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Drastische Maßnahmen nach Absturz! TUI legt Boeing-Flotte still, Luftraum wird gesperrt

Nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max gibt es drastische Konsequenzen

Nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max ergreifen Reiseveranstalter, Airlines und Luftfahrtbehörde drastische Maßnahmen, auch TUI!

Chicago/Addis Abeba - "Ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer machen" - das will der US-Luft- und Raumfahrtriese Boeing mit einem bevorstehenden Software-Update erreichen.

Beim Absturz der Ethiopian Airlines kamen am Sonntag 157 Menschen ums Leben.
Beim Absturz der Ethiopian Airlines kamen am Sonntag 157 Menschen ums Leben.

Doch nach zwei tödlichen Abstürzen neuer Maschinen binnen eines halbes Jahres sind die Zweifel an der Sicherheit der Baureihe 737 Max inzwischen so groß, dass etliche Staaten und Airlines die Jets vorerst am Boden lassen.

Das stürzt Boeing nicht nur in eine tiefe Imagekrise: Die 737-Max-Serie ist der gefragteste Flugzeugtyp des Airbus-Rivalen. Bei andauernden Problemen könnten auch massive Umrüstungskosten und Geschäftseinbußen drohen.

Unterdessen wird der internationale Flugverkehr aus Furcht vor weiteren Zwischenfällen zunehmend in Mitleidenschaft gezogen.

Am Dienstag erließen unter anderem Großbritannien, Australien und der südostasiatische Stadtstaat Singapur - eines der wichtigsten Drehkreuze der Luftfahrt weltweit - Startverbote für die noch relativ neuen Maschinen der Serie Boeing 737 Max. Am Nachmittag kam dann die Meldung, dass auch der deutsche Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt wird. Das sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Dienstag in Berlin auf Anfrage. Zuvor hatte Minister Andreas Scheuer (CSU) dies dem Sender ntv gesagt.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui kündigte infolge des Flugverbots in Großbritannien die vorübergehende Stilllegung seiner 15 Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 an. Auch die Billigfluggesellschaft Norwegian wird ihre 18 Maschinen vorerst außer Betrieb nehmen.

TUI Fly sollte 2019 sechs neue Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max bekommen. Die erste Maschine solle dabei Ende März ausgeliefert werden. Was daraus nun wird, ist unklar.

Eine Boeing 7373 Max von Tui Fly.
Eine Boeing 7373 Max von Tui Fly.

Infolge des Absturzes einer Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines, bei dem am Sonntag 157 Menschen ums Leben kamen, ist nun etwa die Hälfte der gesamten Baureihe bis auf Weiteres aus dem Verkehr gezogen worden. Seit 2017 wurden rund 350 der Flieger ausgeliefert.

Viele Länder folgen diesmal nicht - wie üblich - der Linie der US-Luftfahrtbehörde FAA. Diese verhängte vorerst kein Startverbot für die Maschinen. "Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen, und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilte die FAA am Montag (Ortszeit) mit.

Die US-Behörde kündigte jedoch an, sie werde "geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist". Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 im Oktober in Indonesien mit 189 Todesopfern Jahr gab es der FAA zufolge bereits zahlreiche technische Prüfungen und Maßnahmen.

Im Zentrum der Untersuchungen stand bislang ein umstrittenes System zur Flugkontrolle, das laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Crash in Indonesien gespielt haben könnte. Boeing versprach nun eine Verbesserung der Steuerungssoftware, die in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen aufgespielt werde.

Am 15. Dezember 2018 wird eine Boeing 737 Max an Air China ausgeliefert.
Am 15. Dezember 2018 wird eine Boeing 737 Max an Air China ausgeliefert.

US-Präsident Donald Trump sprach sich derweil gegen den Einsatz von zu viel Computertechnologie in der Luftfahrtbranche aus. "Flugzeuge werden viel zu kompliziert zum Fliegen", schrieb Trump am Dienstag auf Twitter, ohne Boeing zu erwähnen. Statt Piloten brauche es heutzutage Computerspezialisten. Doch diese Komplexität berge Gefahren, so Trump. "Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich will keinen Albert Einstein als meinen Piloten. Ich will großartige Flugprofis, die einfach und schnell die Kontrolle über ein Flugzeug übernehmen dürfen", schrieb er.

