Die Natur braucht jetzt unsere Hilfe! So unterstützt Ihr Tiere in der kalten Jahreszeit

Sachsen - Aufmerksame Autofahrer haben's längst bemerkt. Im Sommer muss man die Frontscheibe kaum noch reinigen. Was des einen Freud', ist der Tierwelt Leid. Besonders für unsere heimischen Vögel und Lurche ist das Insektensterben katastrophal. Doch wir können was tun!

NABU-Experte Karl-Hartmut Müller liegt die Bewahrung der Natur am Herzen.
NABU-Experte Karl-Hartmut Müller liegt die Bewahrung der Natur am Herzen.  © Holm Helis

Amsel, Drossel & Co. sind geschwächt. Das katastrophale Insektensterben macht unseren gefiederten Freunden zu schaffen.

Karl-Hartmut Müller, NABU-Experte: "Das Nahrungsangebot im Sommer war mau."

Und nun steht der Winter vor der Tür.

Eins ist sicher, bei Schnee und Eis kann Zufüttern nicht schaden. Von hohem Wert sind Futterhäuschen und Meisenknödel allerdings nicht. Sicher, das Naturerlebnis rund um die Futterstelle vermittelt Artenkenntnis.

"Echter Naturschutz erfordert aber weitreichendere Maßnahmen", sagt NABU-Experte Müller.

Lebensräume erhalten, heißt die Devise. Geeignete Nistmöglichkeiten und Nahrungsquellen gehören dazu.

Vögel mögen's nicht allzu aufgeräumt:

Ein Vogelhäuschen lockt die gefiederten Freunde in Scharen in winterliche Gärten.
Ein Vogelhäuschen lockt die gefiederten Freunde in Scharen in winterliche Gärten.  © DPA

Ideal sind Gärten mit heimischen, beerentragenden Sträuchern, die der Vogelwelt auch im Winter Futter und Schutz vor der Witterung und Fressfeinden bieten.

Von Holunder, Hartriegel oder Hagebutte über Schlehe und Schneeball bis zum Weißdorn und der Kornelkirsche - die naturnahen Sträucher bieten für jeden Geschmack ein üppiges Mahl. Die schwarz, rot oder orange leuchtenden Trauben versorgen Weichfutterfresser wie Zaunkönig oder Rotkehlchen. Gimpel, Grünfink, Sperling und Goldammer (Körnerfresser) bevorzugen die Samen von Disteln und Doldenblütlern. Meise, Specht und Kleiber (Allesfresser) picken sowohl Körner- und Weichfutter, gehen aber auch an Meisenringe.

"Indirekt ist die Winterfütterung ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz", so NABU-Experte Müller. Schließlich habe manch aktiver Naturschützer einst mit dem Zufüttern der Vögel im Winter begonnen. Einiges gilt es dabei aber zu beachten!

Vogelhäuser sollten vor Katzen und Vogelkot sicher sein und das Futter trocken aufbewahren, damit es weder vereist noch verdirbt. Säulenförmige Futtercontainer aus Plexiglas oder Drahtgitter sind beispielsweise pflegeleichter und hygienischer als Futterhäuschen aus Holz.

Räumt den Garten vorm Winter nicht auf. Lasst die Samen- und Beerenstände der Pflanzen und Sträucher stehen. Ebenso wichtig sind Laub oder Rindenmulch auf dem Boden: Hier finden Vögel auch im Winter tierisches Futter wie Würmer, Asseln und Insekten. Chemische Pflanzenschutzmittel sind im heimischen Garten tabu!

Frosch & Co. brauchen es feucht

Der Laubfrosch begibt sich jetzt in die Winterstarre.
Der Laubfrosch begibt sich jetzt in die Winterstarre.  © Imago

Ganz besonders hart traf der Dürre-Sommer die Lurche.

Schlimm, viele ihrer Fortpflanzungstümpel und Teiche sind ausgetrocknet, sogar die Prießnitz (Nebenfluss der Elbe) ist versiegt.

Grasfrosch, Erdkröte und Teichmolch, aber auch den selteneren, in Sachsen jedoch beheimateten Springfrosch hörte man kaum noch quaken.

NABU-Experte Karl-Hartmut Müller: "Zahllose Kaulquappen (Lurch-Larven) starben, bevor sie an Land gehen konnten." Dramatisch: Wenn die Laichgewässer im Frühjahr immer noch trocken liegen, fällt auch die nächste Nachwuchsgeneration aus.

Räumt den Lurchen ein paar Rückzugsmöglichkeiten im Garten ein. Haltet Gartenteiche, Zierteiche oder Feuerlöschteiche in Schuss. Legt zugewachsene, vermüllte Tümpel wieder frei und sorgt ab Februar für ausreichend Wasser.

Meidet im ausgehenden Winter Straßenabschnitte mit Amphibien-Wanderung.

Insekten schätzen marode Bäume

Dramatisch! Vielerorts zerstört intensive Land- und Forstwirtschaft die Nahrungsgrundlage unserer heimischen Tiere.
Dramatisch! Vielerorts zerstört intensive Land- und Forstwirtschaft die Nahrungsgrundlage unserer heimischen Tiere.  © DPA

Jetzt ist es sogar wissenschaftlich! Die Insekten sterben weg.

Der Bestand an Mücken & Co. ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um zwei Drittel zurückgegangen.

Also 75 Prozent weniger! Das haben Forscher nun bestätigt. Die Intensivierung der Landwirtschaft mit ihrem hohen Pestizid- und Düngereinsatz und ihren großflächigen Monokulturen wird als Hauptgrund angenommen.

Alarmierend, denn mit den Insekten ist das gesamte Ökosystem bedroht. Doch jeder kann etwas tun.

Stellt Insekten-Hotels auf! Lasst absterbende Bäume stehen und bohrt waagerechte Löcher hinein (Durchmesser unter einem Zentimeter). Wichtig: Querstehende Holzfasern am Eingang abschmirgeln, damit sich Wildbiene und Wespe nicht die Flügel verletzen.

Verzichtet auf Insektizide!

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