Hoffenheim-Coach Nagelsmann fordert: "Wir müssen alle aufwachen!"

Zeigt seine Unzufriedenheit offen: Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann.
Zeigt seine Unzufriedenheit offen: Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann.  © DPA

Hamburg/Zuzenhausen - Bei 1899 Hoffenheim ist grauer Alltag eingekehrt. Nach dem Aus in der Europa League vergangene Woche hat nun die 0:3-Niederlage in Hamburg die Kraichgauer erstmal ins Mittelmaß versetzt.

"Im Hier und jetzt sind wir eine Durchschnittsmannschaft", räumte Trainer Julian Nagelsmann am Sonntagabend sichtlich missmutig ein. Gleich am nächsten Bundesliga-Spieltag kann sein Team gegen Bayern-Jäger RB Leipzig (Samstag, 15.30 Uhr) das Gegenteil beweisen. Und den Anspruch, auch nächste Saison wieder international zu spielen, untermauern.

"Ich verlange jetzt von jedem Einzelnen, der im Club tätig ist, dass wir eine gewisse Unzufriedenheit ausstrahlen", betonte Nagelsmann und verhehlte seine Unzufriedenheit nach der höchsten Saisonniederlage nicht: "Ich bin ein Freund von ganz ehrlichen Worten, wir befinden uns in einer Ergebniskrise. Wir dürfen nicht davon zehren was war, die Tabelle sieht besser aus, als sie ist."

Kevin Akpoguma erzielte beim Spiel in Hamburg am Sonntag ein Eigentor.
Kevin Akpoguma erzielte beim Spiel in Hamburg am Sonntag ein Eigentor.  © DPA

Mit 20 Punkten steht die ambitionierte TSG auf Platz sieben. Nur einen Sieg gab es aus den vergangenen sieben Liga-Partien. Wettbewerbsübergreifend rechnete der 30 Jahre alte Chefcoach selbst die Misere vor: "Wir haben nur zwei Siege aus den letzten zwölf Spielen."

Nach dem 1:3 nur drei Tage zuvor bei Sporting Braga hatte Nagelsmann schon gewarnt, dass es schwierig werde, die Mannschaft emotional gleich wieder voll auf Höhe zu bringen. "Fakt ist, dass wir es die letzten Wochen nicht geschafft haben, Spiele zu gewinnen. In Braga sind wir nicht gut gestartet und heute auch nicht", sagte Torhüter Oliver Baumann, der beim Freistoßtor von Filip Kostic (76. Minute) durch die quasi nicht vorhandene Mauer patzte.

Nagelsmann konnte da kaum noch hinsehen und motzte später: "Wenn ich mich auch noch um eine Mauer kümmere, komme ich gar nicht mehr zum Schlafen." Schlaflose Stunden könnte ihm die Formkrise einiger Leistungsträger bereiten: Die Bilanz des kroatischen Nationalstürmers Andrej Kramaric, gegen den HSV nur eingewechselt, steht immer noch bei zwei Saisontreffern.

Auch die drei deutschen Nationalspieler kämpfen derzeit mit sich selbst: Der wechselwillige Sandro Wagner blieb nach überstandenem Magen-Darm-Virus blass, Kerem Demirbay schaffte es erneut nicht, das Spiel zu machen, und Serge Gnabry konnte nach seiner langwierigen Oberschenkelverletzung noch nicht richtig überzeugen.

Zudem schwächt die Hoffenheimer der Ausfall von Stammverteidiger Benjamin Hübner (Knieprobleme): Abwehrchef Kevin Vogt hat zunehmend Mühe, die Hintermannschaft mit den jungen Kevin Akpoguma, der sich ein Eigentor leistete, und Stefan Posch zusammenzuhalten.

"Das Ausscheiden aus der Europa League wird uns gut tun", meinte Nagelsmann angesichts der vielschichtigen Personalprobleme, forderte aber auch deutlich: "Wir müssen alle aufwachen!"

Wechselwillig, aber spielt nach überstandenem Magen-Darm-Virus blass: Sandro Wagner.
Wechselwillig, aber spielt nach überstandenem Magen-Darm-Virus blass: Sandro Wagner.  © DPA

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