Dorf zieht mit Russen-Laster gegen den Winter ins Feld

Enrico Klemm (36) und Manfred Hinkel (74) am 38-Liter-Motor. Der treibt die 
Fräse an und stammt aus einem Panter T 34.
Enrico Klemm (36) und Manfred Hinkel (74) am 38-Liter-Motor. Der treibt die Fräse an und stammt aus einem Panter T 34.  © Detlev Müller

Dorfchemnitz - Väterchen Frost kann sich jetzt schon mal warm anziehen: Sollte sich der Winter wieder in hiesigen Breitengraden blicken lassen, bekommt er es mit einem bärenstarken Ural zu tun. 

Tüftler aus Dorfchemnitz haben eine Russen-Schneefräse restauriert, inklusive T-34-Panzermotor.

Zwei Motoren, zehn Meter lang, zwölf Tonnen, schwer, 20 Zylinder, 46 Liter Hubraum und knapp 800 PS: Die Ural-Schneefräse von Enrico Klemm (36) aus Dorfchemnitz in Mittelsachsen ist ein Monster. 

"Den Ural haben wir an der tschechischen Grenze vor der Schrottpresse gerettet.“

Die in Russen-Grün lackierte Ural-Schneefräse ist zehn Meter lang und bringt zwölf Tonnen auf die Waage.
Die in Russen-Grün lackierte Ural-Schneefräse ist zehn Meter lang und bringt zwölf Tonnen auf die Waage.  © Detlev Müller

Was folgte, waren unzählige Arbeitsstunden mit seinen Kumpels. „Wir haben den Ural in Original-Russen-Grün lackiert“, so Enrico Klemm. 

Die Farbe (30 Liter) bestellte er im Internet in Russland. Jetzt erstrahlt der Ural in altem Glanz - sogar ein „CA“ prangt an der Tür, was für „Sowjetskaja Armija“ steht.

Mit Manfred Hinkel stand den Schraubern ein Fachmann zur Seite. Der 74-Jährige Zöblitzer arbeitete 38 Jahre lang als Schlosser bei der Straßenmeisterei. 

„Wir hatten in DDR-Zeiten SIL-Schneefräsen. Die waren eine Nummer kleiner.“ 

Echtes Russen-Grün: Den aus Russland stammenden Lack brachte Marcel Seifert 
(28) auf.
Echtes Russen-Grün: Den aus Russland stammenden Lack brachte Marcel Seifert (28) auf.  © Detlev Müller

Der Ural wird von einem V8-Benziner mit 7,2 Liter Hubraum angetrieben. An der Schneefräse werkelt ein Motor aus dem Panzer T 34. 

"Der hat 38.800 Kubikzentimeter Hubraum und entwickelt bei 1500 Umdrehungen 600 Pferdestärken“, sagt Manfred Hinkel. 

"Schnee kostet Kraft“, weiß der Fachmann. "Der muss ja 50, 60 Meter weit zur Seite geschleudert werden.“

"Schuld“ an der Monster-Fräse ist übrigens Kater Nero. Der hatte beim Katzenwiegen in Voigtsdorf im Dezember einen strengen Winter vorhergesagt. 

Mit dem Brauch des Katzenwiegens machen die Mittelsachsen dem weltberühmten Murmeltier Phil Konkurrenz. Am 2. Februar wird in Pennsylvania über den Winter orakelt, wenn Phil aus seinem Bau gelockt wird und seinen Schatten sieht.

Die Ural-Schneefräse und andere Ost-Fahrzeuge präsentieren sich am 2. Oktober zum Tag in Enrico Klemms Sporthotel Mönchenfrei bei Brand-Erbisdorf.





Schnee? Kein Problem für Enrico Klemm (36). Der Dorfchemnitzer hat eine 
Ural-Schneefräse mit Panzermotor restauriert.
Schnee? Kein Problem für Enrico Klemm (36). Der Dorfchemnitzer hat eine Ural-Schneefräse mit Panzermotor restauriert.

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