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85 Jahre TV! Kennt Ihr die ersten Bilder?

Dresden - Manfred Baron von Ardenne wurde 1907 in Hamburg in eine Offiziers- und Adelsfamilie geboren. In Berlin begann Ardenne 1925 ein Physik-, Chemie- und Mathematik-Studium, das er 1926 wieder abbrach. Ardenne wollte sich lieber selber weiterbilden.
Der erste Serienfernseher der Welt: Aus Ardennes Versuchsanordnung von 1930/31 wurde 1933 dieses Gerät der Firma Loewe. Kurz darauf musste Namensgeber Loewe emigrieren.
Der erste Serienfernseher der Welt: Aus Ardennes Versuchsanordnung von 1930/31 wurde 1933 dieses Gerät der Firma Loewe. Kurz darauf musste Namensgeber Loewe emigrieren.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Es war eine Zeitenwende. Vor genau 85 Jahren unternahm ein späterer Dresdner letzte Schritte hin zum vollelektronischen Fernsehen: Manfred von Ardenne (1907-1997).

Berlin, Spätsommer 1930. Die Villa des jungen Barons Manfred von Ardenne im Ortsteil Lichterfelde ist ein einziges Labor: In jedem Zimmer stehen Versuchsaufbauten. Mal zur Radiotechnik, mal zum Röntgen. Den meisten Platz nimmt eine Anordnung ein, deren Effekte damals noch keiner ahnt: Vollelektronisches Fernsehen.

Bis dahin können Bilder nämlich nur mechanisch zerlegt, gefunkt und wieder zusammengesetzt werden. Oder kombiniert mechanisch-elektronisch. In beiden Varianten fallen die übertragenen Bilder extrem lichtschwach aus.

Ardenne aber hat Trümpfe, die er elektronisch verknüpft: Breitbandverstärker, modifizierte Braun‘sche Röhren und ab Dezember 1930 den Leuchtfleckabtaster als seine Erfindung - und quasi als i-Tüpfelchen.

Der 24 Jahre alte Manfred von Ardenne im Juli 1931. Gerade baut er eine Bildröhre in das erste vollelektronische TV-Gerät.
Der 24 Jahre alte Manfred von Ardenne im Juli 1931. Gerade baut er eine Bildröhre in das erste vollelektronische TV-Gerät.

Das alles kostet. Zwar fließt Geld aus Patenten für Radio-Geräte. Aber der damals 21-Jährige hatte sich 1928 mit 200.000 Reichsmark verschuldet, um seine bislang gemietete Villa zu kaufen. Gut, dass einer an ihn glaubt: Siegmund Loewe (1885-1962).

Der Vater der gleichnamigen Firma gibt Rückendeckung. Schließlich führte Ardenne 1930 nur ein Mini-Unternehmen, hauptsächlich bestehend aus ihm und Assistent Emil Lorenz. (Der sollte insgesamt 43 Jahre bei ihm tätig sein, stirbt 1971 in Dresden.)

Genau vor 84 Jahren dann erlebt die Öffentlichkeit das neue Medium, wie die Firma Loewe heute erinnert: „Auf der 8. Berliner Funkausstellung 1931 präsentierte die ,Radio AG D. S. Loewe‘ die erste elektronische Filmübertragung der Welt.

Manfred von Ardenne, dem ersten Chefingenieur von Loewe, war es gelungen, die unzulänglichen mechanischen Bildübertragungs-Methoden durch die Verwendung der Braun‘schen Röhre zu ersetzen.“ - Was aber fast nicht stattfindet.

Das erste vollelektronische TV-Bild mit Menschen (1931). Die Aufnahme der beiden erfolgte nicht direkt, sondern wurde von einem Film abgetastet.
Das erste vollelektronische TV-Bild mit Menschen (1931). Die Aufnahme der beiden erfolgte nicht direkt, sondern wurde von einem Film abgetastet.

Am Tag vor Ausstellungseröffnung brennen Bauteile der Vorführanlage durch. Der 23-Jährige und Lorenz basteln daraufhin die ganze Nacht - erfolgreich. Minuten vorm IFA-Start läuft alles!

