Traditionsbuchhandlung in Paderborn macht dicht: Sind städtische Fußgängerzonen noch zu retten?

Paderborn - Eine traurige Nachricht aus der Paderborner Innenstadt: Die dortige Filiale der Buchhandlung Linnemann in der Westernstraße wird Mitte Januar geschlossen. Damit verliert die Paderborner Innenstadt ein weiteres Traditionsgeschäft. Wieder einmal wirft eine Schließung die Frage auf: Sind die Fußgängerzonen bald von der Online-Konkurrenz leer gefegt?

Die fast menschenleere Paderborner Innenstadt. Sieht so die Fußgängerzone der Zukunft aus?
Die fast menschenleere Paderborner Innenstadt. Sieht so die Fußgängerzone der Zukunft aus?

Die Buchhandlung Linnemann schließt ihre Pforten in der Westernstraße! Ein Schock für treue Kunden und ein herber Verlust für die Paderborner Innenstadt.

Wie das Traditionsunternehmen auf seinem Facebook-Profil bekannt gab, sei die erdrückende Konkurrenz von Online-Shops für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen:

"Wir haben gekämpft, und der zunehmenden Online-Konkurrenz und den geänderten Lesegewohnheiten unsere Leidenschaft für das Buch und persönliches Engagement im Kulturleben unserer Stadt entgegengesetzt.

Unser umweltfreundlicher Fahrradkurierdienst hat die Bücher schneller als ein Online-Gigant zu den Kunden gebracht", heißt es in einem Post vom 17. Dezember 2018.

Mit der Entscheidung geht eine mehr als 40-jährige Tradition in der Paderborner Innenstadt zu Ende.

Weiterhin geöffnet bleibt die Filiale im Südring-Center, die Seniorchef Antonius Linnemann bereits im Herbst 2018 in einem Interview mit buchreport.de als "eine sehr wertvolle und notwendige Ergänzung zu unserer Innenstadtlage" bezeichnete.

Von nun an wird die Center-Filiale das einzige Standbein des Familienunternehmens sein, das bereits zweimal als kreativste Kinder- und Jugendbuchhandlung Nordrhein-Westfalens ausgezeichnet wurde.

Linnemann benennt noch ein weiteres Problem und mahnt in dem Interview: "Die Innenstädte stehen und fallen mit dem Branchenmix, den sie potenziellen Kunden anbieten können. Das müssen auch die Vermieter begreifen. Die sehr hohen Mieten bleiben das zentrale Problem".

Buchhandlungen kämpfen nicht nur in Paderborn, sondern in ganz Deutschland gegen die Konkurrenz aus dem Internet.
Buchhandlungen kämpfen nicht nur in Paderborn, sondern in ganz Deutschland gegen die Konkurrenz aus dem Internet.

Wie können sich Innenstadtläden gegen die Online-Konkurrenz behaupten?

Der Fall der Buchhandlung Linnemann ist nur einer unter vielen in der Branche. Wer heute im Telefonbuch von Das Örtliche nach "Buchhandlungen" in Paderborn sucht, findet neben den großen Ketten nur noch wenige Geschäfte in der Stadt.

Laut eines Beitrags der Deutschen Welle ist der stationäre Buchhandel zwar noch "mit Abstand (4,3 Milliarden Euro) der wichtigste Vertriebsweg für Bücher" - doch die Betonung liegt auf "noch". Denn während die Online-Konkurrenz immer wichtiger wird, nimmt die Leselaune der Deutschen im gleichen Atemzug ab.

Symptomatisch ist der Fall Linnemann auch für den inhabergeführten Einzelhandel an sich: Die teuren Mieten in der Innenstadt können sich meist nur noch internationale Ketten leisten.

Extrembeispiel dafür ist München: Dort machen Filialisten schon jetzt 97 Prozent der Neueröffnungen in der Kaufingerstraße aus. Nicht anders sieht es in der Hamburger Innenstadt aus: Dort schließen inzwischen sogar schon internationale Marken wie Esprit oder die Jeansmarke Diesel unrentable Filialen mit großer Verkaufsfläche - nicht etwa in Randlagen, sondern an Top-Locations.

Damit Ketten und dem Online-Handel etwas entgegengesetzt werden kann, ist zunehmend auch die Politik gefordert. Die Beispiele zeigen: Die Mietpreisspirale darf sich auch für Geschäftsflächen in guter Lage nicht endlos weiterdrehen. Zudem sind neue Strategien gefordert.

In einigen kleineren Städten laufen bereits Gemeinschaftsprojekte örtlicher Einzelhändler, die gemeinsame Online-Plattformen aufbauen. Auch sogenannte Multi-Channel-Strategien - also der Verkauf über ein Ladengeschäft und diverse Online- oder Versandkanäle - werden vielfach als Ausweg aus der Einzelhandelskrise beschrieben.

Schaut man sich am Beispiel des Buchmarktes an, welche Geschäfte sich am ehesten halten, rückt noch eine weitere mögliche Strategie in den Blickpunkt: die der Spezialisierung. Es sind laut der Deutschen Welle nämlich vorwiegend Spezialbuchhandlungen, die sich halten.

Bleibt zu hoffen, dass noch viele charmante Buchhandlungen ihre Nische finden und den Innenstädten erhalten bleiben. Andernfalls könnte es bald sehr leer werden, wenn es mal wieder zum Bummel in die Stadt gehen soll.

Schwere Zeiten für Buchhandlungen: E-Reader verdrängen Bücher und große Internetriesen kleine inhabergeführte Bücherläden.
Schwere Zeiten für Buchhandlungen: E-Reader verdrängen Bücher und große Internetriesen kleine inhabergeführte Bücherläden.

Bildquellen:

Flickr Paderborn photobeppus CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Flickr Buchhandlung Nicolas Nova CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Flickr e-book | e-reader Cristian Eslava CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten


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