Waldbrand in Brandenburg: Rauch zieht nach Berlin, Ausfälle im Bahnverkehr

Treuenbrietzen - Das Inferno im Wald rund 50 Kilometer vor den Toren Berlins lodert seit Donnerstagnachmittag (TAG24 berichtete) und hat bereits rund 400 Hektar zerstört. Der beißende Rauch war durch den Wind am Freitagfrüh auch überall in Berlin zu riechen – hunderte besorgte Bürger riefen die Feuerwehr an.

Ein Feuerwehrmann kämpft gegen die Flammenwand in der Nähe von Klausdorf.
Ein Feuerwehrmann kämpft gegen die Flammenwand in der Nähe von Klausdorf.  © dpa/Patrick Pleul

Die drei Dörfer Tiefenbrunnen, Klausdorf und Frohnsdorf mussten am Donnerstagabend evakuiert werden, 500 Anwohner ihre Häuser verlassen.

In Treuenbrietzen haben 30 Menschen in der dortigen Stadthalle eine Notunterkunft bezogen, andere kamen bei Verwandten und Freunden unter.

Rund 550 Einsatzkräfte kämpfen gegen den Großbrand, konnten ein Übergreifen der Flammen auf die Ortschaften verhindern!

In einer amtlichen Gefahrenmitteilung fordert die Feuerwehr in Potsdam die Bewohner, Fenster und Türen geschlossen zu lassen.

Gleiches gilt in Berlin. Zudem sollten Lüftungsanlagen kontrolliert oder möglichst ausgeschaltet werden.

Auf den Flugverkehr hat der Großbrand samt Rauchwolke bisher keine Auswirkungen: "Die Flieger starten alle", so eine Berliner Flughafen-Sprecherin auf DPA-Anfrage.

Da sich der Waldbrand bedrohlich schnell ausbreitete, musste Klausdorf evakuiert werden.
Da sich der Waldbrand bedrohlich schnell ausbreitete, musste Klausdorf evakuiert werden.  © dpa/Patrick Pleul

Wesentlich schlimmer trifft es dagegen den Bahnverkehr: Betroffen sei am Freitag die Strecke zwischen Wannsee und Jüterbog, teilte die Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) auf ihrer Internetseite mit.

Heißt: Die Regionalbahnen des privaten Eisenbahnunternehmens enden bereits in Treuenbrietzen (Landkreis Potsdam-Mittelmark).

Fahrgäste mussten auf Busse umsteigen. "Es bestehen ebenfalls erhebliche Straßensperrungen. Ein planmäßiger Schienenersatzverkehr ist dadurch nicht möglich", so die ODEG weiter.

In der Nacht zum Freitag hatte Südwestwind die Rauchschwaden des Brandes nach Berlin hineingetragen.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) dürfte der Wind aber im Laufe des Vormittags drehen und der Rauch aus der Stadt abziehen.

Die Löscharbeiten auf einer Waldfläche so groß wie 400 Fußballfelder dauerten am frühen Morgen weiter an.

Update 18 Uhr:

Die Evakuierung der beiden brandenburgischen Dörfer Tiefenbrunnen und Klausdorf soll voraussichtlich am Samstagvormittag aufgehoben werden. Derzeit sei die Gefahr durch den Waldbrand noch zu groß, sagte der Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, Christian Stein (CDU), am Freitagnachmittag in Treuenbrietzen.

Davon seien 140 Menschen betroffen. Den Anwohnern sollte allerdings erlaubt werden, am Freitag noch einmal kurz in ihre Häuser zu gehen, um zum Beispiel Tiere zu versorgen.

Frohnsdorf: Rauchschwaden ziehen über ein brennendes Waldstück. Hunderte Einsatzkräfte haben den riesigen Waldbrand südwestlich von Berlin am Freitag zwar eingedämmt, aber noch nicht unter Kontrolle gebracht.
Frohnsdorf: Rauchschwaden ziehen über ein brennendes Waldstück. Hunderte Einsatzkräfte haben den riesigen Waldbrand südwestlich von Berlin am Freitag zwar eingedämmt, aber noch nicht unter Kontrolle gebracht.  © DPA

Update 15.55 Uhr:

uch nach stundenlangem Einsatz haben 300 bis 400 Feuerwehrleute im Südwesten Brandenburgs noch mit drei Brandherden im Wald zu kämpfen. "Die Lage ist noch nicht entspannt", sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag. "Es ist kein Regen in Sicht und der Wind frischt auf." Zur Brandursache gebe es keinerlei Erkenntnisse, sagte der Sprecher. Nichts könne ausgeschlossen werden.

Eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark sagte, sie rechne mit tagelangen Löscharbeiten. Die Glut reiche 40 bis 50 Zentimeter in den Waldboden. Am Freitagabend werde eine große Gruppe Feuerwehrleute aus dem Landkreis Barnim erwartet, um erschöpfte Kollegen abzulösen.

Update 13.33 Uhr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (62) hat Feuerwehr und Helfern für ihren Einsatz bei der Bekämpfung des schweren Waldbrands in Brandenburg gedankt. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Bundespolizei hätten "bis zur Erschöpfung" gearbeitet, lobte das Staatsoberhaupt am Freitag in Tantow im brandenburgischen Landkreis Uckermark. "Unsere Gedanken sind bei denen, die in der Nacht ihre Häuser verlassen mussten", so Steinmeier weiter.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (56, SPD) wollte Steinmeier eigentlich begleiten, sagte die Tour aber aufgrund des Waldbrands kurzfristig ab.

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, spricht mit Medienvertretern im Brandgebiet.
Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg, spricht mit Medienvertretern im Brandgebiet.  © DPA

Update 13.05 Uhr:

Brandgeruch ließ selbst in Berlin Menschen aus dem Schlaf schrecken: Die Luftbelastung durch den Waldbrand in Brandenburg war nach Behördenangaben in der Hauptstadt nur kurzzeitig hoch. "Es ist nicht gesundheitsschädigend gewesen", sagte Derk Ehlert aus der Berliner Umweltverwaltung am Freitag.

Der Rauch sei zwar in der Nacht in mehreren Teilen der Stadt messbar gewesen. In den frühen Morgenstunden seien die Werte bei Rußpartikeln und Feinstaub jedoch bereits wieder stark abgefallen. Inzwischen lasse Westwind den Rauch an der Stadt vorbeiziehen.

Update 12.15 Uhr:

Nach den verheerenden Waldbränden im Südwesten Brandenburgs können die ersten Bewohner in ihre Häuser zurück. Die Evakuierung von Frohnsdorf werde am Mittag aufgehoben, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (56, SPD) bei einem Besuch am Einsatzort.

Über die Evakuierung der beiden anderen Orte werden am Nachmittag entschieden. "Hier muss ich die Menschen um Geduld bitten", sagte Woidke. Am Donnerstagabend hatten rund 500 Menschen ihre Häuser verlassen müssen.

Frohnsdorf: Angekohlte Bäume stehen in einem Wald nach einem Feuer hier, während vom Waldboden noch etwas Rauch aufsteig.
Frohnsdorf: Angekohlte Bäume stehen in einem Wald nach einem Feuer hier, während vom Waldboden noch etwas Rauch aufsteig.  © DPA

Update 11.48 Uhr:

Wer im Zusammenhang mit dem riesigen Waldbrand in Brandenburg seine Hilfe anbieten will, kann sich bei einer Hotline melden. Menschen werden gebeten, auf der Nummer 033748/ 74750 anzurufen, wie die Stadt Brandenburg an der Havel am Freitag mitteilte. Mit der Hotline soll auch die Leitstelle in Brandenburg an der Havel entlastet werden, wo bislang zahlreiche Anrufer etwa Unterkunft und Decken angeboten hätten, sagte ein Sprecher.

Ein Feuerwehrmann löscht bei einem riesigen Waldbrand in einer Schonung bei Treuenbrietzen ein Feuer.
Ein Feuerwehrmann löscht bei einem riesigen Waldbrand in einer Schonung bei Treuenbrietzen ein Feuer.  © DPA

Update 11.10 Uhr:

In unmittelbarer Nähe zum riesigen Waldbrand südwestlich von Berlin ist ein weiteres Feuer am Rande von Jüterbog (Teltow-Fläming) ausgebrochen. Betroffen seien seit Donnerstagnachmittag mehrere Hektar Fläche Heide und Wald auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz, teilte die Stadtverwaltung Jüterbog am Freitag mit.

