Drogen, Diebstahl, Pöbelei, und dennoch frei

Grenzübergang in Sebnitz. Obwohl er erst wenige Monate in Deutschland war, kam der junge Asylbewerber aus Tunesien hier bei einem Ausflug mit Marihuana in Berührung - unter Alkoholeinfluss, wie er sagt.
Grenzübergang in Sebnitz. Obwohl er erst wenige Monate in Deutschland war, kam der junge Asylbewerber aus Tunesien hier bei einem Ausflug mit Marihuana in Berührung - unter Alkoholeinfluss, wie er sagt.

Von Torsten Hilscher

Riesa - Beleidigung, Diebstahl, Drogen, Schwarzfahren. Es ist eine stolze Liste, die die Staatsanwaltschaft dem Tunesier Saifdine M. (19) vorwirft. Vor allem, weil der junge Mann erst seit 2014 in Deutschland ist.

Seine Heimat verließ Saifdine 2011. In Tunesien hatte er noch bei der Mutter gelebt, jobbte nach dem 8-Klassen-Abschluss als Mechaniker. Eine echte Zukunft habe es für ihn allerdings nicht gegeben, sagt der hochaufgeschossene Junge vor Gericht.

Also machte er sich auf den Weg nach Europa. Seine Reise führte ihn zunächst via Italien in die Schweiz. Es folgte Frankreich, wo die Familie mütterlicherseits lebte. In Deutschland fand er als Asylbewerber in Chemnitz Unterkunft (wo er einen Feuermelder zerdrosch). Danach in Riesa.

Von beiden Städten aus tourte er viel: Mal nach Tschechien, wo er an der Grenze mit Marihuana erwischt wurde (Saifdine: „Ich hatte getrunken“), mal nach Chemnitz, wo er bei Peek [&] Cloppenburg ohne zu zahlen shoppte („Ja, aber nur einen Gürtel“).

Der junge Tunesier Saifdine M. (19) auf dem Weg zur Verhandlung. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon.
Der junge Tunesier Saifdine M. (19) auf dem Weg zur Verhandlung. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

Beim Zugfahren selbst passierte auch einiges: Ein Mitreisender vermisste hinterher seinen Laptop und ortete ihn ... in Riesa. Saifdine: „Das Gerät habe ich in Leipzig gekauft.“ Bahntickets wurden manipuliert.

Ein Busfahrer, der ihn nicht kostenlos mitnehmen wollte, wurde bepöbelt („Das tut mir leid“). Ebenso ein Polizist, der den Laptop bei ihm fand. Dessen Mutter bezeichnete er sogar als "Hure", entschuldigte sich dafür aber, als ihn eine Schöffin bei der Verhandlung fragte, wie er denn dazu käme, die Mutter eines anderen Menschen so zu nennen.

Die Staatsanwaltschaft forderte 2,6 Jahre Haft. Der Richter jedoch ließ per Jugendstrafrecht Milde walten: 22 Monate auf Bewährung, dazu 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Daher darf Saifdine jetzt aus der U-Haft, wo er vor allem den Kontakt zur Mutter vermisste. Es geht zurück nach Riesa. Weil er nicht als vorbestraft gilt, wird sein Asylverfahren weiter bearbeitet und er demzufolge vorerst nicht abgeschoben.

Fotos: Thomas Türpe, Marko Förster


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