jedes zweite Tier soll wegen mangelhafter Haltung erhebliche Klauenprobleme haben, andere Tiere seien unterernährt. Daraufhin wurden dem Betrieb Auflagen gemacht, die nach Angaben der Behörde aber nicht umgesetzt wurden.

Das Landratsamt rechnet damit, dass in den kommenden Tagen noch weitere Rinder eingeschläfert werden müssen. Die anderen Tiere werden dann voraussichtlich in anderen Ställen untergebracht werden müssen.

Bislang ist noch unbekannt, wie dies genau organisiert werden soll.

Skandal im Skandal: Warum wird den Tieren nicht geholfen?

Der Zustand der Tiere sei weiterhin erschreckend. (Symbolbild)
Der Zustand der Tiere sei weiterhin erschreckend. (Symbolbild)

Die Landtags-SPD kritisierte, dass die Kühe nicht bereits vor Tagen vom Landratsamt "aus diesen schrecklichen Zuständen gerettet" worden seien. Dies sei "ein Skandal im Skandal", sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD, Florian von Brunn.

Hunderte von Kühen müssten immer noch krank in völlig verdreckten Ställen stehen oder liegen. Die Rinder seien teilweise "erschreckend abgemagert". Die SPD will den Fall im Umweltausschuss des Maximilianeums behandeln.

Seit Monaten gibt es im Allgäu Verstöße gegen den Tierschutz. Verschiedene Höfe sind davon betroffen. Erst im Dezember 2019 waren auf einem anderen Hof im Oberallgäu Fälle bekannt geworden. Daraufhin mussten auch dort mehrere Tiere eingeschläfert werden.

Vor einem halben Jahr waren erstmals Tierschutz-Verstöße im Allgäu publik geworden, nachdem Videoaufnahmen einer Tierschutzorganisation an die Öffentlichkeit gelangt waren. Diese zeigen, wie mutmaßlich auf dem Hof eines der größten Milchviehbetriebe in Bayern Kühe misshandelt werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen mehrere Betriebe und Einzelpersonen - darunter Betreiber, Mitarbeiter und Tierärzte. Die Betriebe sollen unabhängig voneinander arbeiten.

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