Trotz Indymedia-Bekennerschreiben: Keine Spuren zu den BGH-Attentätern

Leipzig - Nach dem Angriff auf ein Gebäude des Bundesgerichtshofs (BGH) in Leipzig in der Silvesternacht ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht.

Das Gebäude des 5. BGH-Strafsenats in Leipzig wurde in der Silvesternacht von 50 Vermummten angegriffen.
Das Gebäude des 5. BGH-Strafsenats in Leipzig wurde in der Silvesternacht von 50 Vermummten angegriffen.  © DPA

In dem Text, der auf der linken Onlineplattform "Indymedia" veröffentlicht wurde, reklamierten "Autonome Gruppen" am Donnerstagabend die Attacke für sich (TAG24 berichtete).

Die sächsische Generalstaatsanwaltschaft prüfe die Authentizität des Schreibens, sagte Sprecher Wolfgang Klein am Freitag in Dresden. Konkrete Spuren zu den Tätern gebe es aber weiterhin nicht.

Zum Anschlag auf den 5. Strafsenat sei es gekommen, weil die Justiz an der "Zerstörung des menschlichen Miteinanders" mitwirke, heißt es in dem Bekennertext. Die Täter hätten versucht, in das "verhasste Gebäude des Strafsenats" einzudringen, Panzerglasscheiben verhinderten das jedoch. Zudem bekannten sie sich zum Angriff auf ein Gebäude der Burschenschaft "Corps Lusatia" und zur Errichtung von Barrikaden auf der Karl-Heine-Straße.

In der Silvesternacht hatten die Unbekannten an mehreren Stellen Feuer gelegt. Vor der schweren Eingangstür der BGH-Außenstelle wurden mit Benzin übergossene Reifen angezündet. Auf der Rückseite des Hauses wurde eine hölzerne Notausgangstür angebrannt. Es blieb jedoch bei äußeren Schäden.

Zuvor hatten die Täter die Videoüberwachung ausgeschaltet, indem sie die Kameras schwarz übersprühten.

Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (40, CDU) vor dem Bundesgerichtshof. Auf das Gebäude ist in der Silvesternacht ein Anschlag verübt worden.
Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (40, CDU) vor dem Bundesgerichtshof. Auf das Gebäude ist in der Silvesternacht ein Anschlag verübt worden.  © DPA

Ob der Angriff wirklich Linksautonomen zuzuschreiben ist, lasse sich aus dem Bekennerschreiben noch nicht zweifelsfrei ableiten, sagte Klein. Das würde voraussetzen, dass es authentisch ist und wirklich von den Tätern gepostet wurde.

Auf der Plattform können Texte anonym online gestellt werden. Die Generalstaatsanwaltschaft prüfe auch, ob sich aus dem Schreiben neue Ermittlungsansätze ergeben, sagte Klein.

In Leipzig sind in der Vergangenheit wiederholt Justizgebäude attackiert worden, unter anderem das Haus des Jugendrechts, das Amtsgericht oder das Bundesverwaltungsgerichts. Die Täter wurden meist im linksextremen Spektrum vermutet, aber längst nicht immer ermittelt.

Die Eingangstür des 5. Strafsenats in Leipzig.
Die Eingangstür des 5. Strafsenats in Leipzig.  © dpa/Peter Endig
Dieses Fenster des BGH-Besprechungsraums ist aus Panzerglas. Die Angreifer brannten ein Loch hinein.
Dieses Fenster des BGH-Besprechungsraums ist aus Panzerglas. Die Angreifer brannten ein Loch hinein.  © Ralf Seegers

Titelfoto: dpa/Peter Endig

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