HSV-Verteidiger Tim Leibold entwickelt sich zur Vorlagen-Maschine

Hamburg - Er ist ein wahrer Glücksgriff! Mit Neuverpflichtungen ist es gerade beim Hamburger SV immer so eine Sache. Nicht selten kosten sie richtig Geld, werden dann aber den hohen Erwartungen nicht gerecht.

Tim Leibold geht rustikal gegen Dresdens Baris Atik in den Zweikampf.
Tim Leibold geht rustikal gegen Dresdens Baris Atik in den Zweikampf.  © Christian Charisius/dpa

Der HSV kann davon ein Lied aus leidvoller Vergangenheit singen.

Ailton, Juan Pablo Sorin, Thiago Neves, Markus Berg - es sind nur einige Namen einer langen Liste, die im Volkspark nie wieder an ihre Leistungen vergangener Tage anknüpfen konnten.

In diesem Sommer scheinen die Verantwortlichen dagegen vieles richtig gemacht zu haben.

Zu ihren Edelverpflichtungen neben Bayern-Leihgabe Adrian Fein und dem achtfachen Saisontorschützen Sonny Kittel gehört zweifellos Tim Leibold. Der Abwehrspieler spult nahezu konstant ein sehenswertes Pensum auf der linken Außenbahn ab und ist so häufig an Toren beteiligt wie kein anderer Verteidiger.

Ob er bislang elf, zehn oder acht Torvorlagen gegeben hat, ist nicht ganz klar. Da streiten sich die Statistiker. "Er hat nach unserer internen Rechnung sein elftes Saisontor vorbereitet, das ist natürlich herausragend. Er ist in einer großartigen Verfassung", schwärmt Trainer Dieter Hecking von seinem Schützling.

Leibold verspürt wieder "richtig Bock auf Fußball"

Mit dem 1. FC Nürnberg stieg der Linksverteidiger aus der Bundesliga ab.
Mit dem 1. FC Nürnberg stieg der Linksverteidiger aus der Bundesliga ab.  © Swen Pförtner/dpa

Beim schwer erkämpften 2:1-Sieg in der Nachspielzeit gegen Dynamo Dresden verlieh ihm Hecking das Prädikat "herausragender Spieler des Spiels" und nannte die Leistung des Dauerläufers "außergewöhnlich".

Geradezu unauffällig erledigt Leibold dagegen jenen Part, der seine Kernkompetenz sein soll: die Abwehrarbeit. 23 seiner 26 Zweikämpfe gewann er gegen die Dresdner Angreifer und erzielte damit einen Topwert.

Dass der 25 Jahre alte Schwabe, der im Sommer für 1,8 Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg kam, derart einschlagen wird, konnte man so nicht erwarten. In der vergangenen Saison hatte das Fachmagazin "kicker" dem Linksfuß die Mittelmaß-Note 3,82 verpasst. In dieser Spielzeit steht er bei 2,82 - Tendenz steigend.

Der Abstieg aus der Bundesliga ins Unterhaus hat Leibold geradezu beflügelt. "Es ist ein Fortschritt für mich. Eine neue Umgebung, neue Mannschaft, neuer Trainer – neue Aufgabe. Ich bin raus aus meiner Wohlfühloase in Nürnberg, wo ich wirklich vier schöne Jahre hatte. Aber ich wollte einfach was Neues, verspüre jetzt wieder richtigen Bock auf Fußball", sagte der gebürtige Böblinger.

Leistungen wecken Begehrlichkeiten der Konkurrenz

Der linke Fuß von Tim Leibold ist eine Waffe.
Der linke Fuß von Tim Leibold ist eine Waffe.  © Matthias Balk/dpa

Leibold hat es geschafft, dass kaum noch jemand über seinen prominenten Vorgänger Douglas Santos spricht. Der Brasilianer, oftmals gehuldigt als bester Fußballer der 2. Liga, zelebrierte seine Qualitäten ebenfalls bei der Inszenierung der Offensive.

Sechs Torvorlagen gab er in der vergangenen Zweitliga-Saison des HSV, ein Tor erzielte er selbst. Die zwölf Millionen Ablöse, die sein Transfer nach St. Petersburg einbrachte, hat auch die Verpflichtung von Leibold ermöglicht.

Spielt Leibold weiterhin auf dem Level, wird das Begehrlichkeiten bei Konkurrenten hervorrufen. Zwar hat der Verteidiger einen Vertrag bis Juni 2023, ein Transfer ist aber immer eine Frage des Geldes, zumal bei einem chronisch klammen Verein wie dem HSV mit Verbindlichkeiten von 91 Millionen Euro.

Er habe mit dem Wechsel zum HSV eine Entscheidung für die Zukunft getroffen, meint der Flanken-Spezialist, schränkt dann aber ein: "Wir wissen nicht, was morgen ist."

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