Tabak ohne Nikotin? Diese beiden Forscher machen's möglich

Dortmund - Nikotin wächst auf ganz natürliche Weise in Tabakpflanzen. Beim Konsum von Zigaretten wird dieser schädliche Stoff deshalb immer aufgenommen - bis jetzt...

Die beiden Wissenschaftler präsentieren die Tabakpflanze in der Petrischale.
Die beiden Wissenschaftler präsentieren die Tabakpflanze in der Petrischale.  © Martina Hengesbach/TU Dortmund

Forschern an der Technischen Universität (TU) in Dortmund ist es nämlich jetzt gelungen, Nikotin soweit im Tabak zu reduzieren, dass es nicht mehr nachweisbar ist.

Konkret bedeutet diese Entwicklung eine Reduzierung von 16 auf 0,04 Milligramm je Gramm Tabak. Die Forscher haben es also auf ein Vierhundertstel runter gebrochen!

Am kommenden Sonntag, 22. September 2019, stellt Dr. Felix Stehle die Ergebnisse dieser Innovation den Fachbesuchern bei der Messe InterTabac in Dortmund vor.

Gemeinsam mit Julia Schachtsiek forschte er drei Jahre zu diesem Thema und veröffentlichte kürzlich einen Fachbeitrag in der Zeitschrift Plant Biotechnology Journal.

Dass sich die Tabakindustrie für das Thema interessiert, ist für den 42-jährigen Wissen­schaft­ler überraschend. Er findet es aber auch folgerichtig:

"Mit nikotinfreien Zigaretten können sich die Unternehmen einen zusätzlichen Markt erschließen. Nämlich, den der Raucher, die aufhören wollen, sowie der Menschen, die ihre Raucherrituale beibehalten, aber gleichzeitig schädliches Nikotin vermeiden wollen", sagt er.

Dieser Prozess ermöglicht nikotinfreie Zigaretten

Um den schädlichen Nikotin aus der Tabakpflanze zu separieren, legten die beiden Forscher Blätter der Tabakpflanze in Petrischalen und gaben verschiedene Bakterien hinzu.

In dieser Bakterienlösung war auch eine Genschere, die bestimmte Gene in den Blättern einfach zerschneiden kann. Die "Schere" sorgte dafür, dass genau die sechs Gene zerschnitten wurden, die für die Nikotin-Produktion zuständig waren.

Die Gene wuchsen zwar wieder zusammen. Aber sie hatten dann einen Fehler, der dafür verantwortlich ist, dass kein Nikotin produziert werden konnte.

Anschließend mussten die Wissenschaftler nur noch die Genschere aus der Pflanze entfernen und die "nikotinfreie" Pflanze entstand.

"Nach unserem Verständnis ist die Pflanze nach der Behandlung gentechnikfrei", sagt Stehle. Jedoch gibt es eine EU-Rechtsprechung, die den Anbau solcher Pflanzen in Europa verbietet.

Den Markt für die nikotinfreie Tabaksorte sieht der Wissen­schaft­ler deshalb nicht in Europa, sondern vor allem in Übersee. Ob die Zigaretten oder die rohen Pflanzen dann in Deutschland eingeführt werden dürfen, muss noch geklärt werden. Das Bundesamt für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz könnte eine Zulassung zur Einfuhr ausstellen.

Rund 18 Monate würden die beiden Forscher benötigen, wenn tatsächlich Unternehmen ihre spezielle Tabaksorte vom Nikotin befreien lassen wollen. Vielleicht gibt es also schon in eineinhalb Jahren nikotinfreie Zigaretten auf dem Markt.

Titelfoto: Martina Hengesbach/TU Dortmund

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