"Bin ich ein Rassist?": Palmer kritisiert Kopftücher an Kindern

Tübingen - Boris Palmer (Grüne) ist deutschlandweit dafür bekannt, dass er sich deutlich zu Wort meldet. Etwa beim Thema Flüchtlinge. Das hat ihm schon oftmals den Vorwurf eingebracht, ein Rassist zu sein.

Ist auf Facebook äußerst aktiv: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.
Ist auf Facebook äußerst aktiv: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.  © DPA

Derzeit hat der 46-Jährige seinen Facebook-Account mit dem Spiegel-Journalisten Hasnain Kazim (44) getauscht. Und so fragte Palmer unter Kazims Namen in einem Beitrag am Donnerstag die Follower zu Beginn: "Bin ich ein Rassist?"

Palmer betonte, eine multikulturelle Gesellschaft müsse für alle offen sein und mahnte: "Sie darf nicht zulassen, dass manche ihrer Mitglieder in religiösen oder geschlechtsspezifischen Parallelgesellschaften abgeschottet werden und keine Möglichkeit zur Teilhabe erhalten." Damit ging es dem Ausnahme-Grünen um muslimische Mädchen.

Diese "haben ein Recht darauf, dieselbe Entscheidungsfreiheit für den einen oder anderen Lebensentwurf in Anspruch zu nehmen wie alle anderen Kinder auch." Zu dieser Entscheidungsfreiheit gehöre, dass sie die Alternativen kennenlernten - "frei von Druck, Mobbing oder gar Angst."

Das Verbot des Kinderkopftuches solle genau das garantieren, so Palmer. Damit die Entscheidung für oder gegen das Kopftuch tatsächlich eine Entscheidung sei. Laut dem 46-Jährigen zeige die Debatte über das Kinderkopftuch, "dass Migrationsthemen nicht allein nach dem gängigen rechts-links- und gut-böse-Schema debattiert werden können".

Kopftücher bei Mädchen: Für Palmer ein No-Go. (Symbolbild)
Kopftücher bei Mädchen: Für Palmer ein No-Go. (Symbolbild)  © DPA

Die liberale und linke Mitte bis hin zur Frauenbewegung sei verunsichert und gespalten. Mit der Abgrenzung nach rechts sei die Frage nicht zu entscheiden.

Im Gegenteil: "Der Versuch, das Verbot des Kinderkopftuchs schon durch den Hinweis zu delegitimieren, dass diese Forderung auch Islamhassern und Ausländerfeinden leicht über die Lippen geht, ist intellektuell unredlich und politisch unzulässig."

Man dürfe Debatten und deren Ergebnis nicht davon bestimmen lassen, was die AfD oder Rechtsextreme dazu sagen. Palmer sei entschieden für das Verbot des Kinderkopftuchs "in Bildungseinrichtungen bis zum Erreichen der Religionsmündigkeit im Alter von 14 Jahren".

Für den Law-and-Order-Rathauschef sei es falsch verstandene Toleranz, wenn schon Grundschulkinder in Deutschland in dem Glauben erzogen würden, Gott verlange von ihnen, ein Kopftuch zu tragen. "Denn die Erfahrung lehrt, dass sich nur sehr wenige von solchem Aberglaube frei machen können, wenn er von Kindesbeinen eingeprägt wird."

Hasnain Kazim ging mit Palmers Facebook-Followern hart ins Gericht.
Hasnain Kazim ging mit Palmers Facebook-Followern hart ins Gericht.

Aus Mädchen werden irgendwann Frauen. Und so warnt er: "Eine Frau, die in unserem Land unter keinen Umständen ohne Kopftuch gesehen werden möchte, die verbaut sich viele Chancen und trägt Konflikte in unsere Gesellschaft, die das Zusammenleben erschweren."

Der 46-Jährige hoffe, dass derartige Kleidervorschriften von künftigen Generationen von Einwanderinnen nicht mehr beachtet werde. "Der Islam gehört heute zu Deutschland. Die Scharia nicht. Und das Kinderkopftuch auch nicht."

In der Verschleierung von Kindern sieht er ein modernes Phänomen des islamischen Fundamentalismus - das er auch mit sexueller Gewalt in Zusammenhang bringt: "Durch die Verbindung von Verschleierung mit Keuschheit und Reinheit verlagert Verschleierung die Verantwortung für sexuelle Gewalt vom Täter auf das Opfer."

Doch je mehr Frauen sich verschleierten, desto mehr Übergriffe und religiös-sexuelles Mobbing gebe es. Mit Blick auf die Rechte der Frauen schließt Palmer: "Frauenrechte sind nicht verhandelbar."

Und wie fiel das Urteil der Facebook-Nutzer aus? Sehen sie in Palmer deshalb einen Rassisten? Die Meinungen gingen auseinander.

"Um es kurz zu machen, ja Du bist ein Rassist", schrieb etwa ein User. Ein anderer meinte: "Ja, sind Sie." Jedoch räumte er ein, ebenfalls hinter einem Kopftuchverbot für Kinder zu stehen. Er störte sich daran, dass Palmer davon redete, wie kopftuchtragende Frauen Konflikte in die Gesellschaft trügen.

Allerdings gab es auch Befürworter. Ein User befand "Damit sind Sie kein Rassist." Palmer solle jedoch seinen Ansatz gegen religiöse Vereinnahmung von Kindern für alle Religionsgemeinschaften durchdenken. Augenzwinkernd kommentierte ein weiterer: "Der Angeklagte wird hiermit vom Rassismusvorwurf freigesprochen."

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