Spanien: Einsturzgefahr bei Rettung von Julen! Erreichen Helfer den Jungen heute trotzdem?

Málaga - Nur noch vier Meter haben die Rettungsteams in Spanien am Dienstag vermutlich vom kleinen Julen getrennt. Seit eineinhalb Wochen suchen Helfer nach dem Jungen in einem 107 Meter tiefen Brunnenschacht.

Helfer versuchen, mit einem Metallrohr die Wände des Rettungslochs zu stützen.
Helfer versuchen, mit einem Metallrohr die Wände des Rettungslochs zu stützen.  © Daniel Pérez/dpa

Doch ungeachtet der schwindenden Überlebenschancen hoffen die Helfer, den Zweijährigen im Laufe des Mittwochs endlich zu erreichen. Das ist der zehnte Tag nach dem letzten Lebenszeichen.

Nach der Fertigstellung eines Rettungsschachts, der parallel zum Brunnenloch verläuft, wollten Minenarbeiter noch in der Nacht auf Mittwoch mit dem Bau einer etwa vier Meter langen Verbindung zu jener Stelle beginnen, an der das Kind in 70 bis 80 Meter Tiefe vermutet wird.

Das Problem: Spanischen Medien zufolge ist der gebaute Parallelschacht einsturzgefährdet. Es drohen Erdrutsche, weshalb das Risiko für die Arbeiter, die in dem Schacht hinabgelassen werden sollen, zu groß sei, wie es heißt.

Metallrohre sollen die Schachtwände stabilisieren, sind aber für den unteren Teil zu breit. Der Durchmesser muss vergrößert werden. Auch das ist nicht ungefährlich und kostet wieder Zeit, die die Helfer eigentlich nicht haben.

Mit diesem Korb soll der zweijährige Julen aus dem Schacht gerettet werden.
Mit diesem Korb soll der zweijährige Julen aus dem Schacht gerettet werden.

"Wir müssen mit einer neuen Bohrung Unregelmäßigkeiten in den letzten 18 Metern des Tunnels beheben", bestätigte Ángel García Vidal die neuen Arbeiten am späten Abend. Wie lange das noch dauern würde, konnte der Ingenieur nicht sagen. "Aber wir arbeiten pausenlos und kommen Julen immer näher", versicherte er.

Viele Experten geben die Hoffnung noch immer nicht auf, dass der Kleine lebend geborgen werden kann. Man komme "in Rekordtempo" voran und brauche nur noch einen "letzten Kraftakt, um Julen da rauszuholen", sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska

Der Delegierte der Zentralregierung in Andalusien, Alfonso Rodríguez Gómez de Celis, betonte, einen vergleichbaren Notfall habe es "weltweit noch nie gegeben". Bis Mittwoch werde man das Kind bergen. Er hoffe auf "einen glücklichen Ausgang".

Dabei ist der letzte Teil der Rettung zugleich auch der schwerste. Denn die Minenarbeiter, die aus der nördlichen Kohleregion Asturien entsandt wurden, müssen den waagerechten Tunnel mit Muskelkraft graben.

In dieses schmale, aber tiefe Erdloch ist Julen am 13. Januar gefallen.
In dieses schmale, aber tiefe Erdloch ist Julen am 13. Januar gefallen.

Sie würden sich mit Spitzhacken und Schaufeln, gegebenenfalls auch mit kleineren Explosionen und Presslufthämmern durch den Felsen zu kämpfen versuchen, erklärte der Sprecher der Einsatzkräfte, Ángel García Vidal. Der Wegebau-Ingenieur rechnet für diese Arbeit mit insgesamt 20 bis 24 Stunden.

Wegen des begrenzten Platzes sollen den Behördenangaben zufolge jeweils nur zwei Arbeiter gleichzeitig mit einer speziellen, an einem Kran befestigten Kapsel in den insgesamt 80 Meter tiefen Parallelschacht herabgelassen werden.

Die Verbindung wird nur einen Meter breit und 1,20 Meter hoch sein, so dass die "Kumpel" liegend oder bestenfalls kniend werden arbeiten müssen. Die Retter hoffen, das Kind in einer Tiefe von 70 bis 80 Metern finden zu können.

Der Schacht, in den Julen am 13. Januar bei einem Ausflug mit seinen Eltern gefallen war, ist 107 Meter tief, hat aber nur einen Durchmesser von 25 bis 30 Zentimetern. Er war illegal auf der Suche nach Wasser gebohrt worden.


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