Warum Til Schweigers "Head Full of Honey" ein Reinfall ist

London - Til Schweiger (55) versteht die mitunter sehr harsche Kritik an seinem Film "Head Full of Honey" nicht (TAG24 berichtete)! Klar, dass einen Filmemacher Aussagen wie "so lustig wie eine Wurzelbehandlung ohne Narkose" treffen. Auch wenn diese Formulierung aus einer US-Kritik hart sein mag: Falsch ist sie nicht. Denn Schweigers Film ist ein Flop.

Matilda (l., Sophie Lane Nolte) fährt mit ihrem an Alzheimer erkrankten Opa Amadeus (Nick Nolte) bis nach Venedig.
Matilda (l., Sophie Lane Nolte) fährt mit ihrem an Alzheimer erkrankten Opa Amadeus (Nick Nolte) bis nach Venedig.  © PR/Warner Bros
Das war vorab zwar zu erahnen, man selbst konnte sich vor dem Kinostart allerdings kein eigenes Bild machen, weil es keine offizielle Pressevorführung zum Remake von "Honig im Kopf" gab.

Um ihn dennoch sehen und einschätzen zu können, blieb mir nichts anderes übrig, als in meiner Freizeit, am Mittwoch, den 27. März, ins CinemaxX Berlin am Potsdamer Platz zu gehen.

Obwohl der Film erst letzte Woche Donnerstag, am 21. März, in den deutschen Kinos angelaufen ist und Schweiger die Hoffnung hegte, dass das hiesige Publikum sein Werk besser aufnehmen würde, als die Menschen in den USA, lief die Vorstellung um 19 Uhr, einer durchaus zuschauerfreundlichen Zeit, nur im hintersten Kino - Saal 19 von 19!

Dort finden handgezählt 46 Leute Platz. Davon besetzt waren genau zwei Sitzplätze. Einer von mir und einer von meiner Begleitung. Es war also eine Privatvorführung für insgesamt 15,60 Euro (7,80 Euro kostete eine Karte im Parkett-Bereich).

Nun konnte ich ganz in Ruhe sehen, warum "Head Full of Honey" in Deutschland niemanden zu interessieren scheint. Die Neuauflage kann dem charmanten und angemessenen Original nämlich nicht ansatzweise das Wasser reichen.

Nick (r., Matt Dillon) spendet seinem Vater Amadeus (Nick Nolte) Trost.
Nick (r., Matt Dillon) spendet seinem Vater Amadeus (Nick Nolte) Trost.  © PR/Warner Bros

Im Gegenteil. Schweigers Werk ist nichts anderes, als einer der schwächsten Filme des Jahres, weil er einige grausam mitanzuschauende Fehler macht, über die man nur fassungslos den Kopf schütteln kann.

Dabei geht alles los, wie beim erfolgreichen Film von 2014, der mehr als sieben Millionen Menschen in die Kinos lockte.

Der Mittsiebziger Amadeus (Nick Nolte) muss den Verlust seiner Frau verkraften. Er wohnt noch drei Monate alleine, bevor er seinen Sohn Nick (Matt Dillon), dessen Frau Sarah (Emily Mortimer) und seine Enkelin Matilda (Sophie Lane Nolte) bittet, bei ihm vorbeizukommen, weil er selbst den Weg zum Grab seiner Frau nicht mehr finden kann und notgedrungen bei ihnen einzieht.

Schon hier werden die ersten Unterschiede zum Original deutlich: Das Remake ist bereits zu Beginn anstrengend und ermüdend.

Gerade die Figur Sarah gehört zu den unsympathischsten Charakteren, die es in den letzten Jahren auf der Leinwand zu ertragen gab - selbst für Zuschauer, die die Schauspielerin Emily Mortimer grundsätzlich mögen!

Was Schweiger, der neben seiner Arbeit als Regisseur und Produzent auch das entsetzlich schlechte Drehbuch schrieb, sich bei ihrer Rolle gedacht hat, ist ein Rätsel.

