Sachsens Bauern haben Angst! Steht eine neue Trockenperiode bevor?

Dresden - Ganz Sachsen freute sich in dieser Woche über frühsommerliche Temperaturen. Ganz Sachsen? Während die meisten von uns den wolkenfreien Himmel und die warmen Sonnenstrahlen genossen, machten sich bei den Landwirten leichte Sorgenfalten breit. Die Furcht vor der nächsten großen Dürre ist bei ihnen momentan das bestimmende Thema. Wir haben bei sächsischen Bauern nachgefragt: Wie groß sind ihre Sorgen vor einer erneuten Trockenperiode wirklich? Was treibt sie sonst noch um?

Die Frühjahrstrockenheit macht Landwirt Matthias Domanja (41) aus Wittichenau zu schaffen.
Die Frühjahrstrockenheit macht Landwirt Matthias Domanja (41) aus Wittichenau zu schaffen.  © Norbert Neumann

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) träfe den Freistaat eine erneute Trockenperiode besonders hart. In tausenden sächsischen Landwirtschaftsbetrieben geht die Angst vor einem neuen Dürresommer um, teilte der Landesbauernverband mit.

Ein Landwirt, dem die derzeitige Frühjahrstrockenheit große Sorgen bereitet, ist Matthias Domanja (41). Er betreibt einen Bio-Bauernhof nahe Wittichenau im Landkreis Bautzen.

"Die Böden sind jetzt schon so trocken wie sonst Ende Juli", weiß Domanja. Was denkbar ungünstig ist, denn gerade jetzt, wo die Pflanzen zu wachsen beginnen, brauchen sie Wasser.

"Bleibt es noch drei Wochen so trocken, wird's schlimmer als letztes Jahr", befürchtet der Bio-Bauer daher. Bereits 2018 hatte er mit der Dürre zu kämpfen, erntete zwischen 30 und 40 Prozent weniger als üblich.

Zwei Dürrejahre in Folge würden ihn und seinen Hof vor große Herausforderungen stellen. "Ein trockenes Jahr wäre zu verkraften gewesen, aber gleich zwei hintereinander ..."

Und hier soll etwas wachsen? Die trockene Erde rinnt Bio-Bauer Domanja wie Sand durch die Finger.
Und hier soll etwas wachsen? Die trockene Erde rinnt Bio-Bauer Domanja wie Sand durch die Finger.  © Norbert Neumann

Für viele sächsische Landwirtschaftsbetriebe wäre das existenzgefährdend, so Domanja. Zumal die Bauern noch unter den Auswirkungen der Vorjahres-Dürre leiden. Der Lausitzer Landwirt wünscht sich nichts sehnlicher als ergiebigen, andauernden Landregen. "Momentan sind wir aber für jeden Tropfen dankbar."

Elfi Schertenleib (55) hat die Hoffnung auf anhaltenden Niederschlag noch nicht aufgegeben. Die Chefin des gleichnamigen Spargelhofs im mittelsächsischen Ostrau sorgt sich um die diesjährige Ernte - um die ihres Bio-Spargels, aber auch um die Kartoffel-, Zwiebel- und Getreideernte. Sie befürchtet, dass sich die Trockenheit nicht nur auf die Menge, sondern auch die Qualität der Ernte auswirkt.

Allerdings: Noch ist es für Panikstimmung zu früh. Denn in die Glaskugel schauen und so früh im Jahr sagen, wie der Sommer wird, können weder Sachsens Bauern noch die Wetterexperten des DWD.

... doch wenigstens beim Spargel läuft's

Wieslaw Polubiec (42) ist einer von vier Erntehelfern, die auf den Feldern in Wittichenau Spargel aus dem Boden holen.
Wieslaw Polubiec (42) ist einer von vier Erntehelfern, die auf den Feldern in Wittichenau Spargel aus dem Boden holen.  © Norbert Neumann

Keine Spargelernte ohne Spargelstecher: Die Landwirtschaft ist auf Saisonarbeiter aus Osteuropa angewiesen. Gerade in den alten Bundesländern klagen viele Landwirte über einen Mangel an Erntehelfern - nicht so in Sachsen.

Auch im Freistaat ist die Zahl der Hilfsarbeiter über die Jahre zurückgegangen, doch viele Betriebe haben daraufhin die Anbauflächen für Spargel reduziert. Besonders aus Polen kämen immer weniger Saisonkräfte, sagt Landwirt Hartwig Kübler (64). Grund: die positive wirtschaftliche Entwicklung im Nachbarland. Auf seinem Spargelhof in Nauwalde (Landkreis Meißen) beschäftigt er derzeit 12 Erntehelfer - "alle aus Rumänien", wie er sagt.

Ein fester Kern aus Arbeitern, die Jahr für Jahr wiederkommen. "Entscheidend ist, wie man mit den Leuten umgeht", so Kübler. "Außerdem muss natürlich die Bezahlung stimmen, Leistung auch entsprechend honoriert werden."

Beim Gemüseanbau Kyhna (bei Leipzig) sind derzeit 80 Saisonarbeiter bei der Spargelernte im Einsatz. "In Sachsen sind mangelnde Erntehelfer kein so großes Problem wie andernorts", stellt Betriebsleiter Jürgen Kopf fest.

"Unser Problem ist weniger das Fehlen von Hilfskräften", erklärt Manfred Uhlemann (61), Geschäftsführer vom Landesbauernverband. "Wir haben einen Fachkräftemangel.

Die Arbeit vieler Landwirte in Sachsen ist derzeit vor allem eines: staubig!
Die Arbeit vieler Landwirte in Sachsen ist derzeit vor allem eines: staubig!  © Norbert Neumann

Titelfoto: Norbert Neumann

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