Einige Luftfahrtbehörden und Fluggesellschaften wollen nicht bis zum nächsten Boeing-Update warten. China und Indonesien hatten den neuen Boeings bereits am Montag ein Startverbot erteilt. Chinas Luftfahrtbehörde hatte in der Begründung darauf verwiesen, dass es bei beiden Unglücken "gewisse Ähnlichkeiten" gegeben habe.

Die Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines war am Sonntag auf dem Weg nach Nairobi kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Die Flugschreiber wurden inzwischen am Absturzort gefunden. Unter den Absturzopfern waren dem Auswärtigen Amt zufolge auch fünf Deutsche.

Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, warnte indes vor übereiltem Handeln. "Man muss jetzt keine Schnellschüsse machen, wenn man noch gar nicht weiß, was die Ursachen für den Absturz gewesen sind", sagte der CDU-Politiker am Dienstag im rbb-Inforadio. Die Gründe seien nicht immer ganz so einfach, wie sie vielleicht zunächst auf der Hand lägen. "Da kann man nicht direkt hingehen und Verbote erteilen. Am Ende braucht man doch ein Stück Beleg." Deutsche Fluggesellschaften nutzen dem Verkehrsministerium zufolge keine Boeing 737 Max 8.

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers. Der US-Hersteller hat bereits mehr als 350 Maschinen ausgeliefert und sitzt auf prall gefüllten Auftragsbüchern mit Tausenden Bestellungen. An der Börse ließ der große Ausverkauf der Boeing-Aktie zwar nach, doch die Nervosität der Anleger bleibt hoch. Im frühen US-Handel fiel der Kurs um rund fünf Prozent. Die Papiere des europäischen Erzrivalen Airbus profitierten hingegen leicht, hier näherte sich der Kurs mit einem Plus von gut einem Prozent dem Rekordhoch vom 1. März.

Es ist nicht das erste Mal, dass Boeing-Maschinen wegen Sicherheitsrisiken in großem Stil nicht starten. Im Januar 2013 hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA nach einer Reihe von Pannen ein Flugverbot für Boeings damaligen Vorzeigeflieger "Dreamliner" verhängt.

Vorausgegangen war eine Notlandung des Langstreckenjets in Japan, nachdem eine Batterie durchgeschmort war. Diesmal dürften die Folgen jedoch deutlich schwerwiegender sein, Boeing hatte damals lediglich 50 "Dreamliner" ausgeliefert, die 737-Max-Jets sind wesentlich stärker verbreitet.

Diese Maschinen bleiben jetzt am Boden

- Mehrere Länder haben ein Startverbot gegen den Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 oder die gesamte Serie der 737 Max-Flieger verhängt. Darunter sind neben Deutschland auch China, Indonesien, Großbritannien, Singapur, Australien, Malaysia,der Oman. Allein in China sind von dem Verbot knapp 100 Flugzeuge betroffen.

- Die US-Luftfahrtbehörde FAA, in deren Aufsichtsbereich 74 der Boeing 737 Max 8 im Einsatz sind, hat kein Startverbot ausgesprochen.

- Seit Montag haben sich mehrere Fluggesellschaften entschieden, die Maschinen vorsichtshalber am Boden zu lassen. Mehr als 60 Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 sind daher zeitweise nicht im Betrieb. Dazu gehören: Norwegian (18 Flugzeuge), der Reisekonzern Tui (15), die mexikanische Airline Aeroméxico (6), Aerolíneas Argentinas (5), Ethiopian Airlines (4), Cayman Airways (2) aus der Karibik, die südkoreanische Airline Eastar (2), die brasilianische Gol (7) und Südafrikas Comair (1).

- Andere Airlines wie die US-Fluggesellschaften Southwest Airlines, American Airlines und auch die kanadische Air Canada halten bisher an den Flugzeugen fest.

Fotos: DPA

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