Türkei-Experte wirbt um Verständnis für Hochzeitskorsos

Duisburg – Der Leiter des Zentrums für Türkeistudien hat der Analyse des Landeskriminalamts (LKA) widersprochen, dass es sich bei den Hochzeitskorsos türkischer und arabischer Zuwanderer um Machtdemonstrationen handelt.

Eine Polizistin steht vor den Fahrzeugen eines türkischen Hochzeitskorsos.
Eine Polizistin steht vor den Fahrzeugen eines türkischen Hochzeitskorsos.  © DPA/Thomas Kraus

In seiner Stellungnahme für eine Anhörung des Landtags schrieb Professor Haci-Halil Uslucan (Uni Duisburg/Essen), mit der Hochzeit werde die sexuelle Beziehung eines Paares als legitim anerkannt.

Dies werde traditionell lautstark nach außen kommuniziert, um bösen Gerüchten zuvor zu kommen.

Der Adressat sei aber die eigene Community, nicht die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Die Korsos seien auch keine bewusste Provokation. "Diejenigen, die ihrer Freude Luft verschaffen, tun dies nicht explizit mit der Absicht, anderen zu schaden."

Dies sei eher vergleichbar mit Fußballfans, die nach einem gewonnenen WM-Spiel ihrer Mannschaft im Übermut zeitweilig Straßen blockieren.

Die Verwendung von Nationalflaggen sei auch kein Hinweis auf politische Überzeugungen. Türkische Fahnen würden auch von Erdogan-Gegnern verwendet.

Es müssten schon zusätzliche Insignien wie drei Halbmonde benutzt werden, um daraus eine politische Gesinnung abzuleiten, so Uslucan.

Der Türkei-Experte mahnte zu Augenmaß: Es dürfe nicht vergessen werden, dass der Großteil der oft sehr großen Hochzeitsfeiern mit 1000 bis 2000 Gästen friedlich verlaufe.

Vor repressiven Maßnahmen sollte zunächst die Aufklärung stehen: Um über Gefahren aufzuklären, die von ausufernden Autokorsos ausgehen, sollten für Zuwanderer geeignete Kommunikationskanäle wie Konsulate und Migrantenvereine genutzt werden.

Ansprechpartner im konkreten Einzelfall seien die Eltern des Brautpaares: Sie seien nicht nur die Finanziers der kostspieligen Feiern, sondern auch die Autoritätspersonen, auf die die jüngeren Gäste - in der Regel - hören.

Titelfoto: DPA/Thomas Kraus

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