Derzeit werde der Bereich befahren, um sich einen Überblick zu verschaffen. Der Boden ist munitionsbelastet, weil dort ein ehemaliger Schießplatz war. Das behindert die Löscharbeiten.

Update 10.21 Uhr:

Nach der Evakuierung der drei Dörfer Tiefenbrunnen, Klausdorf und Frohnsdorf wird frühestens am Freitagmittag darüber entschieden, wann die Bewohner möglicherweise nach Hause zurückkehren können.

"Das hängt maßgeblich aber auch vom weiteren Fortgang der Löscharbeiten in diesem Bereich ab", erklärte Michael Knape, der Bürgermeister von Treuenbrietzen. Er habe die von der Evakuierung betroffenen Bürger beruhigen können, die über Nacht um Haus und Hof gebangt hätten: Schäden seien im Moment nicht erkennbar. Man könne erst einmal sagen, die Orte seien sicher.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) informiert sich bei der Feuerwehr über die Situation bei einem Waldbrand.
Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) informiert sich bei der Feuerwehr über die Situation bei einem Waldbrand.  © DPA

Update 9.55 Uhr:

Rund 600 Einsatzkräfte haben den großen Waldbrand bei Treuenbrietzen am Freitagmorgen stark eingedämmt. "Weite Teile sind unter Kontrolle", sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Einsatzort der Deutschen Presse-Agentur.

Wenn der Wind so bleibe, sehe er gute Chancen, dass das Feuer bald gelöscht werde und die in Sicherheit gebrachten Anwohner noch im Laufe des Tages in ihre Häuser zurückkehren könnten.

Derzeit gebe es aber noch mehrere größere Brandstellen. Die Bundeswehr und die Bundespolizei seien mit Hubschraubern im Einsatz. Zudem spritzten die Wasserwerfer der Polizei Wasser in den Wald. Die Arbeiten würden noch mehrere Tage dauern, sagte Schröter.

Update 8.49 Uhr:

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (63, SPD) will noch am Freitagmorgen die betroffene Waldbrand-Region besuchen, wie ein Ministeriumssprecher ankündigte. Man könne derzeit keinerlei Prognose abgeben, wann der Brand gelöscht sei: "Das ist unabsehbar. Das Feuer ist aus, wenn es aus ist", so der Sprecher zur DPA.

Fast alle brandenburgischen Feuerwehrkräfte seien im Einsatz, dazu Kollegen aus Sachsen-Anhalt. Auch zwei Polizei-Wasserwerfer sowie zwei Hubschrauber der Bundeswehr und Bundespolizei helfen.

Ein Polizei-Hubschrauber kreist über den dichten Rauchwolken neben dem Ort Frohnsdorf.
Ein Polizei-Hubschrauber kreist über den dichten Rauchwolken neben dem Ort Frohnsdorf.  © Christian Pörschmann/dpa

Update 8.12 Uhr:

Die Löschhubschrauber steigen wieder auf und bekämpfen den Waldbrand: "Unser Hauptziel ist weiter, die evakuierten Ortschaften vor den Flammen zu schützen", versicherte Christian Stein (CDU), Vize-Landrat von Potsdam-Mittelmark, am Freitagmorgen gegenüber der DPA. "Noch ist der Brand nicht zurückgedrängt, aber es ist kein Gebäude in Mitleidenschaft gezogen worden."

Speziell aufgrund gefährlicher Munitionsreste im Waldboden ist die Feuerwehr auf die Luftunterstützung angewiesen. "Ich hoffe, dass das Wetter mitspielt und der Wind nicht wieder auffrischt. Wir warten sehnsüchtig auf Regen", so der Politiker.

Die gigantische Rauchsäule ragt hunderte Meter hoch in den Himmel, wird vom Wind nach Berlin geweht.
Die gigantische Rauchsäule ragt hunderte Meter hoch in den Himmel, wird vom Wind nach Berlin geweht.  © DPA/Sascha Graf

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