Mädchen (6) getötet: Polizei durchsucht Wohnungen, Mutter im Visier der Ermittler

Torgelow/Wolgast - Erst soll es ein Treppensturz gewesen sein, nun steht Mord im Raum: In Vorpommern wird nach dem 27-jährigen Stiefvater fieberhaft gesucht.

Das Polizeigebäude in Pasewalk, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte
Das Polizeigebäude in Pasewalk, aus dem der tatverdächtige Stiefvater nach dem gewaltsamen Tod eines sechsjährigen Mädchens fliehen konnte  © Bernd Wüstneck/dpa

Bei der Fahndung nach dem Stiefvater des getöteten Mädchens aus Torgelow (Kreis Vorpommern-Greifswald) hat die Polizei in der Nacht mehrere Wohnungen in Wolgast durchsucht.

Der mutmaßliche Mörder des sechsjährigen Kindes konnte bisher aber noch nicht entdeckt werden, wie ein Polizeisprecher am Freitag in Neubrandenburg sagte. Die Durchsuchungen liefen aber noch. Nach dem 27-Jährigen wird seit Montag gesucht, inzwischen per Haftbefehl.

Dem Lebensgefährten der Mutter des Opfers wird Mord durch Unterlassen vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft soll er die Sechsjährige derart misshandelt haben, dass sie am 12. Januar in der Wohnung der Familie an den schweren Verletzungen starb.

Beatrix Heuer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, sprach von "Gewalteinwirkungen gegen das Kind", ohne Einzelheiten zu nennen. Das Mädchen sei an "der Summe mehrerer Verletzungen" gestorben.

Der 27-Jährige habe keine Hilfe geholt und zudem vorgegeben, das Kind sei eine Treppe hinuntergestürzt. Bei der Festnahme in Pasewalk am 14. Januar konnte er dann fliehen, wie TAG24 berichtete.

Inzwischen wurde bekannt, dass er auch den Bruder des getöteten Mädchens misshandelt haben soll, der zum leiblichen Vater gebracht wurde. Gegen die Mutter der Kinder wird wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung ebenfalls ermittelt.

Stadt veranstaltet eine Trauerstunde, Flucht des Stiefvaters wird aufgearbeitet

Eine Frau stellt vor dem Haus in Torgelow eine Kerze auf, wo am 12.01.2019 ein sechsjähriges Mädchen ums Leben kam.
Eine Frau stellt vor dem Haus in Torgelow eine Kerze auf, wo am 12.01.2019 ein sechsjähriges Mädchen ums Leben kam.  © Bernd Wüstneck/dpa

Zum Gedenken an das getötete Kind veranstalten die Stadt Torgelow und die evangelische Kirchengemeinde am 22. Januar eine Trauerstunde.

"Wir wollen jedermann die Gelegenheit geben, seine Gedanken und Empfindungen zu dem Geschehen in Worte zu fassen", sagte Bürgermeisterin Kerstin Pukallus (55, parteilos). Bei der Trauerstunde in der Christuskirche, die um 18 Uhr in Form eines Gottesdiensts abgehalten werden sollte, wollten der evangelische Pastor in der Stadt und die Bürgermeisterin reden. Die Kirche befindet sich nur wenige Meter von dem Haus entfernt, in dem die Sechsjährige ums Leben kam.

"Die Anteilnahme in der Stadt ist enorm", sagte Pukallus. Es sei unfassbar, dass ein Kind unter diesen Begleitumständen habe sterben müssen. Angesichts von Drohungen gegen den tatverdächtigen, flüchtigen Stiefvater warnte auch eine Polizeisprecherin vor Selbstjustiz. Nach dem Vorfall war der Bruder vom Jugendamt zum leiblichen Vater und die Mutter mit einem fünf Monate alten Baby in eine Mutter-Kind-Einrichtung gebracht worden.

Die Polizei will unterdessen auch aufklären, wie es zu der Flucht bei der Festnahme kommen konnte. "Das hätte nicht passieren dürfen", sagte Polizeisprecherin Nicole Buchfink. "Ein erster Sachstandsbericht zu den Umständen der Flucht des Tatverdächtigen liegt vor, er wird ausgewertet und nachbereitet", erklärte eine Sprecherin des Innenministeriums.

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