Wahlplakate mit Rasierklingen angebracht: Jung-Linker Tom Radtke will Gegner "friedlich rasieren"

Hamburg - Er steht zwar nur auf Platz 20 der Kandidatenliste der Linken zur Hamburger Bürgerschaftswahl am kommenden Sonntag, doch kaum ein anderer versteht es sich so in der Vordergrund zu drängen, wie der 18-jährige Schüler Tom Radtke.

Der 18-jährige Tom Radtke steht auf Listenplatz 20 der Linken.
Der 18-jährige Tom Radtke steht auf Listenplatz 20 der Linken.  © Screenshot/Twitter/tomradtkede

Er verglich den Holocaust mit dem Klimawandel, spielte Kriegsspiele statt die "heftigen Leaks", die er zuvor ankündigte, zu veröffentlichen und legte sich mit Kiezgröße Kalle Schwensen an.

Dazu kämpft Radtke, oder zumindest seine Gefolgschaft, mit harten Bandagen.

Wie der Schüler auf seinem Twitter-Account zeigte, wurden ihm zahlreiche Fotos zugeschickt, die zeigen, wie Plakate der Linken mit seinem Konterfei überklebt worden sind.

Laut dem 18-Jährigen habe die Parteispitze dazu aufgerufen, seine Plakate zu zerstören. Doch Vorsicht: Darunter wurden Rasierklingen angebracht, wie auf den Bildern zu sehen ist.

"Bitte verwendet keine Rasierklingen!", wandte sich Radtke an seine Unterstützer und machte eine klare Ansage: "Wir werden sie friedlich rasieren, durch meinen Wahlsieg am Sonntag." Ganz schön zuversichtlich.

Bei der Twitter-Community kam der Schüler damit unterschiedlich an. Während ihn einige für seinen Mut und seine Herangehensweise loben, ist das Vorgehen für andere wiederum kein Wunder. "Das passiert, wenn man plötzlich #AfD-Fans hat. Die kommen auf solche Ideen. Selbst schuld, wenn man so aggressiv gegen seine 'Gegner' twittert, wie du.", antwortete ein User unter dem Post.

Eine weitere Person wandte sich direkt über Twitter an die Polizei und fragte, ob er Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung stellen könne. Es dauerte nicht lange und die Hamburger Polizei meldete sich zu Wort, dass sie den Tweet zur Kenntnis genommen habe und den Inhalt bewerten werde.

Partei-Mitglieder liefern sich hitziges Wortgefecht mit Radtke

Wahlplakate der Linken wurden mit welchen von Tom Radtke überklebt. Dazwischen wurden Rasierklingen angebracht.
Wahlplakate der Linken wurden mit welchen von Tom Radtke überklebt. Dazwischen wurden Rasierklingen angebracht.  © Screenshot/Twitter/tomradtkede

Doch nicht nur mit der Polizei droht ihm Ärger, sondern auch mit der eigenen Partei. Wie Linken-Landesgeschäftsführer Martin Wittmaack gegenüber TAG24 kürzlich erklärte, versuchten die Verantwortlichen Kontakt zu ihrem Mitglied aufzunehmen. Doch vergebens.

Um den Schaden zu begrenzen, leiteten die Linken ein Ausschlussverfahren ein. Laut Wittmaack laufe es, entgegen der Behauptungen von Radtke, immer noch.

Wie verhärtet die Fronten mittlerweile sind, zeigte auch ein Video des 18-Jährigen auf einer Kundgebung zum CumEx-Skandal, das Radtke auf Instagram postete.

Der Schüler filmte das Szenario, als plötzlich Partei-Kollegin Christiane Schneider auftauchte und ihm die Video-Aufnahme untersagte. Es folgte eine hitzige Diskussion, in der durch Schneider auch die Wörter "Arschloch" und "Nazi" fielen.

Abschließend hätten ihn "ihre faschistischen Antifa-Orks" nach seinen Angaben angegriffen und das weitere Filmen untersagt. Schließlich sei die Polizei eingeschritten und habe die Situation aufgelöst. Radtke habe Strafanzeige gestellt.

Durch sein massives Vorpreschen und seine Handlungen ist eines klar: Auch wenn er nur auf Listenplatz 20 steht, könnte er mit seiner fragwürdigen "Werbung" direkt in das Parlament gewählt werden.

Titelfoto: Montage: Screenshots/Twitter/tomradtkede


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0