Uli Hoeneß nennt Gründe für Rückzug: "Ich wage mich in ein neues Gebiet"

München - Seit Donnerstag weiß man: Uli Hoeneß (67) wird sich auf der nächsten Jahreshauptversammlung des FC Bayern München e.V. nicht mehr zur Wiederwahl als Vereinspräsident stellen. Auch sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG wird er abgeben. Die Gründe nannte er nun offiziell.

Uli Hoeneß nennt Gründe für seinen Rücktritt. Die Entscheidung sei lange in ihm gereift, sagte der 67-Jährige bei der Pressekonferenz am Freitag.
Uli Hoeneß nennt Gründe für seinen Rücktritt. Die Entscheidung sei lange in ihm gereift, sagte der 67-Jährige bei der Pressekonferenz am Freitag.  © Peter Kneffel/dpa

"Es ist eine Entscheidung, die nicht kurzfristig getroffen wurde", stellte der oberste Mann beim FC Bayern München schnell klar. Verschiedene Faktoren haben letzten Endes dazu geführt, dass er das Steuer nun abgeben wird.

"Meine Frau hat mich des Öfteren beim Frühstück daran erinnert, dass sie auch mehr Zeit mit mir verbringen möchte."

Im Gespräch mit Freunden und Familie hat er diese Entscheidung reifen lassen. "Und die Meinung meiner Kinder war auch eindeutig - sie standen alle hinter meiner Frau."

Außerdem sei das Fußballgeschäft schwieriger geworden. "Manchmal muss man Dinge tun, die sind zumindest fragwürdig." Ins Detail wollte Uli Hoeneß nicht gehen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit wäre im Internetzeitalter besonders anstrengend geworden.

Zudem erscheint ihm der Zeitpunkt günstig. Er wollte den Verein, wenn es so weit ist, in einem "super Zustand" hinterlassen. Das sei ihm gelungen, sowohl finanziell, personell als auch sportlich. Er wollte außerdem keine drei Jahre mehr warten, seinen Wunschnachfolger Herbert Hainer (65) zum Zug kommen zu lassen. Schließlich wird auch der nicht jünger. Tipps werde er ihm aber keine geben: "Ich werde ihm keine Vorschläge machen, wie er den Verein zu führen hat. Er ist ein Vollprofi."

Vorschusslorbeeren gab es auch für den künftigen Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn, als Hoeneß begründete, wie es zu der Personalie kam: "Irgendwann hat's bei mir einfach 'klick' gemacht. Wir brauchen ohnehin einen ehemaligen Spieler in der Führung, das ist ganz wichtig. Oliver ist ein sehr reflektierender Mensch. Ich bin überzeugt, dass man ihm alle Hilfestellung geben wird, um seinen Arbeit gut zu machen. Und dann wird er das auch."

Er betonte zudem noch einmal, dass die Streitereien mit Karl-Heinz Rummenigge nichts mit seinem Ausscheiden zu tun hätten: "Wir waren nicht erst in der letzten Zeit sondern immer wieder in den letzten zehn Jahren unterschiedlicher Auffassungen. Die Zusammenarbeit war immer geprägt von einer Diskussionskultur und das finde ich auch wichtig."

"Keine Angst. Sie werden schon noch von mir hören."

Uli Hoeneß verlässt die Pressekonferenz.
Uli Hoeneß verlässt die Pressekonferenz.  © dpa / Bildfunk

Besonders freue es ihn, dass alle Entscheidungen der letzten Tage ruhig und sauber geregelt werden konnten. Alle wichtigen Weichen für den FC Bayern konnten entspannt gestellt werden. Ohnehin ruhe der Verein in sich und sei in einem top Zustand. "Es war immer mein Wunsch, alles so an die Zukunft zu übergeben", so Hoeneß.

Auch für Hasan Salihamidzic könnte Hoeneß Rücktritt zum Vorteil werden: "Er war in einer schlechten Situation. Lief alles super, lag es an Karl-Heinz und mir. Wenn nicht, wurde er kritisiert. Er hatte es auch zwischen zwei solchen Alpha-Tieren nicht leicht."

Zukunftspläne hat die FC-Bayern-Ikone keine: "Zum ersten Mal in meinem Leben werde ich am 16. November ohne Plan sein. Und das finde ich spannend. Ich werde mich also in ein neues Gebiet wagen. Und darauf freue ich mich."

Aber zurücklehnen wolle er sich nicht: "Ich werde kein golfspielender Rentner sein. Mir wird schon was einfallen. Nicht zu wissen, wo es lang geht, findet er sehr aufregend." Und scherzhaft bedrohlich fügte er an: "Sie brauchen sich keine Sorgen machen, man wird schon noch von mir zu hören bekommen."

Kritik an die Fans fand er dennoch in seinen Statements. Es ging ihm dabei um den Umgang mit dem Verein, von dem inzwischen übermenschliches abverlangt werde, um in der Gunst zu bleiben: "Ich habe nie verstanden, warum das Double so schlecht bewertet wird. Es scheint, als wäre die Champions League das Maß aller Dinge. Es gibt aber noch sehr viele andere Vereine, die Fußballspielen können".

Abschließend griff auch noch "Überraschungsgast" Karl-Heinz Rummenigge zum Mikrofon.

"Ich möchte mich für diese 45 Jahre bedanken", und er zitierte Winston Churchill, der einst sagte: "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer überflüssig." Respektvoll fügte er an: "Und ich glaube, von uns wollte nie einer überflüssig sein". Karl-Heinz Rummenigge kam im August 1974 zum FC Bayern München. Und er unterstrich noch einmal den Stellenwert, den Hoeneß nach dem 16. November im Verein haben wird: "Es wird nie sein letzter Tag sein."

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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