Nach Massenschlägerei: Tunesier erhebt Vorwürfe gegen Polizei

Hatem Khemiri liegt nach einer Bein-OP im Klinikum. Er und seine Frau Simona (54) haben Anzeige gegen die Polizei erstattet.
Hatem Khemiri liegt nach einer Bein-OP im Klinikum. Er und seine Frau Simona (54) haben Anzeige gegen die Polizei erstattet.

Von Bernd Rippert

Chemnitz - Massenschlägerei am Wall: Die Nachricht vom Wochenbeginn sorgte für Aufregung. Jetzt erheben zwei Männer Vorwürfe gegen die Polizei. Einer ist Hatem Khemiri (34): „Mir hat die Polizei ein Bein doppelt gebrochen und ich wurde beleidigt - dabei war ich bei der Schlägerei nur Zeuge.“

Der Fall aus der Sicht des Tunesiers: „Ich sah, wie sich am Rewe-Markt mehrere Deutsche und zwei Ausländer prügelten. Als die Polizei kam, wollte ich aussagen, wurde aber geschlagen, von drei Beamten zu Boden geschleudert. Mit einer Beinschere brach mir ein Polizist das linke Bein.“

Im Polizeiwagen habe ein Polizist erneut heftig auf das Fußgelenk von Hatem Khemiri getreten, es ebenfalls gebrochen.

„Als ich vor Schmerzen aufschrie, hörte ich ,Halt die Fresse‘ und ,Hau ab in Dein Land‘. Zu allem Überfluss soll ein Beamter dem Tunesier im Zellentrakt einen Becher Wasser ins Gesicht gekippt haben.

Erst um 2 Uhr habe die Polizei einen Krankenwagen gerufen. „Im Klinikum wurde ich wegen der Doppelfraktur operiert“, sagt Khemiri.

Der Tunesier erstattete Anzeige gegen die Polizei wegen Körperverletzung im Amt. Auch der Libyer El Aroui Naser (21), ein Betroffener der Schlägerei am Wall, behauptet: „Die Polizei hat mich zu Boden geschleudert. Auch ich werde Anzeige erstatten.“

Polizeisprecherin Jana Kindt hält sich zu den Vorwürfen bisher bedeckt: „Die Ermittlungen dauern an. Wir müssen eine Reihe von Zeugen vernehmen, ebenso den Tunesier und den Libyer.“

Fotos: privat, Bernd Rippert


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