Schüsse auf der Autobahn! AfD-Politiker hetzt gegen Türken in Deutschland

Aschaffenburg/Frankfurt - Der AfD-Politiker Rainer Rahn (67) ist Landtagsabgeordneter in Hessen und ein reger Facebook-Nutzer.

Das Foto zeigt Rainer Rahn bei einem Auftritt auf dem Bundesparteitag der AfD am 1. Juli 2018.
Das Foto zeigt Rainer Rahn bei einem Auftritt auf dem Bundesparteitag der AfD am 1. Juli 2018.  © dpa/Matthias Balk

Auf der Social-Media-Plattform postet der Zahnarzt regelmäßig politische Grafiken, die er mit einem längeren erklärenden Text versieht. Am Mittwochmorgen war es mal wieder soweit.

Unter der Überschrift "Hupen, Schüsse, Verkehrsblockade – türkische Hochzeitskonvois auf deutschen Autobahnen" greift Rainer Rahn einen Fall auf, der sich am vergangen Freitag gegen 16.30 Uhr im Landkreis Aschaffenburg südlich von Frankfurt ereignete.

Eine Hochzeitsgesellschaft fuhr als Fahrzeug-Kolonne (etwa 15 Wagen) auf die A3 bei Aschaffenburg auf. Die Autos, welche laut Polizei "allesamt mit türkischen Landesflaggen geschmückt waren", führten demnach riskante Bremsmanöver durch und fuhren hierbei nebeneinander. Zudem gaben ein oder mehrere Insassen der Wagen mehrere Schüsse aus einer Schreckschusspistole ab.

Etwas später kontrollierte die Polizei die Wagen. "Eine Schreckschusspistole samt Munition, nicht zugelassene Feuerwerkskörper sowie ein Schlagring" wurde dabei laut Mitteilung sichergestellt.

"Das Fremdsein im eigenen Land"

Dieser Screenshot zeigt den Facebook-Post von Rainer Rahn.
Dieser Screenshot zeigt den Facebook-Post von Rainer Rahn.  © Screenshot/Facebook/Rainer Rahn

Dieses ohne Zweifel rücksichtslose und gefährliche Fahrverhalten einer mutmaßlich türkischen Hochzeitsgesellschaft im bayerischen Oberfranken greift der hessische Landtagsabgeordnete Rainer Rahn in seinem Facebook-Post vom Mittwochmorgen auf.

Er schildert zwei ähnliche Vorfälle um dann plötzlich ganz allgemein von Türken in Deutschland zu sprechen:

"Anstatt, dass sich in unsere Gesellschaft integriert wird, bekommen wir Situationen in unseren Städten bei denen man zweimal überlegen muss, ob man in Aschaffenburg oder in Antalya ist. Der klassische Friseur wird verdrängt durch den ‚Babier‘, wo früher die Eckkneipe war, ist jetzt eine Shisha-Bar und der Supermarkt um die Ecke, ist immer öfter ein türkischer Einkaufsmarkt, in dem regalweise Halal-Produkte angeboten werden."

Zum Abschluss seines Facebook-Posts schreibt der 67-Jährige:

"Aus der Vielfalt und Buntheit wird ab einem gewissen Punkt, das Fremdsein im eigenen Land."

Angriff auf die Präsenz von Türken in Deutschland

Rainer Rahn instrumentalisiert damit das offensichtliche Fehlverhalten einer mutmaßlich türkischen Hochzeitsgesellschaft bei Aschaffenburg um ganz allgemein Angst vor Zuwanderung und Unmut gegenüber der Präsenz von Türken in Deutschland zu schüren.

Der AfD-Politiker unterstellt, dass ein subjektiv empfundenes "Zuviel" an türkischer Präsenz in deutschen Städten gleichzusetzen sei mit nicht erfolgter Integration. Ihm zufolge wäre also nur solche Integration gelungen, die dazu führt, dass Menschen mit türkischen Wurzeln eben diese komplett verbergen. Dies jedoch wäre nicht Integration sonder Assimilation.

Mit der zitierten Wendung seines Textes greift Rainer Rahn die Türken in Deutschland insgesamt an. Gleichzeitig lehnt er damit die Idee einer Einwanderungsgesellschaft ab. Denn Einwanderung bedeutet immer, dass beide Seiten sich verändern: Der Einwandernde muss sich integrieren. Die integrierende Gesellschaft jedoch wird durch die Einwanderung unweigerlich verändert.

Abschließend lässt sich sagen: Mit seinem Facebook-Eintrag will der AfD-Politiker Rainer Rahn bei seinen Lesern fremdenfeindliche Gefühle wecken und Stimmung gegen Türken in Deutschland machen.

Titelfoto: dpa/Matthias Balk

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