Traumhochzeit unter Palmen wegen Thomas-Cook-Pleite ohne Brautpaar?

Rostock - Für den schönsten Tag im Leben hatte ein Paar aus Rostock eigentlich alles perfekt geplant.

Eine Traumhochzeit am Strand hatte ein Paar aus Rostock geplant. (Symbolbild)
Eine Traumhochzeit am Strand hatte ein Paar aus Rostock geplant. (Symbolbild)  © Unsplash/Arshad Pooloo

Franny und ihr Freund Alex wollten im Oktober ihre Traumhochzeit feiern: Sie hatten geplant, sich das Ja-Wort im Kreis ihrer engsten Familie am Strand von Sansibar zu geben.

Vorher sollte es noch für ein paar Tage auf Safari in die Serengeti gehen, dann der Flug auf die Trauminsel vor Ostafrika folgen.

Die Reise war seit Langem geplant, vor fast einem Jahr hat das Paar sie gebucht.

Doch die beiden haben Pech. Sie setzten auf den Pauschalreise-Anbieter Neckermann. Und der gehört mit zum britischen Unternehmen Thomas Cook, das am Montag Pleite ging.

In der Folge strandeten Tausende Urlauber, Hotels nahmen Gäste als Geiseln und Abflüge wurden gestrichen.

Die Insolvenz trifft auch das Rostocker Brautpaar. Auf Facebook haben die beiden ihre Geschichte öffentlich gemacht, weil sie Hilfe suchen.

Das Brautpaar hat die Hochzeit geplant, die Reise bezahlt, hängt aber in Deutschland fest, da es voraussichtlich nicht wie geplant abfliegen kann.

Hochzeitsgäste haben bei anderem Anbieter gebucht

Am Schalter von Thomas Cook stehen Mitarbeiterinnen und kümmern sich um gestrandete Urlauber.
Am Schalter von Thomas Cook stehen Mitarbeiterinnen und kümmern sich um gestrandete Urlauber.  © dpa/Clara Margais

"Es ist ein absoluter Alptraum, so kurz vor der lang geplanten Hochzeit nicht zu wissen, ob diese überhaupt stattfinden kann! Der finanzielle Verlust ist das Eine – der emotionale etwas ganz anderes und viel Schwerwiegenderes", schreibt Franny auf Facebook.

Sie selbst habe seit einem Dreiviertel Jahr sechs Tage die Woche gearbeitet und sich zu ihrer 40-Stunden-Vollzeitstelle einen Nebenjob besorgt, um sich finanziell den Traum von einer Hochzeit unter Palmen zu ermöglichen.

Das Geld ist jetzt erstmal weg, auch wenn eine Insolvenzversicherung für Reise-Veranstalter vorgeschrieben ist. Denn es ist fraglich, ob die auf 110 Millionen Euro gedeckelte Versicherungssumme für die unzähligen Betroffenen ausreicht.

Franny und Alex machen sich aber keine großen Hoffnungen auf Kostenerstattung oder gar Entschädigung für die entgangene Freude.

Für sie ist es aber auch keine Option die Hochzeit zu verschieben, abzusagen oder zu Hause in Rostock zu feiern. Denn Eltern, Geschwister und Trauzeugen werden nach Sansibar fliegen, da sie nicht von der Thomas-Cook-Pleite betroffen sind.

Nur das Brautpaar und der Brautvater haben sich auf das britische Reiseunternehmen verlassen. Um doch rechtzeitig zur eigenen Hochzeit nach Sansibar zu gelangen, kratzen Franny und Alex jetzt Geld zusammen.

Dazu haben sie auch einen ungewöhnlichen Schritt gewagt: Sie bitten öffentlich um Spenden. Da der Aufruf auch unerwartet große und teils negative Wellen in Form hämischer Kommentare schlägt, wollten sich die beiden gegenüber TAG24 nicht weiter äußern.

Insgesamt will das Paar 7888 Euro einsammeln, von denen innerhalb von knapp zwei Tagen bereits 1504 Euro (Stand: Samstagnachmittag) zusammengekommen sind.

Es besteht also die Chance, dass es doch für die Traumhochzeit reicht. Zwei Menschen würde es außerordentlich glücklich machen.

Update, 30. September, 13 Uhr

Bereits am Samstagabend haben Franny und Alex die Spendenaktion eingestellt. Sie schreiben, dass sie "überwältigt von so viel Anteilnahme und großzügiger Hilfsbereitschaft" sind. Außerdem bedankten sie sich bei Freunden, Familie, Kollegen, Bekannten und den unbekannten Spendern.

"Nie im Leben hätten wir in der Kürze der Zeit mit solch einer Unterstützung gerechnet!" Da waren bereits 2224 Euro zusammengekommen. "Wir können unmöglich mehr annehmen - nicht zuletzt, da unser Aufruf leider immer größere und negative Wellen schlägt." Sie sei traurig über die boshaften Reaktionen und das unbeabsichtigte mediale Interesse, schreibt Franny.

"Selbstverständlich behalten wir das Geld im Falle einer Kostenerstattung durch die Versicherung NICHT und sind gerne bereit, unseren Spendern ihr Geld zurückzuzahlen oder anderweitig gemeinnützig zu spenden. Uns ist bewusst, dass es weitaus schlimmere persönliche Notlagen gibt sowie wohltätige Zwecke."

Titelfoto: Unsplash/Arshad Pooloo

Mehr zum Thema Reisen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0