Nach Doping-Skandal: Österreichischer Langlaufchef tritt zurück

Seefeld/Erfurt - Für die Langläufer des Österreichischen Ski-Verbands (ÖSV) kommt es immer härter. Nachdem zwei ihrer Kollegen beim Doping erwischt worden sind, tritt nun auch ihr Cheftrainer zurück.

Es ist der größte Vorfall seit der Doping-Razzia bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin.
Es ist der größte Vorfall seit der Doping-Razzia bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin.

Trond Nystad wird seine Aufgaben nach der Ski-WM abgeben, so der Mann der ehemaligen deutschen Langläuferin Claudia Nystad am Freitag.

Er fühle sich "betrogen und verarscht" von seinen Sportlern. Auch für eine neue Aufgabe innerhalb des ÖSV könne er sich nicht motivieren, etwas schlimmeres könne man im Sport nicht erleben.

Zwei seiner Langläufer waren bei der Razzia am Mittwoch in Seefeld festgenommen worden, Max Hauke war sogar mitten im Blutdoping erwischt worden. Beide haben die Taten gestanden und sind wieder auf freiem Fuß.

Nystad gilt als harter Anti-Doping-Kämpfer, hat sogar entsprechende Klauseln in seinem Vertrag. Im kommenden Winter muss sich der ÖSV zudem einen neuen Sportlichen Leiter suchen, Markus Gandler wird das Amt nicht weiter ausführen.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel schießt währenddessen gegen den DSV. Er habe gehört, dass auch deutsche Sportler betroffen sind.

In Deutschland gehen derweil die Ermittlungen gegen den Erfurter Sportmediziner Dr. Mark S. weiter. Rund 40 Blutkonserven sollen bei den Hausdurchsuchungen gefunden worden sein, teilweise gekühlt und mit Tarnnamen versehen. Die sollen nun dabei helfen weitere Komplizen im Doping-Netzwerk zu finden.

Alfons Hörmann hatte als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds die Verwicklung deutscher Spitzensportler in die Affäre ausgeschlossen. Dem Erfurter Mediziner waren in seiner früheren Rolle als Radsport-Teamarzt schon Doping-Machenschaften vorgeworfen worden, dies hatte er stets bestritten.

Trond Nystad 2014 beim Olympiaball in Leipzig mit seiner Frau Claudia Nystad.
Trond Nystad 2014 beim Olympiaball in Leipzig mit seiner Frau Claudia Nystad.  © DPA

Update 14.53 Uhr:

Die beiden bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld festgenommenen Deutschen bleiben bis zur Übergabe an die deutschen Behörden vorerst in Haft. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck am Freitagvormittag mit. Das Landesgericht Innsbruck habe demnach eine Übergabehaft verhängt.

Ob und wann die beiden mutmaßlichen Komplizen des Erfurter Arztes Mark S. nach Deutschland übergeben werden, ist Entscheidung des Landesgerichts Innsbrucks. Die Staatsanwaltschaft München I wird nach eigenen Angaben "in Kürze" ein Auslieferungsersuchen stellen und rechnet mit einer "zügigen Umsetzung".

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