Tourismus-Chef sicher: Pegida schreckt keine Gäste ab

Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH.
Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Werden Touristen von PEGIDA abgeschreckt? Nein, sagt Sachsens Landestourismus-Chef Manfred Böhme. Damit widerspricht er den Dresdner Touristikern.

Dass PEGIDA polarisiert, ist inzwischen gang und gäbe. Aber dass ausgerechnet sächsische Tourismusfachleute sich dazu unterschiedliche Schlussfolgerungen gestatten, erstaunt schon:

„Ich teile die Auffassung des Tourismusverbandes Dresden explizit nicht, dass Pegida dafür gesorgt hat, dass wir hier irgendeine komische Fratze abbilden. Das ist nicht der Fall!“, sagte der Direktor des Landestourismusverbandes, Manfred Böhme (57) am Montag in Dresden.

Vor wenigen Tagen hatte der Vorsitzende des Tourismusverbandes Dresden, Johannes Lohmeyer, Alarm geschlagen. Die fremdenfeindliche Stimmung rund um Pegida halte Gäste fern.

Lohmeyer wörtlich: „Vor allem durch das derzeitige Demonstrationsgeschehen einerseits, aber auch durch die völlig überzogene und tendenziöse Berichterstattung in den Medien hat die Stadt einen massiven Imageschaden erlitten.

Aus dem sympathischen Vorzeigeland Sachsen und seiner wegen ihrer Schönheit gepriesenen Landeshauptstadt ist innerhalb kürzester Zeit in der öffentlichen Wahrnehmung eine hässliche Nazihochburg geworden."

Landestourismuschef Manfred Böhme.
Landestourismuschef Manfred Böhme.

Tatsächlich waren die Inlandsreisen nach Dresden zuletzt zweistellig eingebrochen. Im ersten Halbjahr betrug der Rückgang vier Prozent.

Oder aber Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH. Im Sommer sagte sie, die montäglichen Demonstrationen schreckten ab - vor allem deutsche Reisende.

Sie sah sich sogar zu einem Appell über die Stadtgrenzen hinaus genötigt: „Dresden zu meiden, um sich vermeintlich politisch korrekt zu verhalten, wäre das falsche Signal.“

Das Wort PEGIDA nimmt sie aber ungern in den Mund. Viel lieber machte sie die Berichterstattung über PEGIDA als Grund fürs Fernbleiben aus.

Böhme hingegen: „Es gibt wenige wirkliche konkrete Anzeichen zum Beispiel für die Absage einer Tagung.“ Es gebe wenige Mails, die zum Teil Sorge ausdrückten oder heftige Äußerungen zum Inhalt hätten.“

Aber DAS Anzeichen, dass Dresden die Besucher-Rückgänge auf hohen Niveau – nach einer „wahnsinnigen Entwicklung“ in den vergangenen Jahren - Pegida zuzuschreiben sind, das gebe es „definitiv“ nicht.

Grundsätzlich sei so etwas sowieso sehr schwer einzuschätzen. Schließlich wisse man ja gar nicht, was die Leute denken, bevor sie nach Sachsen kommen, so Böhme.

Auch die Sprecherin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen, Ines Nebelung, sagt: „Im Ausland wird PEGIDA kaum wahrgenommen.“ Das beziehe sich vor allem auf ausländische Veranstalter und Medienvertreter in den jeweiligen Ländern.

Tatsächlich gibt es nämlich gute Nachrichten. Bislang kamen 2015 rund 5,6 Millionen Gäste nach Sachsen, das sind 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nur die Übernachtungen gingen leicht (um 0,2 Prozent) zurück. Aber bereits zum Jahresende erwarten die Landestouristiker 7,5 Millionen Gäste und ein Plus bei den Übernachtungen im Vergleich zu 2014.

Dresden selbst konnte beim Besuch aus dem Ausland dick zulegen: Im soeben gemessenen Monat September kamen 14,4 Prozent mehr Gäste als noch 2014, die Übernachtungen stiegen gar um 15,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Pegida-Demo in Dresden.
Pegida-Demo in Dresden.

Fotos: dpa/Arno Burgi, Christian Suhrbier, Petra Hornig


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