Treuener Stadtrat bläst Hilfe für Flüchtlinge ab!

Manfred Puschmann (61, SPD)
Manfred Puschmann (61, SPD)

Von Bernd Rippert

Treuen - Eklat um Flüchtlinge im Vogtland. Die Diakonie Auerbach wollte auf Bitten des Landratsamtes rund 20 jugendliche Asylbewerber im Ortsteil Eich unterbringen. Wütende Leute verhinderten das Projekt.

Für den stellvertretenden Bürgermeister von Treuen, Manfred Puschmann (69, SPD), ein schwarzer Tag: „Ich schäme mich für Treuen!“

Der Vogtlandkreis muss jeden Monat rund 50 alleinreisende Flüchtlinge unter 18 Jahren aufnehmen. Die Verwaltung bat deshalb die Diakonie, eine Unterbringung zu finden.

Die Diakonie-Vorstände Gernot Dörfel und Alexander Flachsbart wollten dafür das bisherige Tupperware-Haus in Eich kaufen, aber vorher freiwillig die Zustimmung der Kommune einholen.

Im Ortsrat von Eich kam es zum Showdown.

Ist ratlos: Alexander Flachsbarth (53), Vorstand der Diakonie Auerbach, vor der geplanten Asylunterkunft in Eich.
Ist ratlos: Alexander Flachsbarth (53), Vorstand der Diakonie Auerbach, vor der geplanten Asylunterkunft in Eich.

Flachsbart: „Es waren 200 wütende Menschen in der Turnhalle, darunter 20 Fremde. Sie schrien ,Wir wollen keine Asylanten‘, beschimpften uns als Lügner.“

Für Manfred Puschmann brach eine Welt zusammen: „Die Bürger schrien hysterisch, die Sitzung war uns völlig entglitten. Das war der Gipfel!“

Tags drauf sagte der Treuener Stadtrat Nein zur Unterbringung der jungen Flüchtlinge. Die Diakonie zog ihr Projekt zurück, will sich woanders umschauen.

Der Treuener Pfarrer Frank Konnerth (54) wünscht sich eine sachlichere Diskussion um die Flüchtlinge: „So viele Ängste sehe ich als absurd an.“

Als stillen Protest gegen die Vorkommnisse in Eich lädt die St.-Bartholomäus-Kirche am Mittwoch um 18.30 Uhr zum Friedensgebet ein. Angeblich wollen Asylgegner den Gottesdienst stören.

Junge Flüchtlinge, die allein in Deutschland angekommen sind, benötigen besondere Zuwendung.
Junge Flüchtlinge, die allein in Deutschland angekommen sind, benötigen besondere Zuwendung.
Für Mittwoch plant die Gemeinde ein extra Friedensgebet wegen der Asyl-Situation.
Für Mittwoch plant die Gemeinde ein extra Friedensgebet wegen der Asyl-Situation.

Fotos: Sven Gleisberg, privat, dpa


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