Die Tiger kommen! Über der Lausitz wird scharf geschossen

Die Kampfhubschrauber in der Oberlausitz. In einen "Tiger" (bis 290 Stundenkilometer) passen nur Schütze (sitzt vorne) und Pilot (sitzt dahinter).
Die Kampfhubschrauber in der Oberlausitz. In einen "Tiger" (bis 290 Stundenkilometer) passen nur Schütze (sitzt vorne) und Pilot (sitzt dahinter).  © Holm Helis

Hoyerswerda – Achtung, in Ostsachsen wird jetzt scharf geschossen. Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz trainieren Soldaten mit Kampfhubschraubern für die gefährliche Bundeswehrmission unter UN-Führung im westafrikanischen Mali. Dienstag feuerten sie noch mit Raketen auf Übungsziele. Bald brechen sie ins Kampfgebiet auf.

Die Uniformen tragen keine Namensschilder. Auch Wohnort und Familiensituation sind geheim, Facebook für die Soldaten tabu. "Der Islamische Staat schläft nicht", macht ein Offizier klar. 106 Soldaten aus dem hessischen Regiment 36 (gehören zur "Division Schnelle Kräfte") sind nach Sachsen gekommen, darunter 16 Piloten.

Einer davon kam gerade erst aus Mali zurück, erlebte dort schlimme Situationen: "Unsere Truppe wurde mit Mörsern und Maschinengewehren angegriffen. Es gab 17 Verwundete und mehrere Tote. Wir mussten schauen, wie wir unsere Kameraden vom Feld kriegen", so der Major. Dabei stiegen auch deutsche "Tiger"-Kampfhubschrauber in die Luft - die modernsten der Truppe. Und die schlagkräftigsten, wie der Major selbst demonstrierte.

Mit einem Piloten stieg er in die 14 Meter lange Maschine, startete und flog auf etwa 500 Meter Höhe. Ins Ziel nahm der Major Panzer-Wracks und hölzerne Gebäude, ein bis vier Kilometer entfernt. Zwei Fliegerleitoffiziere aus dem Kommandostand bestätigten: "Feuer Frei!". Dann ein Zischen, eine Rauchspur, ein kleines helles Licht am Horizont.

Erst Sekunden später der Explosionsknall: "Ziel zerstört!". Danach Maschinengewehr-Salven: Bis 400 Schuss kann der "Tiger" feuern - für Laien hört es sich wie Silvester-Böllerei aus der Ferne an. Noch eine Woche proben die Kampf-Piloten auf dem Truppenübungsplatz, dann brechen einige nach Mali auf.

Meist sichern sie Konvois aus der Luft ab. Lebensgefährlich. Im Juli stürzten zwei Kameraden ab - tot! Trotzdem: "Ich habe keine Angst, bin positiv angespannt, habe Respekt vor der Aufgabe", so der Major. "Man macht das, was man zu tun hat."

Über dem Truppenübungsplatz Oberlausitz schossen die "Tiger" scharfe Raketen ab.
Über dem Truppenübungsplatz Oberlausitz schossen die "Tiger" scharfe Raketen ab.  © Holm Helis
Dieser Fliegerleitoffizier koordinierte mit den "Tiger"-Piloten die Ziele aus einigen Kilometer Entfernung. Erst wenn er das Feuer frei gibt, darf geschossen werden.
Dieser Fliegerleitoffizier koordinierte mit den "Tiger"-Piloten die Ziele aus einigen Kilometer Entfernung. Erst wenn er das Feuer frei gibt, darf geschossen werden.  © Holm Helis
Soldaten bereiten die Munition vor: Je nach Mission kann der "Tiger" mit bis zu 38 Raketen oder zwei Maschinengewehren mit je 400 Schuss bewaffnet werden.
Soldaten bereiten die Munition vor: Je nach Mission kann der "Tiger" mit bis zu 38 Raketen oder zwei Maschinengewehren mit je 400 Schuss bewaffnet werden.  © Holm Helis

Titelfoto: Holm Helis