Nach 1932 kümmert sich Ardenne nicht mehr direkt ums Fernsehen. Andere benutzen es: 1935 bis 1943 für das erste regelmäßige TV-Programm der Welt und militärisch. Denn im Zweiten Weltkrieg diente die elektronische Liveübertragung der Raketenforschung in Peenemünde.

Ab 1943 kamen Fernsehbomben zum Einsatz: Ferngelenkte Höllenmaschinen mit einer Zielkamera auf dem Sprengsatz, einem TV-Monitor im Cockpit ...

Und das Lichterfelder Haus? Ist heute als Villa Folke Bernadotte soziokulturelles Zentrum für alle. Drinnen erinnern Bilder an den Fernsehpionier. Seine Nachkommen machten dorthin vor zwei Jahren einen Familienausflug.

Manfred von Ardenne als Dresdner Bürger. Ab 1955 führte er das einzige private Forschungsinstitut der DDR.
Manfred von Ardenne als Dresdner Bürger. Ab 1955 führte er das einzige private Forschungsinstitut der DDR.

Dresden - Manfred Baron von Ardenne wurde 1907 in Hamburg in eine Offiziers- und Adelsfamilie geboren. In Berlin begann Ardenne 1925 ein Physik-, Chemie- und Mathematik-Studium, das er 1926 wieder abbrach. Ardenne wollte sich lieber selber weiterbilden.

Als 16-Jähriger erhielt er das erste von rund 600 Patenten. Bereits als Schüler hatte er Fotoapparate und Alarmanlagen konstruiert. Mit Unterstützung seiner Familie - und dank der Lizenzverträge seiner Erfindungen - konnte sich Ardenne ab 1928 ein Laboratorium für Elektronenphysik einrichten. Hier entwickelte er unter anderem die Grundlagen des Fernsehens.

Nach dem Krieg arbeitete Ardenne in der UdSSR an der Entwicklung der sowjetischen Atombombe mit. 1955 kehrte er nach Deutschland zurück. Im Dresdner Nobelstadtteil Weißer Hirsch baute er ein Institut mit rund 500 Mitarbeitern auf, das sich vornehmlich der medizinischen Forschung widmete.

Ardenne war zweimal verheiratet, hinterließ bei seinem Tod im Mai 1997 eine Tochter und drei Söhne.

Patente über Patente

Manfred von Ardenne war einer der größten Tüftler des 20. Jahrhunderts. Hunderte Erfindungen und Entwicklungen gehen auf sein Konto - eine Auswahl ...

  • 1926: Entwicklung des Widerstandortsempfängers mit Dreifachröhre - Grundlage für den Bau billiger Rundfunkempfänger
  • 1930: Flying Spot Scanner für die elektronische Fernsehübertragung
  • 1937: Scanning-Elektronenmikroskop (später verbessert)
  • 1943: Bau einer Anlage für kernphysikalische Forschungen
  • 1957: Verschluckbarer Sender für Messungen in Magen [&] Darm
  • 1961: Sicherheitsgurt zur Verlängerung des inneren Bremswegs in Kraftfahrzeugen
  • 1962: OP-Saal mit elektronischer Patientenüberwachung
  • 1970: Systematische Krebs-Mehrschritt-Therapie
  • 1972: Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie
  • 1990: Gründung der von-Ardenne-Klinik für die Behandlung von Krebspatienten
Gern an der Seite der Mächtigen: Manfred von Ardenne mit SED-Chef Walter Ulbricht (1893-1973, Mi.), links dessen Frau Lotte. Das Bild stammt von 1965. Die Ulbrichts besuchten Ardennes Institut am Weißen Hirsch in Dresden.
Gern an der Seite der Mächtigen: Manfred von Ardenne mit SED-Chef Walter Ulbricht (1893-1973, Mi.), links dessen Frau Lotte. Das Bild stammt von 1965. Die Ulbrichts besuchten Ardennes Institut am Weißen Hirsch in Dresden.
Auch eine Ardenne- Erfindung: Die Sauerstoff- Mehrschritt- The rapie.
Auch eine Ardenne- Erfindung: Die Sauerstoff- Mehrschritt- The rapie.

Fotos: imago, Archiv

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