Mädchen (6) tödlich verletzt: Jugendamt stellte keine Auffälligkeiten fest, Stiefvater weiter flüchtig

Torgelow/Neubrandenburg - Ein sechsjähriges Mädchen kommt in Torgelow ums Leben. Es sei eine Treppe heruntergefallen, sagt der Stiefvater. Bei der Obduktion fallen jedoch Ungereimtheiten auf. Als der 27-Jährige nach einer Vernehmung festgenommen werden soll, flüchtet er aus dem Revier (TAG24 berichtete). Seitdem fehlt von ihm jede Spur, die Suche läuft.

Minister Caffier drückte der Familie des Mädchens sein Beileid aus.
Minister Caffier drückte der Familie des Mädchens sein Beileid aus.  © DPA

Auch nach einer großangelegten Suche in der Region Pasewalk/Torgelow (Landkreis Greifswald-Vorpommern), konnte der 27-jährige Stiefvater des Mädchens nicht gefunden werden. Dies teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch in Neubrandenburg mit.

Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Ein Haftbefehl für den Geflüchteten wurde beim zuständigen Amtsgericht bereits beantragt.

Innenminister Lorenz Caffier (64, CDU) fordert indes rasche Aufklärung. "Dass der Beschuldigte aus den Räumen, in denen er von der Polizei vernommen wurde, fliehen konnte, entsetzt mich außerordentlich", so Caffier, der vom Polizeipräsidium Neubrandenburg nun einen umfassenden Bericht verlangt.

Darin solle genauestens dargelegt werden, wie es zur Flucht kommen konnte. Der 27-Jährige müsse schnellstens gefasst und eine Schwachstellenanalyse gemacht werden, um ähnliche Situationen künftig zu vermeiden.

Die Leiche des Kindes war am Samstag in der Wohnung der fünfköpfigen Familie gefunden worden, nachdem der 27-Jährige selbst die Retter alarmiert hatte (TAG24 berichtete).

Wie konnte der Stiefvater den Polizisten bei einer Vernehmung im Polizeipräsidium entkommen?
Wie konnte der Stiefvater den Polizisten bei einer Vernehmung im Polizeipräsidium entkommen?  © DPA

Bei der Obduktion am Montag hatten Rechtsmediziner dann ermittelt, dass es "konkrete Hinweise auf Gewalteinwirkungen gegen das Kind gibt, welche nicht mit einem von dem Beschuldigten behaupteten Sturzgeschehen in Einklang zu bringen sind", erklärte Beatrix Heuer von der Staatsanwaltschaft. Dies war den Kriminalisten in Pasewalk vor der geplanten Festnahme mitgeteilt worden. Der Beschuldigte hatte zuvor angegeben, die Verletzungen stammten von einem Treppensturz.

Als die Beamten dem 27-Jährigen dabei schließlich mit den neuen Indizien aus der Obduktion des Leichnams konfrontieren wollten und ihm seine vorläufige Festnahme verkündeten, floh der Mann aus dem Polizeigebäude.

Der Gesuchte stammt aus der Region Vorpommern und ist bisher einmal durch Körperverletzung oder durch Eigentumsdelikte aufgefallen.

Wie der "Nordkurier" berichtet, soll nach Angaben des Landkreises Vorpommern-Greifswald der leibliche Vater der Sechsjährigen gegen den flüchtigen 27-Jährigen bereits vor einem Jahr Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung gestellt haben.

Wegen der Entwicklung des Falles hat das Kreisjugendamt Vorpommern-Greifswald ein anderes Kind der Familie zu seinem leiblichen Vater gebracht, wie ein Kreissprecher in Greifswald sagte. Die Mutter mit einem fünf Monate alten Kleinkind sei in einer Mutter-und-Kind-Einrichtung untergebracht worden.

Jugendamt hat Familie von totem Mädchen überprüft: ohne Auffälligkeit

Update, 11.23 Uhr:

Das Jugendamt des Kreises Vorpommern-Greifswald hat die Familie der getöteten Sechsjährigen aus Torgelow vor knapp einem Jahr einmal überprüft. "Damals gab es aber keine Auffälligkeiten", erklärte Kreissprecher Achim Froitzheim am Mittwoch in Greifswald. Er wies damit Berichte zurück, wonach das Jugendamt schon früher von möglichen Misshandlungen des Mädchens hätte wissen müssen.

Damals habe eine Tante des Mädchens eine Anzeige wegen Kindeswohlgefährdung gestellt, weil das Kind angeblich verletzt gesehen worden war. Die Eltern hatten sich getrennt. Zu der Familie, die noch in Wolgast lebte, hätten im Februar 2018 das Mädchen, ein Junge, ihre Mutter und der neue Lebensgefährte gehört.

"Unsere Mitarbeiter haben damals mit der Mutter, Großmutter und der Kindereinrichtung gesprochen", sagte Froitzheim. Zudem sei das Mädchen in der Einrichtung begutachtet worden. Dies habe ergeben, dass die Vorwürfe damals haltlos waren. Deshalb habe es keine weiteren Maßnahmen gegeben. Auch nach dem Umzug nach Torgelow habe es keine Auffälligkeiten in der Familie gegeben, zu der 2018 ein Neugeborenes kam.

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