Nach der Wahl: Wie würde Sachsen heute abstimmen?

Sachsen - Unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise haben die Landtagswahlen vom Sonntag die Parteienlandschaft gehörig durcheinandergewirbelt.

Der große Durchmarsch der AfD in die Parlamente von Baden-Württemberg (15,1 %) , Rheinland-Pfalz (12,6 %) und Sachsen-Anhalt (24,2 %) macht die Regierungsbildung schwierig.

In allen drei Ländern sind die bisherigen Koalitionen abgewählt - die Ministerpräsidenten selbst können dennoch hoffen, in anderer Konstellation weiterzuregieren. Die einstigen Volksparteien CDU und SPD erlebten historische Niederlagen, die Grünen in Baden-Württemberg einen historischen Sieg (30,3 %).

Diese drei Landtagswahlen waren definitiv auch ein aktueller Stimmungsmesser zur aktuellen Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Alle Details und Ergebnisse der Landtagswahlen stehen unten.

Wie würde Sachsen wählen, wenn heute Wahl wäre?

Die nächste Landtagswahl in Sachsen steht erst im Sommer 2019 an. Aber die politische Landschaft hat sich seit der letzten Wahl 2014 verschoben. Wie stark fragen wir in dieser Umfrage:

Die Ergebnisse der Landtagswahlen

Lachend zeigt sich AfD-Chefin, Frauke Petry, nach den Hochrechnungen der Wahlen in Sachsen-Anhalt.
Lachend zeigt sich AfD-Chefin, Frauke Petry, nach den Hochrechnungen der Wahlen in Sachsen-Anhalt.

In Baden-Württemberg sind die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem vorläufigen Ergebnis zufolge erstmals in der deutschen Geschichte stärkste Partei. Und kamen auf 30,2 % der Wählerstimmen. Allerdings reicht es nicht für eine Fortsetzung der grün-roten Koalition.

Im Duell der Frauen in Rheinland-Pfalz verweist die SPD von Regierungschefin Malu Dreyer (36,2 %) die CDU von Herausforderin Julia Klöckner (31,8 %) nach dramatischem Wahlkampfendspurt doch noch auf Platz zwei. Rot-Grün ist aber passé.

In Sachsen-Anhalt erhält die im Zuge der Flüchtlingskrise aufgestiegene AfD, die nunmehr in 8 der 16 Landtage sitzt, ein Rekordergebnis: Mit 24,2 Prozent ist sie dort zweitstärkste Partei. Nach Angaben der ARD-Wahlforscher hat eine außerparlamentarische Partei dies noch nie geschafft.

Zu verdanken hat sie das demnach vor allem früheren Nichtwählern. Allerdings will mit den Rechtspopulisten, die auch in den beiden anderen Ländern zweistellig sind, niemand koalieren.

Nach den vorläufigen Ergebnissen sieht es im Einzelnen so aus:

In BADEN-WÜRTTEMBERG...

liegen die Grünen mit dem auch bei konservativen Wählern geschätzten Regierungschef Kretschmann bei 30,3 Prozent (2011: 24,2) - und damit in der einstigen CDU-Hochburg vor den Christdemokraten. Diese brechen mit dem blassen Spitzenkandidaten Guido Wolf völlig ein und sind mit 27,0 Prozent (39,0) erstmals seit Gründung des Bundeslandes nicht stärkste Partei. Die SPD wird auf 12,7 Prozent (23,1) halbiert - ihr mit Abstand schlechtestes Ergebnis im «Ländle». Eine Zäsur für die Volksparteien: Selbst für beide zusammen reicht es nicht. Die AfD springt aus dem Stand auf 15,1 Prozent. Die lange schwächelnde FDP legt auf 8,3 Prozent (5,3) zu. Die Linke kommt mit 2,9 Prozent nicht in den Landtag.

Die Sitzverteilung: Grüne 47, CDU 42, SPD 19, FDP 12, AfD 23.

Damit kommt ein Bündnis von Grünen und CDU in Frage. Rechnerisch wären auch Dreierbündnisse mit der FDP möglich: eine rot-gelb-grüne Ampel und eine schwarz-rot-gelbe «Deutschland-Koalition». Kretschmann wie Wolf beanspruchten am Abend den Regierungsauftrag für sich.

In RHEINLAND-PFALZ...

ist die seit 25 Jahren regierende SPD nach langem Umfragerückstand mit 36,2 Prozent (2011: 35,7) doch wieder stärkste Partei. Klöckners CDU sackt auf 31,8 Prozent (35,2) und damit ihr schlechtestes Ergebnis im Land ab. Die Grünen stürzen auf 5,3 Prozent (15,4). Die FDP kehrt nach fünf Jahren Abwesenheit im Landtag mit 6,2 Prozent (4,2) zurück. Die AfD bekommt auf Anhieb 12,6 Prozent. Auch in Mainz bleibt die Linke mit 2,8 Prozent draußen.

Daraus ergibt sich folgende Sitzverteilung: SPD 39, CDU 35, Grüne 6, FDP 7, AfD 14.

Damit kommt eine große Koalition von SPD und CDU in Frage oder ein Dreierbündnis mit Grünen und FDP. Dreyer strebt letzteres an: «Wir haben auch gute Zeiten in Rheinland-Pfalz erlebt gemeinsam mit der FDP», sagte sie. Bei den Grünen und der FDP wurde Gesprächsbereitschaft signalisiert.

In SACHSEN-ANHALT...

verliert die seit 2002 regierende CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff etwas. Mit 29,8 Prozent (2011: 32,5) verteidigt sie aber ihre Position als stärkste Partei. Allerdings wird ihr Juniorpartner SPD wie in Baden-Württemberg halbiert: 10,6 Prozent (21,5) sind zum Weiterregieren zu wenig. Die Linke fällt mit nur noch 16,3 Prozent (23,7) hinter die AfD als neue Nummer zwei zurück. Die Grünen verbleiben mit 5,2 Prozent (7,1) im Landtag. Die FDP scheitert mit 4,9 Prozent (3,8) erneut.

Damit ergeben sich folgende Mandate: CDU 30, SPD 11, Linke 17, Grüne 5, AfD 24. Nach diesem Stand ist allein Schwarz-Rot-Grün realistisch.

Fotos: dpa


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