Streiten sich andauernd: Nick (l., Matt Dillon) und Sarah (Emily Mortimer).
Streiten sich andauernd: Nick (l., Matt Dillon) und Sarah (Emily Mortimer).  © PR/Warner Bros

Mit ihren ständigem, nervtötenden Gemecker und Gekeife würde sie alleine schon dafür sorgen, dass sich das Publikum vom Film abwendet und emotional gar nicht erst einsteigt. Auch ihr Wandel im späteren Verlauf überzeugt nicht.

Da Dillon als müder Gegenpart zusätzlich andauernd beschwichtigt und die offensichtliche Krankheit des Vaters nicht wahrhaben will, strapaziert "Head Full of Honey" die Geduld der Zuschauer bereits zu Beginn aufs Äußerste.

So erfährt man teilnahmslos, dass die Familie große Probleme hat und extra aus den USA nach London zog, um neu anzufangen.

Denn beide Ehepartner gingen fremd. Anstatt sich auszusprechen, ziehen sie es vor, extrem viel zu arbeiten, um sich- und weiteren Streitereien aus dem Weg zu gehen - was natürlich nicht funktioniert.

So müssen die Zuschauer über die Dauer von 132 Minuten erst einen Disput nach dem anderen ertragen, ehe der Film im letzten Drittel immer kitschiger und klischeeüberladener wird. Als wäre das noch nicht genug, schafft es "Head Full of Honey" im Gegensatz zum Original nicht, den richtigen Ton zu treffen und das Thema Alzheimer würdevoll darzustellen.

Nick (l., Matt Dillon) und Matilda (r., Sophie Lane Nolte) warten darauf, dass ein Arzt den verwirrten Amadeus (M. Nick Nolte) durchcheckt.
Nick (l., Matt Dillon) und Matilda (r., Sophie Lane Nolte) warten darauf, dass ein Arzt den verwirrten Amadeus (M. Nick Nolte) durchcheckt.  © PR/Warner Bros

Stattdessen wird Noltes Figur, die in alle nur möglichen Fettnäpfchen tritt, durch die Dialoge und das Skript ins Lächerliche gezogen. Denn Schweiger hat sich zusätzlich zu all den anderen Filmfehlern dazu entschlossen, auf anzüglichen Humor zu setzen.

Ein negatives Highlight: Amadeus sieht Fernsehen und flirtet geifernd mit Melania Trump, die sein Blut in Wallung bringt. Selten so gelacht - nicht!

Auch von dieser Szene abgesehen gibt es noch mehrere Dutzend Stellen, an denen man sich fremdschämt.

Allerdings - und so viel muss bei all der Kritik auch gesagt werden - gibt es ein paar einzelne Szenen, die durchaus Qualität haben und überzeugen können. Aber nur, bis die nächste Sequenz für eine weitere Peinlichkeit sorgt. Immerhin können die Locations, die Kameraführung und die Ausstattung durchaus überzeugen.

Auch die Beziehung zwischen Matilda und Amadeus hat gute Ansätze, wird durch die völlig unglaubwürdige Inszenierung aber immer wieder ausgebremst. Dazu lassen auch noch die schauspielerischen Leistungen des namhaften Casts zu wünschen übrig. Da helfen auch Gastauftritte von deutschen Stars wie Veronica Ferres oder Tim Wilde nicht. Schweiger selbst tritt übrigens ebenfalls auf - als Kellner, der sich von Sarahs Mutter Vivian (Jacqueline Bisset) anflirten lässt...

Wegen all dieser Schwächen ist "Head Full of Honey" ein völlig überflüssiges Remake und einer der schlechtesten Filme des Jahres, um den man einen weiten Bogen machen sollte, weil er nervtötend, unlustig, langweilig und zäh ist, emotional völlig kalt lässt und man viele Fremdschäm-Momente über sich ergehen lassen muss. Er ist der Inbegriff eines filmischen Rohrkrepierers.

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