TSV 1860 München vor Auftakt der 3. Liga: Ein Realist, ein Heilsbringer und viele Fragen

München - Am Freitagabend ist es endlich wieder an der Zeit, in der 3. Liga rollt der Ball! Im Rahmen des Eröffnungsspiels hat der TSV 1860 München zum Auftakt Preußen Münster zu Gast (19 Uhr). Die Löwen erwartet eine schwere Saison.

Timo Gebhart wird in dieser Saison erneut für den TSV 1860 München auflaufen.
Timo Gebhart wird in dieser Saison erneut für den TSV 1860 München auflaufen.  © dpa/Tobias Hase

Die immense Vorfreude kennt trotz etwaiger Prognosen und der fehlenden Sicherheit einer von Abstiegssorgen befreiten Spielzeit keine Grenzen.

Das Duell mit Münster im Grünwalder Stadion ist ausverkauft, die Gäste erwartet ein Hexenkessel. Es wird der Start in eine Saison, die jedoch mit vielen Fragezeichen versehen ist. Beim ehrlichen Blick hinter die Kulissen wird klar, warum.

An der Tatsache, dass die Spieler, die Trainer Daniel Bierofka (40) zur Verfügung stehen, die Löwen nicht unbedingt zu einem großen Aufstiegskandidaten avancieren lassen, kann kaum gerüttelt werden. Zu schwer wiegen gerade in der heutigen Zeit die finanziellen Einschränkungen des Traditionsvereins.

Daran ändern der kurzfristige Neuzugang von Timo Gebhart (30), der beim Drittligisten aus dem Süden einen leistungsbezogenen Vertrag bis zum Ende der Saison 2019/20 unterschrieb, sowie die erneute Verpflichtung von Aaron Berzel (27) nicht viel. Dennis Erdmann (29) vom 1. FC Magdeburg ist neben dem 30-Jährigen der einzige externe Neuzugang.

Vor allem die erhebliche Anfälligkeit für Verletzungen bei Routinier Gebhart, der bereits zwei Mal bei den Löwen unter Vertrag stand und dessen letztes Engagement in München von einer solchen nach Auslaufen des Kontrakts praktisch beendet wurde, dürfte so manchem Fan bei aller Euphorie, die im Zuge der durch Investor Hasan Ismaik (42) möglich gewordenen Verpflichtung des Mittelfeldspielers aufkeimte, die eine oder andere Schweissperle auf die Stirn treiben.

"Wenn Timo Gebhart körperlich fit bleibt, hat er gewiss noch die Fähigkeiten, einem Drittligaspiel im Kollektiv die entscheidenden Impulse zu geben", erklärte Günther Gorenzel (47), Geschäftsführer Sport der Sechzger, nach der überraschenden Unterschrift entsprechend zurückhaltend.

In welcher Verfassung sich der 30-Jährige, dessen Karriere maßgeblich von körperlichen Beschwerden beeinträchtigt wurde und der die Rückrunde der vergangenen Saison in der Regionalliga Nordost bei FC Viktoria 1889 Berlin absolvierte, präsentieren wird, wird sich erst in den ersten Partien zeigen. Die Rolle des großen Heilsbringers, den Gebhart vor allem aus der ersten Euphorie heraus für einige Anhänger der Löwen verkörpern soll, wird er wohl nicht einnehmen können.

Unsicherheit ist generell auch in diesem Jahr ein dominantes Thema bei den Löwen. Denn diese herrscht darüber hinaus ebenso bei den Langzeitverletzten Quirin Moll (28), Stefan Lex (29), der sich nach seinem im April dieses Jahres erlittenen Syndesmosebandriss immerhin bereits wieder im Training befindet, und natürlich Nico Karger (26).

TSV 1860 München in der 3. Liga: Viel Arbeit für Daniel Bierofka

Wann wird Nico Karger endlich wieder im Dress der Löwen jubeln können?
Wann wird Nico Karger endlich wieder im Dress der Löwen jubeln können?  © dpa/Matthias Balk

Vor allem die erneute Verletzung des 26-Jährigen ist richtig bitter. Der Rechtsfuß, der nach Adduktorenbeschwerden und einer Schambeinentzündung an seinem Comeback arbeitete, zog sich eine Sehnenverletzung im Beckenbereich zu und wird länger fehlen.

Inwiefern die spürbare Verunsicherung innerhalb der Mannschaft, die zu einem beispiellosen und geradezu erschreckenden Leistungseinbruch zum Ende der zurückliegenden Saison geführt hat, der mit der peinlichen 2:3 (2:2)-Niederlage im Halbfinale des Toto-Pokals bei Viktoria Aschaffenburg und der folglich sechsten Pflichtspielniederlage in Serie seinen traurigen Höhepunkt fand, von Bierofka in der kurzen Sommerpause aus den Köpfen vertrieben werden konnte, ist nicht klar.

Der Übungsleiter, der mit seiner Mannschaft erst am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt sichern konnte, hatte in der Vorbereitung wohl auch damit alle Hände voll zu tun. Bierofka ist ein Realist, kann die Lage bestens einschätzen und entsprechend handeln.

Gerade die jungen Akteure haben im Gegenzug durchaus Potenzial. Sie müssen aber unter der Führung der etablierten und erfahrenen Spieler, zu denen nun auch Gebhart gehört, zwangsläufig den nächsten Schritt machen, damit es für die Löwen nicht gegen den Abstieg geht. Der von den Fans so ersehnte Aufstieg, scheint in diesem Jahr erneut kein realistisches Thema zu sein.

Der starke Zusammenhalt in der Mannschaft ist dafür eine gute Grundlage. Bierofka weiß zudem, wie er mit Leistungsträgern und Youngstern umgehen muss. Der Umstand, dass der Kader beinahe unverändert ist, hilft zumindest in diesem Aspekt weiter. Der Klassenerhalt ist ein machbares Ziel.

Ein Problem abseits der eingeschworenen Truppe ist aber die permanent Unruhe im Verein, die sich vor allem in fragwürdigen Machtkämpfen in der Führungsetage der Löwen manifestiert. Unwürdige Szenen, Anschuldigungen und gegenseitige Schuldzuweisungen wegen des sportlichen wie auch finanziellen Ist-Zustands der Sechziger sind an der Tagesordnung.

Auch wenn diese für die Akteure, die auf dem Rasen die Kohlen aus dem Feuer holen sollen, eigentlich nur eine Randnotiz darstellen, sind die einzelnen Beben im gesamten Verein spürbar und haben Auswirkungen. Sicherheit fördert Leistung, heißt es nicht umsonst oftmals. Den Begriff Sicherheit müssen bei den Löwen die meisten in vielerlei Hinsicht jedoch aktuell erstmal nachschlagen.

1860-Trainer Daniel Bierofka steht einmal mehr vor einer gigantischen Aufgabe.
1860-Trainer Daniel Bierofka steht einmal mehr vor einer gigantischen Aufgabe.  © dpa/Matthias Balk

Titelfoto: Montage: dpa/Tobias Haase, dpa/Matthias Balk

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