Gefährliche Esoterik-Lehre: Mann (22) hungert sich auf Karibik-Insel zu Tode

Dominica/Hamburg - Ein deutscher Staatsbürger ist vermutlich aufgrund des Glaubens an ein esoterisches Konzept namens "Lichtnahrung" gestorben.

Das esoterisches Konzept der "Lichtnahrung" propagiert, dass Menschen ohne Nahrung und Wasser leben könnten.
Das esoterisches Konzept der "Lichtnahrung" propagiert, dass Menschen ohne Nahrung und Wasser leben könnten.  © 123RF

Die Lehre gibt es schon lange. Nach über 20 Jahren ohne größere Vorfälle starb offenbar ein Hamburger an den Folgen der umstrittenen Fasten-Lehre.

Bei der Idee der "Lichtnahrung" handelt es sich um eine esoterische Weltanschauung, wonach Menschen angeblich erlernen können, sich von Lichtenergie zu ernähren und auf Lebensmittel verzichten zu können. Ihre Anhänger organisieren sich unter anderem über Workshops und Kongresse.

Der gebürtige Hamburger Finn B. starb Ende 2017 im Alter von 22 Jahren auf der Karibik-Insel Dominica, wie Recherchen des NDR ergeben haben.

Die oberste Staatsanwältin des Inselstaates bestätigte, dass der Mann vorher gefastet habe und dass dies die wahrscheinliche Todesursache sei. Die Todesursache muss noch offiziell in einem Gerichtsverfahren festgestellt werden.

Nach Zeugenberichten hatte der Mann mehrmals versucht, tagelang ohne Flüssigkeit auszukommen. Er hatte zudem Familie und Freunden von seinem Vorhaben berichtet, ohne Nahrung und Flüssigkeit zu leben und sich von Licht ernähren zu wollen.

Nach Angaben seiner Eltern war der junge Mann 2015 in Hamburg für zwei Wochen stationär in psychiatrischer Behandlung gewesen. Grund dafür sei womöglich eine Psychose nach dem Konsum von Drogen gewesen.

Das schöne Bild der Karibikinsel "Dominica" wurde 2017 vom schrecklichen Todesfall eins deutschen Staatsbürgers aus Hamburg überschattet.
Das schöne Bild der Karibikinsel "Dominica" wurde 2017 vom schrecklichen Todesfall eins deutschen Staatsbürgers aus Hamburg überschattet.  © 123RF

Der Fall ist nicht der erste: Der letzte bekannte Todesfall in Verbindung mit "Lichtnahrung" in Deutschland stammt aus dem Jahr 1997. Im Jahr 2011 war in der Schweiz eine Frau ums Leben gekommen, die glaubte, auf Nahrung und Flüssigkeit vollständig verzichten zu können.

Sabine Riede von der Beratungstelle "Sekteninfo NRW" sagt: "Die Lichtnahrung ist eine gefährliche esoterische Ernährungsform." Nachdem die Methode einige Jahre um die Jahrtausendwende viel Leid verursacht und für Aufklärungsbedarf gesorgt habe, sei sie danach einige Jahre in den Hintergrund gerückt.

Besonders seit der Ausstrahlung des Kinofilms "Am Anfang war das Licht" sei die "Lichtnahrung" wieder beliebter geworden. Der umstrittene österreichische Kino-Dokumentarfilm hat offenbar auch für den verstorbenen Hamburger eine wichtige Rolle gespielt.

Der Film lässt Menschen zu Wort kommen, die behaupten, seit Jahren auf Essen und Trinken zu verzichten - für Mediziner ein Ding der Unmöglichkeit. Der Film wurde mit dem Negativpreis "Goldenes Brett" ausgezeichnet.

"Wir halten die Methode für sehr gefährlich, weil beim vollständigen Verzicht auf feste und flüssige Nahrung bereits ab dem dritten Tag das Risiko einer tödlichen Dehydratation steigt", sagt Riede. Bei Kindern müsse sofort das Jugendamt informiert werden.

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