Trauriger Rekord: Jugendämter haben so viel wie noch nie zu tun

Wiesbaden - Die Jugendämter in Deutschland sind so oft wie noch nie zuvor wegen Kindeswohlgefährdung ausgerückt. Hauptursache ist Vernachlässigung!

Zwei Kinder in einem Heim, sie dürfen nur silhouettenhaft gezeigt werden (Symbolbild).
Zwei Kinder in einem Heim, sie dürfen nur silhouettenhaft gezeigt werden (Symbolbild).  © dpa/Boris Roessler

Die Jugendämter sind alarmiert: Sie mussten im Jahr 2018 so oft wie noch nie zuvor zu Familien fahren und sie teilweise auch auseinander bringen.

Bei 50.400 Kindern lag eine Gefährdung vor. Dies ist der Fall, wenn eine Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines Kindes droht oder schon eingetreten ist.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der Fälle um zehn Prozent an. Zwar stieg auch die Zahl der Minderjährigen, jedoch nur um 0,5 Prozent. "Damit wurde 2018 auch bereinigt um demografische Veränderungen der höchste Stand in der Zeitreihe erreicht", so das Statistische Bundesamt in der Zusammenfassung der diesjährigen Statistik. Schon seit 2012 untersucht und wertet es die Fälle jährlich aus.

Besonders erschütternd: Die Zahl der akuten Probleme stieg sogar um 15 Prozent an, sie machten in der Summe nun fast 50 Prozent aller Jugendamts-Einsätze aus.

In 10.100 Fällen musste das Familiengericht eingeschaltet werden.

Um die Kinder in den besonders heiklen Fällen schützen zu können, wurden sie oft auch in Obhut genommen. Dabei leben die Kinder dann in Heimen. Das betraf im vergangenen Jahr 7800 Kinder.

Sexuelle Gewalt stieg besonders stark an

Grund für die Einsätze des Jugendamtes waren zumeist Anzeichen von Vernachlässigung, sie machten 60 Prozent aus. Bei 31 Prozent handelte es sich um psychische Misshandlungen wie beispielsweise Demütigungen, Einschüchterung, Isolierung und emotionale Kälte. Hinweise auf körperliche Misshandlung gab es bei 26 Prozent aller Alarmierungen. Sexuelle Gewalt lag bei fünf Prozent. Es konnten mehrere Gefährdungen zugleich vorliegen.

Auch wenn sexuelle Gewalt relativ selten festgestellt wurde, bezeichnen die Statistik-Experten die Entwicklung als auffällig: "Die Zahl der gemeldeten Fälle stieg 2018 um 20 Prozent auf knapp 2.500", erklärt das Statistische Bundesamt. Dabei waren zu zwei Dritteln Mädchen betroffen.

Zu den 50.400 Fällen der Kindeswohlgefährdung kommen 53.000 weitere Fälle, bei denen die Eltern lediglich weitere Hilfe und Unterstützung bei der Erziehung brauchten. Dies geschieht vor allem mit Erziehungsberatungen und sozialpädagogischer Familienhilfe. Hier lag keine Gefährdung vor. Die Anzahl dieser Fälle stieg ebenfalls um acht Prozent an.

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