Überstunden hinter Gittern! Schließer schuften wie noch nie

Justizminister Sebastian Gemkow (37, CDU) braucht mehr Personal für Sachsens Gefängnisse.
Justizminister Sebastian Gemkow (37, CDU) braucht mehr Personal für Sachsens Gefängnisse.

Von Juliane Morgenroth

Dresden - Sachsens Knast-Bedienstete schieben immer mehr Überstunden. Mittlerweile toppen sie sogar die Beamten im Polizeivollzugsdienst. Das liegt nicht nur am Personalmangel.

Seit Jahren häuft sich die Zahl der Überstunden in den zehn sächsischen Gefängnissen. Ende 2015 summierten sie sich auf knapp 69 500 - rund 39 Prozent mehr als 2009! „Das ist auch wesentlich mehr als im Vollzugsdienst der Polizei“, so Jörg Herold, Sprecher des Justizministeriums.

So schleppe im Schnitt jeder Bedienstete gut 40 Überstunden mit, obwohl die Mehrarbeit in erheblichem Umfang durch entsprechende Vergütungen abgegolten werden konnte. „Es gibt zu wenig Personal“, so Herold. Schon vor Monaten hatte Justizminister Sebastian Gemkow (37, CDU) deswegen Alarm geschlagen.

Die JVA-Bediensteten sind völlig überarbeitet, schieben Überstunden ohne Ende.
Die JVA-Bediensteten sind völlig überarbeitet, schieben Überstunden ohne Ende.

Weil Stellen abgebaut werden müssten, komme das Personal an seine Leistungsgrenze. Insgesamt gibt es 1723 Bedienstete im Justizvollzug. Obwohl frei werdende Stellen so schnell wie möglich nachbesetzt werden, besteht laut Herold ein Defizit, das die Zahl der Überstunden weiter wachsen lässt.

Weiteres Problem: Im Schnitt ist jeder Bedienstete 36 Kalendertage krank. Hinzu kommen nicht planbare Abgänge - vor allem vorzeitige Versetzungen in den Ruhestand aus gesundheitlichen Gründen. Die Bediensteten gehen genauso wie Polizisten mit 62 und nicht mit 67 in Pension.

Und das Durchschnittsalter ist mit über 47 Jahren im bundesweiten Vergleich hoch. Nicht einfacher wird die Arbeit der JVA-Bediensteten angesichts der Tatsache, dass Sachsens Gefängnisse konstant proppevoll sind. Zudem sind immer mehr Gefangene drogenabhängig.

Fotos: dpa/Matthias Hiekel, xcitePRESS


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