Tödliche Kollision auf der Elbe: War Skipper in Schrott-Boot unterwegs?

Hamburg - Mehr als zwei Jahre nach einer tödlichen Kollision auf der Elbe entde ein Prozess gegen einen Binnenschiffer vor dem Amtsgericht Hamburg mit einem Freispruch.

Im November 2016 erfasste ein Binnenschiff ein Sportboot auf der Elbe in Hamburg, dabei wurde ein Skipper getötet.
Im November 2016 erfasste ein Binnenschiff ein Sportboot auf der Elbe in Hamburg, dabei wurde ein Skipper getötet.  © dpa/Daniel Bockwoldt

Der 46-jährige Tscheche soll am 3. November 2016 mit seinem Schubverband ein Sportboot überholt haben, ohne die vorgeschriebenen fünf Pfeifsignale abgegeben zu haben.

Bei der Kollision in abendlicher Dunkelheit vor Hamburg-Ochsenwerder drückte der rund 100 Meter lange Schubverband das Sportboot unter Wasser.

Ein 53-Jähriger konnte sich nicht mehr aus dem Boot retten und starb.

Sein damals 50 Jahre alter Begleiter wurde von der Besatzung des Binnenschiffs unterkühlt aus dem Wasser gezogen.

Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und Gefährdung des Schiffsverkehrs.

Das Amtsgericht Hamburg hat den Binnenschiffer freigesprochen. Der Freispruch sei auch auf Antrag der Staatsanwaltschaft erfolgt, sagte ein Gerichtssprecher.

Der Kapitän räumte am Montag seine Beteiligung an dem Unfall ein.

"Ich fühle mich als Teilnehmer einer kollektiven Kollision", sagte er nach den Worten einer Dolmetscherin.

Feuerwehrleute suchten nach der Kollision des Schubverbands mit dem Sportboot nach einem Vermissten.
Feuerwehrleute suchten nach der Kollision des Schubverbands mit dem Sportboot nach einem Vermissten.  © dpa/Daniel Bockwoldt

Bis zum letzten Augenblick sei für ihn eine Gefahr nicht erkennbar gewesen.

Er habe das ebenfalls stromaufwärts fahrende Sportboot gesehen und es über Radar im Auge behalten.

Er sei konstant in der Mitte des Fahrwassers gefahren und habe einen seitlichen Abstand von 20 bis 30 Metern zum Sportboot gehalten.

Plötzlich sei es nicht mehr zu sehen gewesen. Er habe sofort die Geschwindigkeit reduziert, aber da habe es schon ein- oder zweimal "gerumpelt".

Das Sportboot "Karo" hatte wohl eine Reihe technischer Mängel.

Wie der Überlebende als Zeuge aussagte, hatten er und sein Begleiter das gebrauchte Fahrzeug von einem Verkäufer übernommen und wollten es nach Berlin bringen.

Doch zunächst war der Motor nicht angesprungen. Dadurch hatte sich die Abfahrt verzögert.

Trotz Einbruchs der Dunkelheit wollten die beiden Männer noch bis Geesthacht fahren.

Auf der Elbe bemerkten sie, dass das Hecklicht nicht funktionierte und stellten stattdessen eine Petroleumlampe auf.

Ein Spezialschiff barg das Wrack des Sportbootes aus der Elbe.
Ein Spezialschiff barg das Wrack des Sportbootes aus der Elbe.  © dpa/Daniel Bockwoldt

Anfangs hätten sie mithilfe eines Handys navigiert, sagte der Zeuge, der als Beruf Nautischer Wachoffizier angab. Als das Mobiltelefon nicht mehr funktionierte, hätten sie nur noch über einen Autoatlas verfügt.

Auf die Frage des Richters, wie sie nun navigiert hätten, sagte der heute 52-Jährige: "Optisch." Sie hätten sich an den Straßenlaternen am Ufer orientiert. Später hätten sie einen Laptop-Computer aus dem Rucksack holen wollen.

Er habe auf der Elbe drei Bier getrunken, sagte der Zeuge. Sein Begleiter am Steuer habe nichts getrunken, weil er auf seine Blutwerte habe achten müssen.

Der 53-Jährige hatte den Angaben zufolge seinen Auto-Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer verloren.

Das Unglück ereignete sich, als er selbst gerade etwas zu essen machen wollte. Es habe plötzlich ein metallisch-knirschendes Geräusch und zwei Schläge gegeben, sagte der Zeuge.

"Wir waren sofort unter Wasser." Das Boot sei umgeschlagen. Sein Kopf sei in den Motorraum geraten, wo er gerade noch etwas Luft holen konnte.

Dann sei er noch aus dem Boot rausgekommen. Die Leiche seines Begleiters wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft erst knapp ein Jahr später etwas flussabwärts gefunden.

Titelfoto: dpa/Daniel Bockwoldt

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