TAG24-Interview: VfB-Legende Hildebrand spricht über Präsident Dietrich und Veganismus

Stuttgart - Timo Hildebrand gilt beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart als Torwartlegende. 2007 wurde der ehemalige Keeper mit den Schwaben Deutscher Meister. Seit vier Jahren ernährt er sich vegan und verzichtet bis auf wenige Ausnahmen auf Fleisch und tierische Produkte, wie zum Beispiel Milch und Eier. Hildebrand engagiert sich außerdem für die Tierschutzorganisation "Peta". Darüber und über die aktuelle Lage des VfB Stuttgart sprach der 40-Jährige mit TAG24. Auch die anhaltende Kritik gegen VfB-Präsident Wolfgang Dietrich war ein Thema.

Setzt sich für die Tierschutzorganisation "Peta" ein: Ex-VfB-Keeper Timo Hildebrand mit einer Sprecherin von "Peta".
Setzt sich für die Tierschutzorganisation "Peta" ein: Ex-VfB-Keeper Timo Hildebrand mit einer Sprecherin von "Peta".  © Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

TAG24: Herr Hildebrand, inwiefern ist ihre vegane Ernährung politisch motiviert und welche Rolle spielt die Gesundheit?

Timo Hildebrand: Jeder hat seine Präferenz, wie er zu dem Thema kommt. Es gibt so viele Argumente, sich nur pflanzlich zu ernähren. Ich für meinen Teil habe mich damit beschäftigt, wie ich meiner Gesundheit etwas Gutes tun kann. Dann habe ich in ein veganes Unternehmen investiert und das eine kam zum anderen. Mit der Zeit wird man außerdem sensibler und der Umweltgedanke spielt eine Rolle.

TAG24: Warum geht es Ihnen seit der Ernährungsumstellung besser?

Timo Hildebrand: Ich kann besser schlafen und beim Sport gibt es mir ein besseres Gefühl. Aber ich habe zu spät angefangen. Ich hätte gerne in meiner aktiven Karriere erlebt, wie sich mein Körper anfühlt.

TAG24: Kann man sich mit Fleisch nicht gesund ernähren?

VfB-Legende Timo Hildebrand (l.) im Exklusiv-Interview mit TAG24-Redakteur Niklas Noack (r).
VfB-Legende Timo Hildebrand (l.) im Exklusiv-Interview mit TAG24-Redakteur Niklas Noack (r).  © Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Timo Hildebrand: Wahrscheinlich schon. Ich bin da nicht dogmatisch und kein Experte. Ich kann auch nicht immer sagen, welche Nährstoffe wo drin sind. Doch Fleisch ist einfach negativ behaftet. In Rindfleisch sind beispielsweise Krebsstoffe. Und dann gibt es ja auch noch das Tierleiden, was ebenfalls ein Thema für mich ist.

TAG24: Häufig wird behauptet, dass sich Profi-Fußballer nicht vegan ernähren könnten. Ohne Fleisch würde ihnen die Kraft fehlen, lautet dann der Vorwurf. Wie gehen Sie mit solchen Vorurteilen um?

Timo Hildebrand: Es gibt generell im Sport viele positive Beispiele von Top-Athleten, die sich etwas anders ernähren und das Gegenteil beweisen. Zum Beispiel die Tennisstars Novak Đoković (verzichtet auf Gluten, Anm. d. Red.) und die Williams-Sisters (vegan, Anm. d. Red.). Mit den Klischees wird man dennoch immer wieder konfrontiert. Mit dem Vorwurf, Fleisch gehöre dazu, es schmecke doch. Genau dagegen kämpfe ich. Ich will den Menschen ins Bewusstsein rufen, dass es auch ohne Fleisch geht.

Mit der Meisterschale im Jahr 2007: Ex-VfB-Keeper Timo Hildebrand.
Mit der Meisterschale im Jahr 2007: Ex-VfB-Keeper Timo Hildebrand.  © DPA

TAG24: Kommen wir mal auf Ihren VfB zu sprechen. Sie wollten ins Vereinspräsidium, doch der Club hat sich schlussendlich gegen sie entschieden. Schade für sie?

Timo Hildebrand: Nö. Ich wollte dem VfB meine Unterstützung anbieten, in welchem Amt auch immer. Die Idee mit dem Präsidium kam relativ spontan und es ist nicht weiter schlimm, dass daraus nichts geworden ist.

TAG24: Und jetzt unterstützen Sie den VfB im Nachwuchsbereich?

Timo Hildebrand: Der Verein hat mir angeboten in einem Mitgliedsausschuss mitzuwirken. Ich bin aber auch froh, frei zu sein. Ich will nicht hauptberuflich beim VfB arbeiten. Aber es ist mein Herzensklub und ich versuche natürlich zu helfen, dass es für den Verein wieder in höhere Tabellenregionen geht.

TAG24: Wie sehen Sie die Kritik an VfB-Präsident Wolfgang Dietrich?

Timo Hildebrand: Schwierig. Ich finde es eigentlich gut, was er in den letzten Jahren gemacht hat. Er ist ein Entscheider, ein Macher, der anpackt und Dinge verändert. Klar ist er aufgrund seiner Vergangenheit als Sprecher von Stuttgart 21 und aktuell durch seine Verflechtungen beim Fußball-Kreditgeber "Quattrex" in der Fan-Szene sehr umstritten, aber im Grunde finde ich gut, was er angepackt hat. Ich habe auch immer Verständnis für die Fans, doch ich glaube, wäre der VfB auf dem neunten Tabellenplatz, dann würde Dietrich weniger kritisiert werden. Es steht und fällt mit dem Erfolg.

TAG24: Seit Februar ist Thomas Hitzlsperger neuer Sportvorstand und Tim Walter wird ab kommender Saison Trainer bei den Brustringträgern. Was sagen Sie zu der neuen Ausrichtung des VfB?

Timo Hildebrand: Tim Walter kenne ich nicht. Aber gerade „Hitz“ finde ich eine gute Entscheidung. Ich würde dem VfB wünschen, dass mal ein Trainer oder Manager über mehrere Jahre bleibt. Kontinuität ist das Wichtigste im Fußball.

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