"Wenn da 'Refugees' stünde...": Dieses Graffiti bringt Boris Palmer auf die Palme

Tübingen - Seit Wochen sorgt die Rodung des Hambacher Forsts (NRW) für den Kohleabbau deutschlandweit für Schlagzeilen. Nun hat sich Tübingens OB Boris Palmer (Grüne) zu Wort gemeldet - und für Zoff gesorgt!

"Verbrennt Polizisten, keine Kohle": Bei solchen Slogans hört bei Palmer der Spaß auf.
"Verbrennt Polizisten, keine Kohle": Bei solchen Slogans hört bei Palmer der Spaß auf.  © Facebook.de/Boris Palmer

Doch der Reihe nach: Alles fing mit einer Demo in Tübingen (Baden-Württemberg) an. Unter dem Motto "Kohleausstieg jetzt!" hatte die Gruppe "Ende Gelände Tübingen" auf Facebook zum "Climate March Tübingen" eingeladen.

Auch das linke Bündnis "Tübingen gegen Rechts", welches auch Werbung für Veranstaltungen der Antifa Reutlingen-Tübingen macht, hatte auf seiner Facebook-Seite für die Demonstration getrommelt.

Die Demo ging am vergangenen Samstag in Tübingen über die Bühne. "In der Spitze kamen rund 500 Teilnehmer", so ein Polizeisprecher gegenüber TAG24. Besondere Vorkommnisse gab es laut dem Sprecher nicht.

Nun hat sich Boris Palmer die Veranstaltung vorgeknöpft. "Die Antifa bemächtigt sich leider auch der Umweltthemen", schreibt das grüne Stadtoberhaupt. Und weiter: "So mischen sich unter Demonstranten und Transparente menschenfeindliche Sprüche."

Boris Palmer beklagt "die alte Logik der RAF": "Das System ist böse, seine Vertreter darf man umbringen."
Boris Palmer beklagt "die alte Logik der RAF": "Das System ist böse, seine Vertreter darf man umbringen."  © DPA

Garniert hat Palmer seinen Post mit Fotos. Darauf zu sehen sind Graffitis, etwa mit dem Slogan "Burn Cops, not Coal" ("Verbrennt Polizisten, keine Kohle") oder "System Change not Climate Change" ("Systemwandel, nicht Klimawandel").

Dazu kommentiert Palmer weiter: "Es ist die alte Logik der RAF: Das System ist böse, seine Vertreter darf man umbringen." Linksextrem sei gerade so gut wie rechtsextrem, findet der Grüne. Und mahnt: "Polizisten verbrennen ist genau so schlimm wie Asylbewerber verbrennen."

Das wiederum wollte "Ende Gelände Tübingen" so nicht stehen lassen. Den Veranstaltern des "Climate March" blieb auf Facebook die Spucke weg. "Setzt er unseren Climate March Tübingen in einen Vergleich mit rechtsextremen Gewalttaten?", fragte die Gruppierung.

Palmer ließ derweil offenbar nicht nur die hitzige links-rechts-Diskussion unter seinem Posting keine Ruhe, sondern vor allem der Spruch zu den brennenden Polizisten. Die Schmiererei hatte er auf dem Weg zum Tübinger Stadtteil Lustnau entdeckt, vermutet dahinter die Antifa. So legte er auf Facebook nach.

Diesen Schnappschuss hatte Palmer während der Klima-Demo in Tübingen gemacht.
Diesen Schnappschuss hatte Palmer während der Klima-Demo in Tübingen gemacht.  © Facebook.de/Boris Palmer

"Wenn nur Polizisten brennen sollen, finden die Kommentatoren hier erstaunliche Ausreden. Das sei Freiheit der Kunst", schrieb der Tübinger OB. Und: "Wer Gewalt gegen Polizisten genau so ablehnt wie gegen Asylbewerber, der relativiere die Gewalt der Rechten."

Palmer ist sich sicher: "Wenn da 'refugees' statt 'cops' stünde, wäre die Hölle los." Den Relativierern von Gewalt gegen Polizisten hielt er Zahlen entgegen: "2017 gab es 247 Übergriffe auf Asylbewerber laut BKA. Im gleichen Jahr wurden 73.000 Polizistinnen und Polizisten Opfer von Straftaten. Allein 4600 wurden Opfer schwerer Gewalt."

Man könne also kaum behaupten, dass Gewalt in diesem Land nur Asylbewerber betreffe und für die Polizei keine Gefahr darstelle. "Der Respekt vor der Polizei schwindet immer mehr", beklagt Palmer. "Und was soll eigentlich die Familie eines Polizisten denken, wenn das als harmloser Scherz abgetan wird?"

Unter seinem Posting erntete der Politiker Zuspruch. "Boris Palmer: ein vernünftiger Grüner", schrieb etwa ein User. Die Ehefrau eines Polizisten bedankte sich und schildert, wie froh sie immer war, wenn ihr Mann "gesund und munter vom Dienst nach Hause kam". Eine andere Nutzerin kommentierte schlicht: "Danke, Herr Palmer."

Massiv angegangen wurde der Grünen-Politiker jedoch von einer Parteikollegin. "Boris, Du wirst immer geschmackloser", schimpfte Maike Pfuderer. Die Sprecherin der grünen Landesarbeitsgemeinschaft "LAG Queergrün" setzte - in Anspielung an Palmers Satire-Post Mitte Oktober - hinterher: "Das ist keine Satire, das ist eine Schweinerei!"

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