Ufa-Chef Hofmann über Akte Wedel: "Niemand hätte schweigen dürfen"

Der ehemalige Intendant Dieter Wedel bei der Generalprobe des Stücks "Martin Luther - Der Anschlag" in der Stiftsruine in Bad Hersfeld (Hessen).
Der ehemalige Intendant Dieter Wedel bei der Generalprobe des Stücks "Martin Luther - Der Anschlag" in der Stiftsruine in Bad Hersfeld (Hessen).  © DPA

Berlin - Ufa-Chef und Filmproduzent Nico Hofmann (58) hat sich nach den schweren Vorwürfen gegen den Regisseur Dieter Wedel betroffen gezeigt.

"Es wusste jeder, dass bei Dieter Wedel ein rauer Ton am Set herrschte, aber von sexuellen Übergriffen - oder sogar Vergewaltigungen - war mir nichts bekannt", schreibt Hofmann in der BILD-Zeitung am Dienstag.

Die Schwere der Vorwürfe habe ihn überrascht. Er habe nie mit Wedel gearbeitet, kenne ihn aber seit vielen Jahren, so der Chef der Filmproduktionsfirma Ufa ("Unsere Mütter, unsere Väter", "Der Tunnel").

Mehrere Frauen werfen Wedel (75) vor, sie während der gemeinsamen Arbeit sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Der Regisseur wies alle Anschuldigungen zurück, wie TAG24 berichtete.

Intendant und Filmproduzent Nico Hofmann am Rande der Pressekonferenz zu den Nibelungen-Festspielen in Worms.
Intendant und Filmproduzent Nico Hofmann am Rande der Pressekonferenz zu den Nibelungen-Festspielen in Worms.  © DPA

Nach Ansicht Hofmanns hätte es nicht passieren dürfen, dass sich Schauspieler oder Team-Mitglieder, die angeblich alles gewusst hätten, erst jetzt zu Wort meldeten.

"Wenn alles, was aktenkundig ist, geschehen ist, hätte niemand schweigen dürfen."

Wedel habe trotz allem "ein einzigartiges Werk vollbracht" und werde ein Teil deutscher Fernsehgeschichte bleiben, so Hofmann. "Man sollte seine Filme nicht verbieten, jetzt aber einer neuen Betrachtung unterziehen." Sie würden neu für sich und über ihn sprechen.

Wedel müsse sich dafür aber die Frage gefallen lassen, ob er für seinen Erfolg Menschen gebrochen habe.

Hofmann betonte, es sollte keine Diskussion über Wedel allein geführt werden. Die Debatte habe weit über die Filmbranche hinaus Bedeutung. "Uns steht eine längst überfällige Standortbestimmung bevor, wie wir als Männer und Frauen miteinander umgehen."


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