Frau wird am Gehirn operiert und spielt nebenbei Violine!

London (Großbritannien) - In einem Londoner Spezialkrankenhaus entschied man sich für eine Operation am offenen Gehirn unter speziellen Umständen.

Dagmar Turner spielte während der OP ihre Geige.
Dagmar Turner spielte während der OP ihre Geige.  © Kings College Hospital PR

Die Britin Dagmar Turner (53) liebt und lebt für die Musik. Schon seit 43 Jahren spielt sie Geige und ist heute in einem Orchester und einigen Chören aktiv. Im Jahr 2013 erlitt sie jedoch bei einem Konzert einen Anfall, der ihr Leben verändern sollte.

Im örtlichen Krankenhaus stellte sich damals nämlich heraus, dass Turner an einem großen Gehirntumor leidet, der langsam wächst, teilte das King's College Hospital am heutigen Dienstag mit.

Seither unterzog sich die begabte Britin einer Chemotherapie, die gut zu laufen schien. Doch im Herbst des vergangenen Jahres kam die Schock-Diagnose: Der Tumor ist wieder gewachsen und plötzlich aggressiv!

Die 53-Jährige entschied sich deshalb zu einer Operation, solange die Chancen auf einen Erfolg bei der Entfernung des Tumors gut stehen.

Sie wurde daraufhin an das King's College Hospital überwiesen, wo sich der Spezialist Keyoumars Ashkan um sie kümmerte.

Operation musste detailliert im Voraus geplant werden

Der Eingang zum King's College Hospital.
Der Eingang zum King's College Hospital.  © Kings College Hospital PR

In einer ersten Besprechung waren sich Arzt und Patientin sofort einig, welchen Stellenwert Musik in ihren Leben einnimmt.

Denn der Doktor hat selbst einen Universitätsabschluss in Musik und spielt leidenschaftlich gern Klavier.

Mit entsprechenden Geräten wurde herausgefunden, wo der Tumor genau in Turners Gehirn sitzt und welche Bereiche zum weiteren Violine-Spielen gebraucht werden.

Es kam, wie es kommen musste: Beide Bereiche waren nahezu identisch. Turner lief Gefahr, bei einer Operation die Fähigkeit, Geige spielen zu können, zu verlieren.

"Dr. Ashkan diskutierte auch mit Dagmar Turner über die Idee, sie mitten im Eingriff zu wecken, damit sie spielen kann", teilte das Krankenhaus mit.

"Dies würde sicherstellen, dass die Chirurgen keine entscheidenden Bereiche des Gehirns beschädigten, die Dagmars empfindliche Handbewegungen speziell beim Spielen des Instruments kontrollierten."

Mit diesem Hintergrund stimmte Turner dem heiklen Plan zu. Chirurgen, Anästhesisten und Therapeuten planten die Operation deshalb so akribisch, wie selten.

Nachdem die Schädeldecke von den Chirurgen geöffnet wurde, wurde Turner "aus der Narkose herausgeholt. Sie spielte Geige, während ihr Tumor entfernt wurde. Dabei wurde sie von den Anästhesisten und einem Therapeuten genau überwacht", so das King's College Hospital.

Gehirn-OP verlief erfolgreich

"Wir haben es geschafft, über 90 Prozent des Tumors zu entfernen, einschließlich aller Bereiche, in denen aggressive Aktivitäten vermutet wurden und dabei die volle Funktion in ihrer linken Hand behalten", resümierte Keyoumars Ashkan nach der OP.

Dagmar Turner überstand die Operation sogar so gut, dass sie drei Tage danach die Klinik verlassen konnte. Sie wird nun weiter von ihrem örtlichen Krankenhaus überwacht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Patienten ein Instrument spielen, während eine Operation durchgeführt wird: 2018 spielte beispielsweise eine Frau in Texas ihre Flöte, um zu zeigen, dass ihre Fähigkeiten weiterhin besitzt. Und 2017 verkrampften bei einem Mann jedes Mal die Finger, wenn er sein Instrument in die Hand nahm. Bei einer OP wurde deshalb getestet, ob er wieder Gitarre spielen kann.

Mehr zum Thema Operation:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0