Chemnitz hat ein Alkoholproblem

Einsätze am Wall wegen Randalen gehören für die Polizei und den Stadtordnungsdienst mittlerweile zum Alltag.
Einsätze am Wall wegen Randalen gehören für die Polizei und den Stadtordnungsdienst mittlerweile zum Alltag.

Von Torsten Schilling

Chemnitz - Entpuppt sich das Alkoholverbot als zahnloser Tiger? Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (54, parteilos) räumt ein, mit den Kontrollen nicht hinterher zu kommen.

Dabei hat Berlin ein Auge auf Chemnitz geworfen, will das öffentliche Besaufen verbieten.

Randale am helllichten Tag. Oft ist Alkohol im Spiel. Alltag in der Innenstadt. Hier herrscht eigentlich Alkoholverbot. Nur durchgesetzt wird es kaum. „Im September 2015 gab es zwei Anzeigen, im März zwei, im April bislang drei“, so ein Stadtsprecher.

Berlin hat das gleiche Problem mit Trinkern in der Öffentlichkeit, bastelt an einem Alkoholverbot. Das berichtete „RTL Aktuell“.

Das Alkoholverbot in Chemnitz gilt seit einem Jahr, wird aber kaum kontrolliert.
Das Alkoholverbot in Chemnitz gilt seit einem Jahr, wird aber kaum kontrolliert.

Einem Kamerateam des Kölner Senders, das in Chemnitz drehte, sagte Ordnungsdezernent Miko Runkel (54, parteilos): „Es ist schwierig, mit drei, vier, fünf oder sechs Mitarbeitern des Ordnungsamtes vorzugehen, wenn auf einer Fläche, wo ein Alkoholverbot gilt, 200 Leute sind, von denen die Hälfte trinkt.“

Der Stadtordnungsdienst wird erst nächstes Jahr von 15 auf 22 Stellen aufgestockt - falls der Stadtrat die entsprechenden Finanzmittel freigibt.

Das vom Stadtrat beschlossene Alkoholverbot gilt für Wall, Johannisplatz, Roten Turm. Von April bis Oktober ist montags bis sonnabends zwischen 9 und 22 Uhr der Konsum alkoholischer Getränken verboten, ebenso der Aufenthalt in alkoholisiertem Zustand.

Die AfD macht angesichts der Lage Druck. „Wir fragen uns, was noch passieren muss, damit in Verwaltung und Stadtrat ein Umdenken einsetzt.“ Auch die SPD sieht Handlungsbedarf: „Die Gemengelage aus Konflikten unterschiedlichster Akteure hat zu einer Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung geführt.“

Fotos: Klaus Jedlicka, Bernd Rippert


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