Liebscher hofft für Rio auf "das perfekte Rennen"

29 Sachsen kämpfen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro vom 5. bis 21. August am Fuße des Zuckerhuts um Medaillen. Vor vier Jahren holten die sächsischen Asse in London zwei Mal Gold und fünf Mal Silber. In loser Folge stellt MOPO24 die größten sächsischen Rio-Hoffnungen nach Sportarten vor. Diesmal: Kanu

Von Enrico Lucke

Zeit wird‘s für das perfekte Rennen von Tom Liebscher (l.) und Ronald Rauhe über 200 m.
Zeit wird‘s für das perfekte Rennen von Tom Liebscher (l.) und Ronald Rauhe über 200 m.

Dresden - Tom Liebscher konnte es 2008 nicht fassen, dass Ronald Rauhe als Titelverteidiger das olympische Finale von Peking im Zweier-Kajak über 500 Meter haarscharf verlor und sich mit Silber begnügen musste.

Am 18. August ist der 34-jährige Rauhe über 200 m Partner des Dresdners. In Rio wären beide jetzt über jede Medaille happy.

"Vor acht Jahren saß ich eine halbe Stunde vorm Fernseher und habe es nicht verstanden", erinnert sich der damals 14-Jährige an einen seiner prägenden Olympia-Momente. Jetzt kann der Sachse nachvollziehen, wie eng es zugeht.

Zusammen mit seinem Potsdamer Partner erlebte Liebscher in den vergangenen zwei Jahren alle Höhen und Tiefen auf der 200-m-Strecke. Im ersten Jahr räumten sie bei den Weltcups und der EM die Siege ab und holten bei der WM Silber.

Vergangenes Jahr reichte es nach verpatztem Start zu WM-Rang sechs - eine kleine Enttäuschung.

Der Dresdner Tom Liebscher freut sich in Rio über jede Medaille.
Der Dresdner Tom Liebscher freut sich in Rio über jede Medaille.

"Wir haben die vergangenen Jahre analysiert, was lief gut, was schlecht", meinte Liebscher. "Dadurch erhoffen wir uns, in Rio 120 Prozent geben zu können."

Entscheidend ist der Start. Wenn der sitzt, holen die beiden Gold. Kein Duo kann ihr Tempo paddeln, allerdings schlugen sie sich zuletzt selbst.

Die EM in Moskau fuhren Liebscher/Rauhe zwar aus dem Training heraus und wurden Dritte, aber der Oldie im Boot gestand wieder mal: "Am Start haben wir gepatzt, da ist noch nicht die Routine drin. Ärgerlich, aber es ist ja noch Zeit zum Üben."

Der Jungspund ergänzt: "In Rio haben wir hoffentlich das perfekte Rennen." Am 20. August besitzt der Sachse eine weitere Medaillen-Chance. Da sitzt er im Vierer und paddelt die 1000 m.

Das Quartett hatte bisher erst einen Auftritt. Beim Weltcup im tschechischen Racice machten sie die Konkurrenz platt.

Keine Zeit zum Schlafen: Tina und Steffi wollen siegen!

Duisburg - Jede Sekunde mehr im Bett kommen Tina Dietze und Steffi Kriegerstein zurzeit recht! Müde und platt vom harten Training sind die beiden.

Doch wer in Rio de Janeiro olympisches Edelmetall erbeuten will, der darf jetzt nicht schlappmachen...

"Lasst mich einfach nur im Bett liegen", meinte Dietze flehend. "Das Training kann ja so bleiben, ich hätte aber gern mehr Schlaf." Doch daran ist derzeit nicht zu denken.

Wird der deutsche Vierer mit Franziska Weber (v.l.), Sabrina Hering, Steffi Kriegerstein und Tina Dietze in Rio durch Olympia-Gold wieder zum Flaggschiff?
Wird der deutsche Vierer mit Franziska Weber (v.l.), Sabrina Hering, Steffi Kriegerstein und Tina Dietze in Rio durch Olympia-Gold wieder zum Flaggschiff?

Erstens, weil auf der Duisburger Regatta-Strecke zurzeit die wichtigen Team-Boot-Einheiten auf dem Programm stehen und da noch einiges am Feinschliff gemacht werden muss.

Zweitens, weil die Mädels "Gewicht aus dem Boot haben wollen“. Tina: „Indem wir zusätzlich joggen gehen, um weniger zu wiegen." Das heißt: Früh um sechs aufstehen, Laufschuhe schnüren und vor der ersten Boots-Einheit bis zu zehn Kilometer zurücklegen.

So kommen sie teilweise auf vier Einheiten am Tag. Kein Wunder, dass da der Schlaf fehlt.

Als Lohn winkt Gold. "Bei Doppelgold sage ich auch nicht nein. Das wäre eine Aufstockung des Resultats von London", so Tina. Sie reist als Titelverteidigerin im Zweier-Kajak über 500 Meter (Finale am 16. August) an den Zuckerhut.

Dazu paddelt die Leipzigerin gemeinsam mit Kriegerstein über die selbe Distanz im Vierer am 20. August um Edelmetall. Steffi ist optimistisch, dass das Flaggschiff in Rio erfolgreich ist.

"Wir Mädels verstehen uns privat gut, sagen uns aber auch, was beim Paddeln noch nicht passt", so die Dresdnerin vor ihrer Olympia-Premiere.

So sitzt zwar der Vierer-Start, aber bei den Schlägen danach hapert es noch.

In der Analyse des EM-Rennens von Moskau, wo das Quartett Dritter wurde, stellten die Trainer fest: Dass Steffi bei den ersten Schlägen gar nicht atmete und die Mädels in der Nachstartphase auf die siegreichen Ungarn zu viel Boden verloren, den sie bei den hohen Geschwindigkeiten nicht mehr aufholen konnten.

Der Kampf um Vierer-Gold ist eng, die beiden Sächsinnen wissen: "Alles ist drin."

Fotos: Enrico Lucke, Lutz Hentschel, imago


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