Trotz Brand: Flüchtlinge sollen in Bautzner Heim ziehen

Bis Mitte März sollen trotz der Brandschäden Flüchtlinge einziehen.
Bis Mitte März sollen trotz der Brandschäden Flüchtlinge einziehen.

Von Torsten Hilscher

Bautzen - Das ehemalige Hotel „Husarenhof“ in Bautzen soll trotz des Brandanschlages belegt werden. Geht alles klar, ziehen bereits Mitte März 100 Menschen ein. Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen drei Männer.

Trotz Feuer und Flammen: „Der Eigentümer des Husarenhofes, die GZ Bautzen Betreibergesellschaft mbH, hat uns gegenüber heute erklärt, dass alle Anstrengungen unternommen werden, damit in dem nicht beschädigten Gebäudeteil Mitte März 100 Plätze zur Verfügung stehen“, teilte das Landratsamt Bautzen am Nachmittag mit.

Ursprünglich sollten hier 300 Asylbewerber Unterkunft finden. Der für den 10. März geplante „Tag der offenen Tür“ falle allerdings aus.

Nun prüft das Landratsamt, wie die fehlenden Unterbringungs-Plätze für Asylbewerber kompensiert werden können. „Gegebenenfalls müssen Notunterkünfte (in Bautzen, Hoyerswerda, Großröhrsdorf) weiter betrieben werden“, hieß es weiter.

Planmäßig sollten diese eigentlich im Laufe des Jahres geschlossen werden.

Polizei steht vor dem stark beschädigten Gebäude.
Polizei steht vor dem stark beschädigten Gebäude.

Parallel wurde bekannt, dass der Eigentümer nach entsprechenden Einträgen in Sozialen Netzwerken den „Husarenhof“ vor dem Brand durch ein Wachschutzunternehmen überwachen ließ.

Unterdessen gibt es erste juristische Maßnahmen zum Anschlag selbst. Die Staatsanwaltschaft Görlitz will Ermittlungen gegen drei Männer im Alter zwischen 19 und 20 Jahren einleiten.

Konkret geht es um den Vorwurf, die Feuerwehr bei den Löscharbeiten behindert zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Staatsanwaltschaft will auch prüfen, ob bei den drei Tatverdächtigen eine Beteiligung an dem Brandanschlag selbst infrage kommt.

Bei den Löscharbeiten hatten sich etwa 20 bis 30 Gaffer eingefunden, die laut Polizei "abfällige Bemerkungen" machten oder "unverhohlene Freude" über das Feuer zeigten.

Auch Landrat Michael Harig (55, CDU)äußerte sein Unverständnis: "Ein derartiges Verhalten ist durch nichts zu rechtfertigen.

Bautzen wird nun in einem Atemzug mit den Ausschreitungen in Clausnitz genannt. Diese bundesweite negative Aufmerksamkeit schadet unserer gesamten Region."

Am frühen Montagabend machte sich der sächsische Vize-Ministerpräsident Martin Dulig (41, SPD) ein Bild vor Ort.

Martin Dulig (re.) gibt in Bautzen Erklärungen ab.
Martin Dulig (re.) gibt in Bautzen Erklärungen ab.

„Das, was am Wochenende hier in Sachsen passiert ist, das schreit nach Konsequenzen. Hier ist eine Grenze überschritten worden“, sagte er.

Das bedeute vor allem „eine klare Haltung“, dass – egal, wie man politisch zu bestimmten Fragen stehe – Gewalt, Brandanschläge; Gewalt gegen Flüchtlinge, gegen Polizisten, gegen Helfer „unakzeptabel“ seien und dementsprechend auch der Rechtsstaat in die Lage versetzt werde, „mit aller Härte“ zu verfolgen und zu bestrafen.

Zum anderen müssten auch diejenigen gestärkt werden, die mit dazu beitragen, „dass hier in diesem Land“ ein Klima entstehe, wo Menschen keine Angst haben.

„Diejenigen, die sich tagtäglich – ob ehren- oder hauptamtlich - dafür einsetzen, dass Menschen menschenwürdig miteinander umgehen, die müssen gestärkt werden. Und wir müssen auch aus den Fehlern der letzten 25 Jahre lernen: Uns ist doch der Personalabbau in den letzten 25 Jahren massiv auf die Füße gefallen.“

Fotos: dpa/Oliver Killig, Holm Helis


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