Tote Schneeleoparden und ein Vorspiel-Weltmeister: Dresdens Zoo-Chef im Verhör

Karl-Heinz Ukena (46) ist Geschäftsführer im Zoo Dresden und leitet ihn seit 15 Jahren.
Karl-Heinz Ukena (46) ist Geschäftsführer im Zoo Dresden und leitet ihn seit 15 Jahren.  © xcitepress/ce

Dresden - Karl-Heinz Ukena (46) ist seit 15 Jahren Chef des Zoos Dresden. Als er anfing, kamen jährlich etwa 400.000 Besucher. Inzwischen strömen 880.000 Menschen pro Jahr in die beliebte Einrichtung im Großen Garten. Ein Interview über Ausbrecher, Vorspiele bei Giraffen und brütende Pinguine ...

TAG24: Können Ihre Zoo-Zuchtprojekte das weltweite Artensterben verhindern?

Karl Heinz Ukena: Wir und alle anderen Zoos verstehen uns als Arche Nova. Die Arten, die wir halten, wollen wir auch für die Nachwelt „konservieren“. Beispiel Orang-Utans: Sie werden schon in zehn Jahren wahrscheinlich keinen freilebenden Orang-Utan mehr auf Borneo finden. Wir können sie noch züchten, aber ihr natürlicher Lebensraum wird von uns Menschen zerstört. Sie haben schlichtweg keine Chance.

TAG24: Welche Projekte im Dresdner Zoo helfen Arten auch in ihrem natürlichen Lebensraum?

Karl Heinz Ukena: Wir unterstützen einige Projekte vor Ort finanziell, beispielsweise bei den Schneeleoparden oder den Orang-Utans.

TAG24: Wie wichtig ist die erfolgreiche Zucht von Zootieren?

Karl Heinz Ukena: Das ist ein Zeichen, dass sich die Tiere wohlfühlen. Und es ist eine Bestätigung für die Arbeit unserer Pfleger. Dazu kommt: Die Tiere haben eine natürliche Aufgabe im Zoo. Bei den Orang-Utans führt es dazu, dass wir den Mädels momentan aus Platzgründen die Anti-Baby-Pille geben müssen.

Die Elefanten warten auf ihr neues Elefantenhaus.
Die Elefanten warten auf ihr neues Elefantenhaus.  © xcitepress/ce

TAG24: Ihnen ist eine seltene Schneeleopardenzucht gelungen. Leider mussten die drei Jungtiere eingeschläfert werden. Warum?

Karl Heinz Ukena: Das war sehr bitter für alle Mitarbeiter. Leider hat unsere Ärztin sehr schnell festgestellt, dass sie aufgrund einer Augenkrankheit wohl erblindet wären. Wir prüfen jetzt, ob mit den Eltern noch weiter gezüchtet werden kann. Das wird mit den zuständigen Zuchtbuchführern besprochen und entschieden.

TAG24: Wie steht’s um die Humboldt-Pinguine?

Karl Heinz Ukena: Wir hatten dieses Jahr eine erste Brut! Zwei Eier wurden gelegt, sie waren leider unbefruchtet. Wir wollen im Winter sieben weitere Tiere nach Dresden holen.

TAG24: Stichwort unbefruchtet. Giraffenbulle Diko bringt’s nicht, oder?

Karl Heinz Ukena: Ich wünsche mir wirklich Nachwuchs bei der Gruppe, sie leben so gut zusammen. Diko ist ein netter Kerl, aber leider packt er seinen Job als Zuchtbulle nicht. Wir nennen ihn intern schon „Vorspiel-Weltmeister“. Aber die Tiere sind noch jung genug, er kann es noch ein paar Mal ausprobieren.

Die Giraffen vertragen sich, aber der Bulle sorgt nicht für Nachwuchs.
Die Giraffen vertragen sich, aber der Bulle sorgt nicht für Nachwuchs.  © xcitepress/ce

TAG24: Und wann wird das Elefantenhaus fertig?

Karl Heinz Ukena: Wir hoffen im Oktober, das will ich aber nicht versprechen. Die Firmen haben so viele Aufträge, dass man kaum welche findet. Fest steht: Das Budget bleibt bei etwa acht Millionen Euro. Und: Nächstes Jahr wollen wir einen Leihbullen nach Dresden holen.

TAG24: Welche Tierart wollen sie eventuell noch anschaffen?

Karl Heinz Ukena: Es drängt erstmal beim Orang-Utan-Haus. Das wollen wir ab 2020 sanieren.

TAG24: Nervt sie eigentlich die regelmäßige Kritik von PETA?

Karl Heinz Ukena: Ich finde es gut, dass es sie gibt, Zoos kann man kritisch finden. Aber: Bislang war niemand persönlich hier im Zoo. Ich stelle mich gerne dem Dialog.

TAG24: Warum suchen Sie einen neuen Zooshop-Betreiber?

Karl Heinz Ukena: Ladeninhaber Roland Hoffmann ist inzwischen 66 Jahre alt. Er will in den verdienten Ruhestand. Deswegen suchen wir zum 1. Januar einen neuen Betreiber, die Ausschreibung läuft.

TAG24: Haben Sie ein Lieblingstier?

Karl Heinz Ukena: Das wechselt, wir haben hier so viele lustige Szenen im Zoo. Neulich hat sich ein Präriehund bis auf die Afrika-Anlage durchgebuddelt! Das finde ich witzig. Aber auch seltene Tiere wie die Goldtakine sind beeindruckend.

Das sanierte Elefantenhaus soll bestenfalls im Oktober fertig sein.
Das sanierte Elefantenhaus soll bestenfalls im Oktober fertig sein.  © xcitepress/ce

Titelfoto: xcitepress/ce


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