Corona-Zahlen steigen rasant: Macht Sachsen die Grenze nach Tschechien wieder zu?

Dresden/Prag (Tschechien) - Zum Kaffee nach Prag oder zum Zigarettenholen mal eben über die Grenze. Das könnte bald vorbei sein, wenn Deutschland Tschechien zum Risikogebiet erklärt. Mit 1164 Neu-Infektionen allein am gestrigen Dienstag verzeichnet das Nachbarland im Verhältnis zu Deutschland einen fast achtmal so hohen Zuwachs.

Premier Andrej Babis (66) reagierte gereizt auf Besorgnis der WHO.
Premier Andrej Babis (66) reagierte gereizt auf Besorgnis der WHO.  © dpa/CTK/Ondøej Deml

Tschechien war Vorreiter. Schon ab Mitte März galt Maskenpflicht, die Grenzen wurden über Nacht geschlossen. Doch dann kehrte das Land ab Anfang Juni zu schnell ins normale Leben zurück, hob sogar die Maskenpflicht auf. 

Seit zehn Tagen steigen die Zahlen wieder sprunghaft (aktuell knapp 10 .000 Erkrankte). Prag ist Hotspot (221 Neuinfektionen am Dienstag).

Seit Dienstag gilt die Maskenpflicht in der Hauptstadt, seit dem heutigen Mittwoch im ganzen Land. Das gesellschaftliche Leben wurde eingeschränkt (beschränkte Öffnungszeiten für Bars und Gastronomie). Weitere Maßnahmen könnten folgen, kündigte die Regierung an. 

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Auf die Besorgnis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über die Entwicklung reagierte Premier Andrej Babis (66) jedoch verärgert. Er twitterte: "Die WHO, die weder Masken empfahl noch wusste, dass eine Pandemie herrscht, sollte schweigen."

Tschechien könnte schon bald Risikogebiet sein

Bald könnte wieder Schluss sein, mit dem Schnäppchenkauf im Nachbarland.
Bald könnte wieder Schluss sein, mit dem Schnäppchenkauf im Nachbarland.  © Egbert Kamprath

Deutschland beobachtet die Situation sehr genau, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte. Dass Tschechien zum Risikogebiet erklärt wird, ist "durchaus naheliegend. Die Entscheidung kann sehr kurzfristig passieren", so der Sprecher. 

Dann gilt: Wer aus Tschechien nach Sachsen einreist, muss innerhalb von 72 Stunden einen Corona-Test machen, sich bis zu einen negativen Bescheid sofort in Quarantäne begeben (bis zu 14 Tage) und das Gesundheitsamt informieren.

Das Sozialministerium Sachsen bereitet sich derzeit darauf vor, dass die Ausnahmeregelungen für Grenzpendler wieder reaktiviert werden können. Im Frühjahr hatte es Einreisestopps für Berufspendler gegeben. Sollen sie wiederkommen, wäre das ein neuer harter Schlag für viele Unternehmen und Gastronomiebetriebe, die auf Mitarbeiter aus dem Nachbarland angewiesen sind. 

Prag ist derzeit Hotspot der Neuinfektionen.
Prag ist derzeit Hotspot der Neuinfektionen.  © imago images/Westend61

Eine Sprecherin des Ministeriums: "Wir müssen genau prüfen, ob und wie die Ausnahmen für die Grenzpendler in die Verordnung aufgenommen werden können."

Titelfoto: Montage: imago images/Westend61, dpa/CTK/Ondøej Deml

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