Affen bis aufs Blut misshandelt: Jetzt kommt es zum Prozess

Tübingen - Im Verfahren wegen mutmaßlicher Tiermisshandlung bei Versuchen mit Affen am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik (TAG24 berichtete) kommt es zu einem Prozess gegen die drei Angeklagten.

Tierschützer filmten heimlich die Affen. (Archivbild9
Tierschützer filmten heimlich die Affen. (Archivbild9  © DPA

Das teilte das Amtsgericht Tübingen am Mittwoch mit. Demnach ist der Auftakt zur Hauptverhandlung für den 7. Januar vorgesehen (Aktenzeichen 15 Cs 15 Js 18215/14 (2).

Das Gericht hatte den Angeklagten zu Jahresbeginn Geldstrafen auferlegt. Sie hatten die Zahlung jedoch abgelehnt. Bei den Beschuldigten handelt es sich um Mitarbeiter des Instituts.

Laut Anklage sollen sie Affen unnötigen Qualen ausgesetzt haben, weil sie Versuche an ihnen weiterführten, statt die Tiere einzuschläfern.

Sie sollen von 2013 bis 2015 bei drei Affen Versuche zu spät beendet und dadurch den Tieren länger andauernde Leiden zugefügt zu haben.

Sie hätten die Tiere festgelegten Kriterien zufolge früher einschläfern müssen.

Das Tierschutzgesetz sieht laut Staatsanwaltschaft für Tiermisshandlung durch Unterlassen einen Strafrahmen von Geldstrafe bis hin zu drei Jahren Freiheitsstrafe vor.

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Die Ermittlungen gehen auf Anzeigen von Tierversuchsgegnern zurück.

Ein als Pfleger arbeitender Tierschützer hatte die Affenversuche und die Haltung der Tiere im Herbst 2014 heimlich gefilmt.

Die Aufnahmen zeigen Affen mit Gehirn-Implantaten, eines der Tiere hat einen blutverschmierten Kopf, einem anderen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund.

Aufgrund der öffentlich gemachten Bilder wurden in Tübingen Demonstrationen mit Hunderten Teilnehmern gegen Tierversuche organisiert.

Inzwischen wurden an dem Institut die Versuche mit Affen beendet - nach Angaben des verantwortlichen Forschers Nikos Logothetis, weil ihm der Rückhalt aus der Wissenschaft fehlte.

"Wir sind hocherfreut, dass es nach so langer Zeit zumindest zu Strafbefehlen kam", sagte der Vorsitzende des Vereins "Soko Tierschutz", Friedrich Mülln damals. "Das zeigt, dass wir richtig lagen mit der Einschätzung, dass die Behandlung der Tiere illegal war."

Im Prozess können die Tierschützer nun auf Gerechtigkeit hoffen.

Titelfoto: DPA

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