Trauer um Mustafa und Tugce: Wenn Zivilcourage das eigene Leben kostet

Hanau/Offenbach - Beide waren sie junge engagierte Menschen mit Träumen und Zielen, beide hatten sie ihr Leben noch vor sich. Doch im entscheidenden Moment entschlossen sie sich dafür, das Richtige zu tun und ihren Mitmenschen zu helfen. Dafür bezahlten Tugce Albayrak (23) und Mustafa Alptug (17) mit ihrem Leben.

Am 28. November 2014, ihrem 23. Geburtstag, wurden Tugces lebenserhaltende Maschinen abgeschaltet.
Am 28. November 2014, ihrem 23. Geburtstag, wurden Tugces lebenserhaltende Maschinen abgeschaltet.  © Screenshot Twitter/TCFrankfurtBK

Der eine versuchte am vergangenen Dienstag (13. November) einen betrunkenen Obdachlosen von den Gleisen an der S-Bahn-Station Ostendstraße in Frankfurt zu retten, die andere beschützte zwei Mädchen vor ihrem späteren Mörder. Beide starben, mit Jahren zeitlichem Abstand, im November.

Doch so niederschmetternd ihre Opfer auch für ihre Angehörigen waren, sie schützten oder retteten sogar das Leben anderer Menschen. Die einfahrende S-Bahn, die Mustafa umgehend tötete, verletzte den ins Gleisbett gestürzten Obdachlosen wie durch ein Wunder nur leicht. Ein weiterer Mann, ein Kasache der wohl gemeinsam mit dem Gestürzten unterwegs war, kam mit schweren Verletzungen in eine Klinik.

Es ist wohl dem gedankenschnelle Eingreifen des 17-Jährigen zu verdanken, dass zwei Menschen weiterleben. Rund 400 Personen nahmen am Freitag (16. November) in seiner Heimatstadt Hanau Abschied.

"Wir wünschen dem 17-jährigen Mustafa Alptuğ Sözen, der einem auf den Gleisen liegenden bewusstlosen Menschen helfen wollte, dabei von der S-Bahn überrollt wurde und sein Leben verlor, Allah’s Segen und sprechen seiner Familie unser tiefstes Beileid aus."

Schüler Mustafa Alptug Sözen wurde nur 17 Jahre alt: Er wollte einen betrunkenen Obdachlosen von den Gleisen retten.
Schüler Mustafa Alptug Sözen wurde nur 17 Jahre alt: Er wollte einen betrunkenen Obdachlosen von den Gleisen retten.  © Screenshot Twitter/TCFrankfurtBK

Mit diesen Worten nahm das Türkische Generalkonsulat in Frankfurt auf Twitter Abschied von Mustafa, für den am Montag ein Kondolenzbuch im Hanauer Rathaus ausgelegt wird.

Tugce wurde im Jahr 2014 vom damals erst 18-jährigen Sanel M. zu Boden geschlagen, zog sich schwere Kopfverletzungen zu und erwachte nicht mehr aus dem Koma. An ihrem 23. Geburtstag wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet.

M. wurde vom Landgericht Darmstadt zu drei Jahren Jugendhaftstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt und nach der Verbüßung des Großteils seiner Strafe im April 2017 nach Serbien abgeschoben.

Das Bundesverdienstkreuz wurde der Lehramtsstudentin vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck posthum verwehrt - obwohl rund 300.000 Menschen eine Online-Petition unterschrieben hatten.

Im Fall von Mustafa gelobte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann vor allem eines: "Ich werde mich als Oberbürgermeister von Frankfurt dafür einsetzen, dass wir diesem jungen Helden angemessen gedenken."

Titelfoto: Screenshot Twitter/TCFrankfurtBK


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