Umwelt-Alarm: In dieser Region wird das Grundwasser immer krasser verpestet!

Rostock/Schwerin - Die Qualität des Grundwassers in Mecklenburg-Vorpommern wird Behörden und der Umweltorganisation BUND zufolge immer schlechter.

Leitungswasser tropft aus einem Wasserhahn. Müssen Teile des Trinkwassers in Mecklenburg-Vorpommern vielleicht bald aufwändig aufbereitet werden?
Leitungswasser tropft aus einem Wasserhahn. Müssen Teile des Trinkwassers in Mecklenburg-Vorpommern vielleicht bald aufwändig aufbereitet werden?  © dpa (Symbolbild)

Ein Fünftel des Grundwassers ist hier laut der Umweltorganisation BUND bereits mit zu viel Nitrat belastet. Schuld daran hat vor allem die Überdüngung des Bodens durch die Landwirtschaft. Dadurch gerät der Stoff in unser Grundwasser und auch in unsere Lebensmittel.

Zudem sei weder bei den Nitrat- und Sulfatbelastungen noch bei den Belastungen durch Pflanzenschutzmittel eine Trendwende festzustellen, heißt es in einem aktuellen Statusbericht des Agrar- und Umweltministeriums, den Minister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch in Schwerin vorstellte.

Im Gegenteil, die Verunreinigung des Grundwassers wird in Mecklenburg-Vorpommern immer schlimmer: Die vom Menschen gemachten Belastungen dringen dem Bericht nach in zunehmend größere Tiefen vor. Experten warnen schon vor einem wachsenden Aufwand bei der Trinkwasseraufbereitung. Um langfristig eine Kostenexplosion zu vermeiden, müssten die Schadstoffe in Böden und Gewässern reduziert werden, fordern sie.

In vier Regionen des Bundeslandes seien bisher zu hohe Nitratwerte aufgetreten, erklärte auch der Agrarexperte des BUND, Burkhard Roloff, unter Berufung auf Messungen des Landesamtes für Umwelt, Natur und Geologie (LUNG). An 20 Prozent der Grundwasser-Messstellen seien Nitratwerte über dem Grenzwert gemessen worden.

Diese "roten Gebiete" befänden sich in den Landkreisen Nordwestmecklenburg, Ludwigslust-Parchim und Rostock. Außerdem sei die beliebte Ferieninsel Rügen stark belastet. Grund für die Belastungen sei die Überdüngung der Felder mit Kunstdünger oder organischem Dünger, wie Gülle und Mist.

Warum sind Nitrate aus Pestiziden gefährlich und wie kommen sie in unser Trinkwasser?

Ein Bauer versprüht Gülle auf einem Feld.
Ein Bauer versprüht Gülle auf einem Feld.  © dpa (Symbolbild)

Nitrate selbst seien relativ unbedenklich, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Landen die Nitrate aber im Trinkwasser oder in Lebensmitteln, können sie während der Verdauung durch Einwirkung von Bakterien in Nitrit umgewandelt werden, dem eigentlich gesundheitlich problematischen Stoff.

Gesunden Erwachsenen droht aber auch bei erhöhten Nitratwerten in Wasser und Lebensmitteln keine unmittelbare Gefahr. Anders ist das bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten. Bei hoher Nitrat- bzw. Nitritaufnahme sei für sie ein akutes, gesundheitliches Risiko denkbar.

Bei bakteriellen Infektionen des Magen-Darm-Trakts bestünde dem BfR zufolge ein Risiko, dass nach der Aufnahme nitrathaltiger Lebensmittel oder Wasser, Nitrat im Darm vermehrt zu Nitrit umgewandelt wird.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) rät deshalb, Kindern, die an bakteriellen Magen-Darm-Infektionen leiden, beispielsweise keinen Spinat zu geben, weil das Risiko für eine Erkrankung steigt.

Den Grund für eine mögliche Erkrankung bei der Aufnahme von zu viel Nitrat erklärt die Ruhr-Universität Bochum: Im Körper können Bakterien Nitrat zu Nitrit umwandeln. Nitrit gelte als giftig und sei zudem an der Bildung sogenannter Nitrosamine beteiligt. Diese Nitrosamine können sich im Magen aufgrund der günstigen chemischen Bedingungen bilden.

Die meisten dieser aus Nitrat entstandenen Verbindungen haben sich in Tierversuchen als krebserregend erwiesen.

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