"Nazis raus": Darum ätzt eine Spiegel-Kolumnistin nun gegen Boris Palmer

Tübingen - Mit einem Tweet fing alles an. Dann kommentierte Tübingens OB Boris Palmer (Grüne) die Sache - und nun wird ihm das vorgehalten!

Hält auf seiner Facebook-Seite nun dagegen: Boris Palmer.
Hält auf seiner Facebook-Seite nun dagegen: Boris Palmer.  © DPA

Die Rede ist vom Hashtag #Nazisraus, der seit Jahresbeginn in aller Munde ist. Den Stein ins Rollen gebracht hatte die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann am 1. Januar.

Damals twitterte sie knapp: "Nazis raus". Die Kurznachricht wurde bislang weit über 17.000 Mal geliked, von Tausenden Usern kommentiert. Und: Das simple Sprüchlein entwickelte in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #Nazisraus ein digitales Eigenleben, wurde gerne im Zusammenhang mit der AfD gepostet.

Selbst nach der brutalen Attacke auf den Bremer AfD-Mann Frank Magnitz ließ ihn der Grünen-Politiker Cem Özdemir in seinen Tweet einfließen, schrieb dort: "Wer Hass mit Hass bekämpft, lässt am Ende immer den Hass gewinnen. #nazisraus aber mit den Methoden unseres Rechtsstaates!"

Dann äußerte sich Palmer zu dem Spruch. Gegenüber der Bild am Sonntag (BAMS) bewertete er den Slogan "Nazis raus" skeptisch. Auch forderte er, auf die Wähler der AfD zuzugehen.

Auch nach der Attacke auf den AfD-Politiker Frank Magnitz (die AfD postete dieses Foto anschließend auf Facebook), kam der Hashtag #Nazisraus zum Einsatz.
Auch nach der Attacke auf den AfD-Politiker Frank Magnitz (die AfD postete dieses Foto anschließend auf Facebook), kam der Hashtag #Nazisraus zum Einsatz.  © Screenshot Facebook/AfD Bremen

Das haut ihm nun die Spiegel-Kolumnistin Margarete Stokowski um die Ohren!

Die Autorin, deren Texte Titel wie "Es kann nicht genug Antifa geben" tragen, schrieb am Dienstag in ihrer Kolumne: "Wenn man den kürzesten Weg gehen wollte, könnte man einfach festhalten, dass Boris Palmer die Parole 'Nazis raus' kritisch sieht, und schon wüsste man, dass sie richtig und gut ist."

Das wollte der 46-Jährige so nicht auf sich sitzen lassen. Auf Facebook schrieb er: "Das Palmergegenteil ist gut und richtig. So einfach kann man es sich auch machen." Was immer Palmer sage, müsse automatisch falsch sein.

Um sein Zitat einzuordnen, postete er Frage und Antwort des BAMS-Interviews. Die Zeitung wollte wissen, wie hilfreich in der Debatte der Slogan #Nazisraus sei.

Antwort Palmer: "Bei Nazis sehr, aber sonst werden Sie das bei mir nie finden. Man kann nicht 15 Prozent der Baden-Württemberger und 25 Prozent der Sachsen als Nazis bezeichnen, weil sie AfD wählen. Damit bekehren Sie niemanden."

Palmer fragte seine Facebook-Follower: "Was bitteschön soll daran jetzt so schlimm oder falsch sein, dass man gar nicht mehr weiter nachdenken muss, um zu erkennen, dass nur das Gegenteil richtig sein kann?"

Auch wollte er wissen, warum im "Kampf gegen Rechts" die Tugenden von Differenzierung und rationaler Diskussion so oft über Bord geworfen würden.

Die User antworteten zahlreich. "Ich fürchte, viele wissen einfach nicht mehr, was Nazis waren!!!", schrieb eine Kommentatorin. Ein Schreiber wollte wissen: "Der Ruf 'Nazis raus' impliziert die Frage, wohin? Und wer ist ein 'Nazi'?" Ein weiterer schrieb ernüchtert: "Das Wort Nazi wird einfach nur noch inflationär gebraucht. Als Argumentationskeule, wenn die Argumente ausgehen."

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