Nach Chemnitz: Boris Palmer kritisiert Medien

Tübingen - Nach der tödlichen Messer-Attacke auf Daniel H. (†35) in Chemnitz sowie den anschließenden Protesten hat sich auch der deutschlandweit bekannte Grünen-OB von Tübingen (Baden-Württemberg), Boris Palmer, zu Wort gemeldet.

Will, dass man sich mehr in die Denkwelt der Andersdenkenden hineinversetzt: Boris Palmer.
Will, dass man sich mehr in die Denkwelt der Andersdenkenden hineinversetzt: Boris Palmer.  © DPA

Auf Facebook kritisierte er die Berichterstattung aus Chemnitz. Wie es scheine, sei "die Empörung über solche Kontrollverluste immer nur dann groß, wenn man sich als Gegner der jeweiligen Demonstranten sieht".

Palmer zog dann Parallelen zu den gewaltsamen Ausschreitungen Linksradikaler während des G20-Gipfels in Hamburg im vergangenen Jahr: "Die Gewalt bei G20 in Hamburg war weitaus exzessiver und damals haben mir linke Freunde weismachen wollen, dass das nicht so schlimm ist wie die Gewalt, die von den G20 selbst ausgeht."

Die Beweise für Gewalt und Ausländerjagd in Chemnitz seien eher dürftig, schrieb der Grünen-Politiker weiter. "Kein Vergleich insoweit mit G20 oder der ersten Kölner Silvesternacht. Nur die Demonstranten mit ihrem Naziauftreten sind für meinen Geschmack noch weitaus unappetitlicher."

Um ein weiteres Erstarken der Rechten zu verhindern, müsse man sich in "jene 25 Prozent der Menschen hinein denken, die in Sachsen die AfD wählen wollen und jene vielleicht 15 Prozent, die das noch überlegen." Und das tat er auch.

Chemnitz vergangene Woche: Demonstranten machen ihrem Ärger Luft.
Chemnitz vergangene Woche: Demonstranten machen ihrem Ärger Luft.  © DPA

Aus seiner Sicht gehe Folgendes in den Köpfen der Chemnitzer vor: "Das Problem war ein Mord. Im Vergleich damit sind Demos harmlos. Dass die Medien den Mord kaum beachten und sich fast nur noch auf den 'rechten Mob' stützen, zeigt, dass die Medien nicht mehr objektiv sind."

Und weiter: "Wenn wir schon so viele Asylbewerber bei uns aufnehmen müssen, dann muss die Politik dafür sorgen, dass die nicht mit Messern bewaffnet jeden erdolchen können, der das Pech hat, an der falschen Stelle zur falschen zu Zeit sein. Wenn die Politik die Gewalt von Menschen, denen wir geholfen haben, nicht in den Griff bekommt, dann sollen diese Menschen wieder gehen. Sie sind sowieso eine Last, wenn sie eine Gefahr sind, ist einfach Schluss."

Das mag pro-europäischen Eliten, so Palmer, so fremd sein wie ein Känguruh an der Nordsee. Aber die Nase zu rümpfen über die Dummheit des Pöbels oder Mobs werde diesen nicht erreichen: "Und wenn zu viele verloren gehen, gerät alles in Gefahr."

Der Grünen-OB ist dafür bekannt, sich oftmals für seine Partei unbequem zum Thema Migration zu äußern, hatte deshalb auch genug innerparteiliche Kritik einstecken müssen. Seinen Facebook-Post zu Chemnitz kommentierten Hunderte User, teilten ihn über 2000 Mal. Die Mehrheit der Kommentatoren gratulierten ihm für seine Worte:

Wie auch schon bei früheren Äußerungen Palmers, erntete er für seine Worte deutliche Kritik. Auf Facebook und Twitter warfen ihm User Verharmlosung rechter Gewalt vor, stellten ihn in die rechte Ecke oder fragten gar nach einem Parteiausschlussverfahren bei den Grünen:


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