Ermittler sicher: Mann in Köln baute Biowaffe

Köln / Karlsruhe - Der in Köln-Chorweiler festgenommmene Mann, der hochgiftiges Rizin in seiner Wohnung gelagert hatte, ist laut Bundesanwaltschaft "dringend verdächtig, vorsätzlich biologische Waffen hergestellt zu haben".

Die Ermittler hatten Gasmasken gegen das Gift aufgesetzt.
Die Ermittler hatten Gasmasken gegen das Gift aufgesetzt.  © DPA

Wie die Justizbehörde am Donnerstag in Karlsruhe weiter mitteilte, gibt es jedoch keine Anhaltspunkte für eine "konkretisierte Anschlagplanung" oder eine Mitgliedschaft des beschuldigten Tunesiers in einer terroristischen Vereinigung.

Der Tipp an die deutschen Sicherheitsbehörden sei vom US-Geheimdienst CIA gekommen, der den Interneteinkauf von Rizinussamen bemerkt habe, berichtete die "Bild" am Donnerstag.

Als der 29-Jährige auch noch Chemikalien gekauft habe, die zur Gewinnung des Giftes notwendig seien, sei am Dienstagabend der Zugriff in der Kölner Wohnung des Mannes erfolgt.

Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 29-jährigen Tunesier erlassen.

Es bestehe der dringende Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwaltes.

Die Ermittler kamen in Schutzanzügen.
Die Ermittler kamen in Schutzanzügen.

Bei dem gefundenen Gift handele es sich um eine Rizin-haltige Substanz. Die Behörde ermittele außerdem weiter auch wegen des Anfangsverdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Hier bestehe aber kein dringender Tatverdacht, hieß es.

"Er war den Sicherheitsbehörden bisher nicht aufgefallen. Sie hatten ihn nicht auf dem Radar", sagte auch ARD-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Das habe sich geändert, als er online versucht habe, in großer Menge Rizinussamen zu bestellen. "Und das hat das Bundesamt für Verfassungsschutz auf ihn aufmerksam gemacht", schilderte er.

Das angesehene Robert Koch-Institut (RKI) stuft das leicht erhältliche Rizin aus dem Samen des Wunderbaums als "potenziellen biologischen Kampfstoff" ein.

Update, 13.15 Uhr

Der in Köln gefasste Tunesier soll bereits seit mehreren Wochen biologische Waffen in seiner Wohnung hergestellt haben. Unter anderem hatte Sief Allah H. bei einem Online-Versandhändler 1000 Rizinus-Samen und eine elektrische Kaffeemühle gekauft.

"Anfang Juni 2018 setzte der Beschuldigte sein Vorhaben um und stellte erfolgreich Rizin her", teilte die Bundesanwaltschaft mit. "Dieses konnte bei dem Beschuldigten sichergestellt werden."

Update, 15.29 Uhr

Der 29-Jährige hatte nach bisherigen Erkenntnissen keine Mittäter. "Ich habe im Moment keinen Hinweis darauf", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf.

Zur aktuellen Sicherheitslage der Kölner Bevölkerung sagte er: "Ich finde, die Kölner Bevölkerung kann sagen: 'Gut, dass die Sicherheitsbehörden so ordentlich zusammenarbeiten und so entschieden handeln!'".

Update 18.20 Uhr

Nach dem Rizin-Fund in der Wohnung im Kölner Stadtteil Chorweiler besteht für die Anwohner keine Gefahr.

Nach Aussagen von Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) besteht keine Notwendigkeit, "Maßnahmen für Personen zu treffen, die sich außerhalb der Wohnung befanden", erklärte die Stadt am Donnerstag.

Titelfoto: DPA


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